Für Profil ist er der mutigste der Mann der Welt, für die USA der Staatsfeind Nr. 1. Doch eigentlich sollte uns etwas anderes beschäftigen. Ein Kommentar von Dominik Leitner

Edward Snowden ist der letzte große Whistleblower in einer ganzen Reihe von Aufdeckern der vergangenen Jahre. Während manche ihn als Verräter bezeichnen, sehen andere in ihm den Kämpfer für mehr Transparenz und gegen die Überwachung. Das große Problem an der ganzen Geschichte ist aber, dass er seine Person publik gemacht hat. Seither haben die Medien auf der ganzen Welt nur mehr ein Thema: Nein, nicht die massive Überwachung durch die NSA, sondern vielmehr die Jagd nach Herrn Snowden. Das bietet zwar vielleicht mehr Schutz für ihn (da er nun offen nach Verbündeten wie z.B. Russland suchen kann), trägt aber definitiv nichts Zielführendes zur Diskussion bei.

Auch Österreich rückte für einen kurzen Moment in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Boliviens Staatspräsident musste in Wien landen, da ihm – aufgrund des Gerüchtes, er würde Snowden nach Südamerika transportieren – einige europäische Länder den Überflug nicht erlaubten. Einige Parteien haben sich auch bereits offen dafür ausgesprochen, Snowden Asyl zu geben. Da wären z.B. die Grünen, oder die Piratenpartei, welche etwas halblustig Snowden gerne als Spitzenkandidat hätte und – etwas überraschend – die Freiheitliche Partei Österreichs. Die Regierungsparteien sehen im Ansuchen Snowdens einen Formalfehler und geben dies als Grund dafür an, ihm Asyl zu verweigern.

Es bleibt also spannend. Überraschend dabei ist, dass die FPÖ sich hier mit jemandem verbündet, welcher als „politisch verfolgt“ bezeichnet werden könnte. Asylwerber mit dem selben Grund, welche nicht diese große Aufmerksamkeit bekommen haben, würden sich über eine solche Zuwendung der Freiheitlichen wahrscheinlich freuen. Dass die Piraten mit ihrer „Spitzenkandidaten“-Ankündigung offenbar in erster Linie Aufmerksamkeit erreichen wollten, zeigt zudem eine ungute Instrumentalisierung des Verfolgten, die die ganze Sache für die Piratenpartei eher peinlich erscheinen lässt.

Ja, die USA haben Dreck am Stecken. Obama hat an Glanz verloren. Und die Überwachung in dieser Form wurde bisher zwar oftmals vermutet, nun gibt es aber Beweise dafür (da die NSA diese Überwachung bisher nicht einmal zu dementieren versuchte). Eine Diskussion darüber würde den Rahmen dieser Kolumne eindeutig sprengen.

Um es zusammenzufassen: Whistleblowing ist heute wichtiger denn je. Nur so werden Dinge an die Öffentlichkeit gespült, welche verschiedene Institutionen lieber nicht verlautbaren würden. Und es ist bezeichnend, welche Jagd die USA auf Snowden gestartet hat. Aber anstatt der Profilierung einzelner Parteien hätte es von der Europäischen Union bestimmte Worte gebraucht: um sich gegen PRISM und dergleichen auszusprechen, um die USA für ebendies zu verurteilen und um eine gemeinsame Linie im Falle der Snowden-Asyl-Sache zu finden.

Bildquelle: AttributionNoncommercial Some rights reserved by skinner08

The following two tabs change content below.
freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

Neueste Artikel von Dominik Leitner (alle ansehen)