Kommenden Montag wird mit Kroatien das 28. Land in die Europäische Union aufgenommen. Ein 12 Jahre andauernder Beitrittsprozess geht damit zu Ende und dennoch will auf beiden Seiten nicht wirklich Vorfreude aufkommen.

Viele EU- Bürger befürchten, dass man sich ein zweites Griechenland ins Boot hole. Diese Ängste werden von den Boulevardmedien noch zusätzlich geschürt. So titelte etwa die Bild- Zeitung: „Kroatien wird das nächste Milliarden-Grab“ 1. Selbst die seriösere Süddeutsche Zeitung schrieb: „Willkommen im nächsten Krisengebiet“ 2.
Auf der anderen Seite sehen auch die Kroaten selbst den EU-Beitritt mit gemischten Gefühlen. In einer Eurobarometer-Umfrage 2012 3 gaben jedenfalls nur 37 % der Kroaten an, dass die EU ein positives Image hat. Zudem nahm an den ersten EU-Wahlen nur knapp mehr als ein Fünftel der Bevölkerung teil.

Grund genug sich näher mit dem Beitrittsland auseinander zu setzen. Sind die Sorgen berechtigt? Wie steht das Land tatsächlich da und welche Reformen wurden im Rahmen des Beitrittsprozesses angegangen?

Wirtschaftliche Probleme

Die wirtschaftlichen Eckdaten zeigen, dass sich Kroatien nur langsam von der Wirtschaftskrise erholt. Seit 5 Jahren befindet sich das Land in der Rezession und erst für 2014 wird ein kleines Wirtschaftswachstum erwartet. Experten warnen nun davor, dass sich die Lage für Kroatien durch den Beitritt kurzfristig sogar noch verschlechtern kann. Mit dem EU-Beitritt endet nämlich für Kroatien die Mitgliedschaft in der Westbalkan-Freihandelszone Cefta und bestimmte Exportartikel werden mit Zöllen belegt. Dies dürfte die Außenhandelsbilanz etwas verschlechtern.

Diese negativen Wirtschaftsdaten haben natürlich auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Kroatien. So ist die Arbeitslosenrate von 8 % im Jahr 2008 auf 20 % im Jahr 2013 angewachsen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist noch einmal etwa doppelt so hoch. Dies sind schon alarmierende Zahlen, mit denen Kroatien in der EU allerdings nicht alleine da stehen.

Korruption als größte Baustelle

Ein schon in den Beitrittsverhandlungen wichtiges Thema war die ausufernde Korruption in Kroatien. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt das Land derzeit Rang 62 von 174 Staaten. In einer erst kürzlich veröffentlichten Studie 4 gaben zudem 90 % der befragten kroatischen Manager an, dass Bestechung und Korruption in ihrem Unternehmen weit verbreitet sei.
Dies deutet schon darauf hin, dass hier noch einiges geschehen muss. Allerdings hat Kroatien in den letzten Jahren auch ernsthafte Bemühungen angestellt, um die Korruption zu bekämpfen. Nicht zuletzt die Verhaftung und Verurteilung des Ex-Premiers Ivo Sanader, der wegen Korruption eine zehnjährige Haftstrafe absitzen muss, zeigen zumindest den guten Willen der politischen Elite. Allerdings betont ein Sprecher von Transparency International, dass man vor allem die so genannte Schalterkorruption noch intensiver bekämpfen müsse. Denn wenn man nicht bereit ist, Schmiergeld zu bezahlen, kann man in Kroatien oft lange auf einen Bescheid warten.

Politisch gesehen ein Erfolg

Auch wenn auf Kroatien nach dem Beitritt noch viel Reformarbeit wartet, so soll an dieser Stelle auch betont werden, dass der Beitrittsprozess schon vieles in Bewegung gesetzt hat. Kroatien ist noch eine sehr junge Demokratie und hat die autoritären Irrwege der 1990er Jahre hinter sich gelassen. Dies ist nicht zuletzt aufgrund der Forderungen der EU gelungen und ist für das gesamte Europa zumindest ein politischer Gewinn. Denn in der Balkanregion sind die Erinnerungen an vergangene Kriege noch nicht verblasst und es erinnert uns auch daran, dass die EU nicht nur eine Wirtschaftsunion ist, sondern vor allem auch ein Friedensprojekt.

Quellen und Fußnoten:

  1. auf bild.de, Abrufdatum: 27. Juni 2013
  2. auf sueddeutsche.de, Abrufdatum: 27. Juni 2013
  3. auf europarl.at, Abrufdatum: 27. Juni 2013
  4. Studie „Businessrisiken“ auf ey.com, Abrufdatum: 27. Juni 2013