Die Berliner Journalistin und Autorin Meredith Haaf hat mit „Heult doch! – Eine Generation und ihre Luxusprobleme“ eines der zahlreichen „Generationen“-Bücher, die zur Zeit am Markt sind, geschrieben. Ihre Generation, über die sie schreibt sind die heute 20-30 jährigen, bzw. alle die zwischen 1980 und 1990 geboren wurden.

MeredithHaafMeredith Haaf

Geboren 1983 in München, studierte Geschichte und Philosophie. Sie arbeitet als freie Journalistin für diverse Zeitungen und Zeitschriften, darunter NEON, SZ Magazin und EMMA. Sie ist Mitautorin des preisgekrönten Blogs maedchenmannschaft.net. Quelle: Piper Verlag

Natürlich gibt es die eine homogene Generation nicht. Jede Generation ist an den Enden offen und innerlich heterogen. Meredith Haaf schafft es jedoch immer wieder mit kleinen Anekdoten oder Beobachtungen, wie denen vom ersten „Scout Rucksack“ vom ersten Handy oder der jetzigen Internet- oder Facebookabhängigkeit Menschen ihrer Zielgruppe zu erreichen und den „Ja, so war es bei mir auch“ Gedanken hervor zu rufen.

„Kein Wunder: Wir waren Kinder, als das Ende der Geschichte postuliert wurde und damit letztlich auch das Ende der Zukunftsvisionen. Wir waren Jugendliche, als in den Neunzigerjahren die  „Anything goes“-Weltanschauung ihren Marsch durch sämtliche gesellschaftliche Bereiche antrat. (…) Also waren wir politikverdrossen, bevor wir es überhaupt selbst mal mit politischem Aktivismus versucht hatte. Wir wollten auf jeden Fall Karriere machen, bevor wir wussten, womit. wir waren ausgebrannt, bevor wir überhaupt angefangen haben richtig zu arbeiten.“

Die beschriebenen Menschen sind eindeutig dem Bildungsbürgertum zuzuordnen und für viele Menschen zwischen 20 und 30 sind es wohl wirklich Luxusprobleme was Haaf hier mit einem Augenzwinkern beschreibt. Für die angesprochene Gruppe allerdings ist es ein sehr treffendes und oft auch unterhaltsames Buch, dass deren Lebenswelten gut wieder gibt.  Ihre Angaben untermauert sie immer wieder mit verschiedenen Statistiken und Studien, was dem Buch einen wissenschaftlichen Anstrich gibt.

Wir, die zwischen 1980 und 1990 geborenen sind allerdings vor allem kein „Wir“ sondern viele „Ichs“, auch das wird bei der Lektüre des Buches klar. Sei es in der virtuellen Welt oder am hart umkämpften Arbeitsmarkt, keine Generation hat den Kampf des Einzelnen so perfektioniert wie die unsere, so Haaf. Solidarität gibt es nur dann, wenn es einem selbst nutzt. Auch sonst sind die Aussichten nicht so rosig, denn laut Haaf erwartet uns:

„Unsere Zukunftsmusik klingt nach Energiekrise, Klimawandel und Arbeitslosigkeit.“

Kommunikation, Geschlechtergleicheit, Generationenprobleme sind ebenso aktuelle wichtige Themen, die uns bewegen. Haaf nähert sich ihnen aus der Perspektive der heutigen Mittzwanziger. Der wichtigste Aspekt neben dem Pragmatismus, der die beschriebene Generation präge, so Haaf, sei die Angst bzw. Unsicherheit. Angst vor der Welt, dem Arbeitsmarkt, Selbstzweifel, Versuch zu Gefallen usw. Natürlich überzeichnet sie vieles aber als Angehöriger dieser Generation muss ich ihr leider in den meisten Fällen Recht geben.

„Man kann es in Blogs nachlesen, man kann es in Gesprächen hören, man kann es an der eigenen Seelenverfassung überprüfen: Offenbar hat eine ganze Generation mit vielen Ängsten und Unsicherheiten zu kämpfen.“

„Heult doch“ ist ein nicht nur für die 20 – 30 jährigen ein sehr empfehlenswertes Buch, sondern auch für all jene die sich dafür interessieren wie junge gut ausgebildete Menschen heute so ticken. Was jedoch fehlt, ist ein Kapitel in dem Haaf ihre Gedanken abschließt oder zu Ende führt. Sei es voll Resignation oder mit einem Appell an die Leser, an die Generation, die sie anspricht, sich gegen dieses System zur wehr zu setzten, an das sich die meisten von uns schon viel zu gut angepasst haben. Ein bisschen mehr Optimismus würde dem Buch gut tun, aber vielleicht ist unsere Welt und sind unsere Zukunftsaussichten genauso pragmatisch und realistisch, wie sie von Haaf dargestellt wird. Pragmatismus im Postoptimismus sozusagen.

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Heult doch. Eine Generation und ihre Luxusprobleme

Piper Taschenbuch

Seiten: 240
ISBN: 978-3492259514

Preis: [amazon_link id=“3492259510″ target=“_blank“ ]9,30 Euro[/amazon_link] (Taschenbuch), [amazon_link id=“B005SQH9WS“ target=“_blank“ ]7,49 Euro[/amazon_link] (Kindle-Edition) [Partnerlinks]

 

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Michael Hunklinger

(*1989), studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien, wobei sein Fokus auf den politischen Prozessen in Österreich, Deutschland und Europa liegt. Aufgewachsen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet lebt er seit 2010 in Wien und beschäftigt sich für neuwal vor allem mit dem politischen Geschehen in Deutschland, bzw. den dort stattfindenden Bundestags- und Landtagswahlen.