Vergangene Woche war der US Präsident Barack Obama auf Staatsbesuch in Berlin. Fünf Jahre nach seinem umjubelten Besuch als Präsidentschaftskandidat. Die Begeisterung ist jedoch oft Ernüchterung gewichen. Ein Kommentar von Michael Hunklinger

Die Inszenierung war wieder einmal fast perfekt. Obama mitsamt seiner Frau Michelle und den Töchtern Malia und Sasha in Berlin. Sie geht mit den Kindern die Stadt erkunden, legt Blumen an der Mauer nieder und genießt den Sommer, während er die offiziellen Termine wahrnimmt. Beides gibt schöne Bilder. Höhepunkt des Staatsbesuchs war allerdings die eloquente Rede, die der Präsident bei strahlendem Sonnenschein vor dem Brandenburger Tor hielt. Reden kann er ja, der Mann. Inhaltlich hatten seine Worte jedoch wenig Gewicht. Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt war das, was wohl am ehesten hängenblieb. Ein bisschen abrüsten hier, ein bisschen Lob für die transatlantischen Beziehungen da und immer wieder die Betonung, wie eng die Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volk ist bzw. doch sei.

Quelle: Bundesregierung/ Kugler
Quelle: Bundesregierung/ Kugler

Auch Merkel betonte in ihrer kurzen Rede nur die schönen, guten Seiten der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Alles eitel Sonnenschein. Kein Wort zur aktuellen Diskussion um die Überwachung deutscher Internetnutzer und Homepages, kein Wort auch zu anderen brisanten Themen, an denen es ja durchaus nicht mangelt. Die heiklen Themen wurden wie auch vieles anderes in den Hinterzimmern besprochen. Bei einer Pressekonferenz am 19.06. im Kanzleramt wurde Prism und das Thema der Datenüberwachung dann zwar kurz angeschnitten, wirklich produktiv war daran allerdings nichts.

Vordergründig scheint also alles gut im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Hinter den netten Freundschaftsbekundungen hat sich aber vor allem Ernüchterung ausgebreitet. Bei der Regierung, aber vor allem beim Volk. Der Barack Obama, der die Deutschen vor Jahren noch so begeistert hat, ist leider hinter den vielen Erwartungen zurückgeblieben. Unbestritten hat Obama in seiner Zeit als Präsident einiges erreicht. Es gibt aber – vor allem in letzter Zeit – auch viel Kritik an seiner Amtsführung, angefangen von Guantanamo bis hin zu dem Lauschangriffen jetzt. Von Hope und Change bleibt nicht viel.

Alles in allem ein netter Staatsbesuch. Viele schöne Bilder, die vor allem für Merkel im Wahlkampf Gold wert sind, aber wenig Inhalte. Da wir aber in einer Gesellschaft leben, in der schöne Bilder und gute Inszenierungen meist von größerer Bedeutung sind als Inhalte, war Obamas Besuch in Berlin ein voller Erfolg.

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Michael Hunklinger

(*1989), studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien, wobei sein Fokus auf den politischen Prozessen in Österreich, Deutschland und Europa liegt. Aufgewachsen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet lebt er seit 2010 in Wien und beschäftigt sich für neuwal vor allem mit dem politischen Geschehen in Deutschland, bzw. den dort stattfindenden Bundestags- und Landtagswahlen.