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Vor über 2000 Jahren hat sich Marcus Tullius Cicero um das Konsulat beworben. Quintus, sein Bruder, hat ihm dafür einen Ratgeber geschrieben, der damals wie heute seine Gültigkeit hat.

Quintus Tullius CiceroQuintus Tullius Cicero

(102-43 v. Chr.) der jüngere Bruder des bekannten Marcus Tullius Cicero, wuchs als Sohn eines Kaufmanns in Rom auf. Studium u.a. der Rhetorik in Griechenland bei den großen Philosophen der Zeit. 62 v. Chr. zum Praetor der römischen Republik ernannt, 59 v. Chr. zum Prokonsul für die Provinz Asia. Außerdem diente er sowohl seinem Bruder nach Julius Caesar als Legat in Sardinien und Gallien. Im Zuge der Nachwirkungen des Attentats auf Caesar wurde Cicero wie sein älterer Bruder ermordet.

Quintus Werk ist kein Ratgeber für einen besseren Weg der Politik, für visionäre Ansichten und einen neuen Stil. Vielmehr ist es wohl die erste Verschriftlichung, wie man durch Manipulation und zielgerichteten Einsatz der Redekunst Wählerstimmen für sich verbuchen kann. Und das wird – bis heute – ja immer noch angewandt.

Denn ein Kandidat muss wie ein Chamäleon sein und seine Miene und Rede je nach dem jeweiligen Gesprächspartner ändern.

Er war sozusagen ein Quereinsteiger in die Politik: als großer Redner und im gesamten römischen Bereich anerkannter Anwalt und Verteidiger hatte er zwar einen großen Namen – aristokratisch war er jedoch nicht. Und so hatte er es schon zu Beginn viel schwer als seine politischen Mitbewerber, welche aber vor allem durch Abscheulichkeiten auf sich aufmerksam gemacht haben.

Quintus wusste, dass der Aufstieg Marcus auch seinen eigenen Erfolg ebnen würde, und so hat der jüngere Bruder eben diesen Brief geschrieben. Einige Historiker bezweifeln, dass er wirklich von Quintus stammt, andere sehen darin eindeutig seine Ansichten. Und da das Wahlsystem im Römischen Reich etwas kompliziert war, konnte sich Marcus über diese Hilfestellung freuen. So war es, dass zwar jeder Mann grundsätzlich wählen konnte, das Römische Reich jedoch in unterschiedlichste Gruppen verteilt war. So konnte man in der Gruppe für einen Kandidaten stimmen, unterlag man dabei aber der Mehrheit, konnte man daran nichts mehr ändern. Und da (natürlich!) auch die Briefwahl noch nicht so weit war, mussten die Stimmen (der Gruppen) in persona erfolgen, was jene Betuchteren rund um Rom begünstigte, und die ärmeren Schichten eher fernhielt.

Die Leute lassen sich lieber eine nette Lüge auftischen als mit einer Ablehnung abspeisen.

Schon im 5. Punkt des Briefes zeigt Quintus sein Können: „Versprich allen alles“ ist dort zu lesen. Lieber vorher viel versprechen und nachher „leider“ nicht umsetzen können, als bereits zuvor nur „rationale“ Vorstellungen zu verbreiten. Und auch das „Dirty Campaigning“ gab es damals schon, Punkt 8 lautete wie folgt: „Kenne die Schwächen deiner Gegner – und schlage Kapital daraus“ und Obama-like (Punkt 10): „Gib den Menschen Hoffnung“. (Hier beziehe ich mich auf die 10 wichtigsten Ratschläge, vom Verlag in einem Kapital zusammengefasst.)

Die Menschen sind von Natur aus viel wütender, wenn man ihnen eine bitte rundweg abschlägt, als wenn man sein Versprechen später mit der Erklärung zurücknimmt, man würde ja gerne helfen, wenn man es nur könnte.

Wie die Wahl ausgegangen ist? Das muss man wohl oder übel selbst im Abschlusskapitel nachlesen (oder auf Wikipedia suchen). Das kurze Büchlein ist unterhaltsam und manchmal auch erschreckend aktuell, wenn man erkennt, welche Mittel heutige Politiker (und ihre Spin-Doktoren) anwenden, um die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Aufgrund der geringen Seitenanzahl und des angenehmen eBook-Preises auch sehr empfehlenswert für einen Tag am Wasser.

CiceroRatgeberQuintus Tullius Cicero

Wie man eine Wahl gewinnt
Der antike Ratgeber für Politiker

Haffmans & Tolkemitt

Seiten: 48
ISBN: 978-3-942989-29-9

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Bildquelle: Freud – WikiCommons – CC BY SA

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