Das zweite Jahrhunderthochwasser innerhalb von 11 Jahren wirft ein weiteres Mal die Frage auf: Wie sollte man sich als Politiker am Besten verhalten?

Die sozialen Medien waren voll davon: geradezu live konnte man mitverfolgen, wie die Pegel stiegen, konnte mitfiebern, ob die Dämme halten. Und relativ rasch konnte man auch darüber lesen, wie Werner Faymann in Ebensee (SPÖ: 18 von 37 Mandaten) der Presse zufällig vor die Kamera lief und Michael Spindelegger offenbar ebenso unbeabsichtigt in Mitterkirchen (ÖVP: 10 von 19 Mandaten) gesichtet wurde. Einerseits könnte man es natürlich als einen Frühstart in den Wahlkampf verstehen, denn wohl nur ganz selten ist es möglich, derart zu zeigen, wie nahe man beim „kleinen Mann“ ist (bzw. bis zum Wahltag sein möchte), andererseits blieb ihnen auch gar nichts anderes übrig – ein verharren im Bundeskanzleramt oder in Brüssel hätte man ihnen nicht verziehen.

Was natürlich nicht passieren dürfte, passierte gerade der ÖVP Wien – blieb aber offenbar von vielen unbemerkt. Als sich die Lage in und um Wien verschlimmerte, drückte man nicht etwa Besorgnis aus, sondern teilte einen Seitenhieb auf die Wiener Regierungsparteien aus. Da fehlt es der Volkspartei offenbar an jeglichem Gespür.

Twitter___oevpwien__Alles_unter_Wasser._Nur_im_...

Die Freiheitlichen? Uff. Ein Einzelfall folgte den nächsten. Nach die Muslimische Jugend Österreichs ihre Mitglieder dazu aufgerufen hat, sich gemeinsam bei der Hochwasserhilfe zu engagieren, erklärte die FPÖ Traismauer, dass man sie hier in Österreich nicht brauche. Nebenbei FPÖ Telfs forderte Migranten auf, statt gegen Erdogan in Innsbruck zu demonstrieren, lieber beim Aufräumen zu helfen. Und Herr Strache postet eine Zeichnung, welche Werner Faymann bis zum Hals im Hochwasser nach dem Bundesheer rufend zeigt. Die Politik der FPÖ funktioniert offenbar mit dem Brechhammer – und das natürlich, ohne „einen Ausländerwahlkampf“ zu führen.

Die Krönung ist nunmehr das Team Stronach: Um das war es in den letzten Tagen eigentlich relativ ruhig. Doch nun kam endlich wieder ihr Guru nach Österreich und lud noch dazu alle zu einer Pressekonferenz ein. Hat das TS etwa noch ein abtrünnigen BZÖ-Politiker gefunden? Oder habe man Unstimmigkeiten im Parteiprogramm gefunden, die man gerne offiziell beseitigen möchte? Oder verlegt Stronach nun offiziell seinen Hauptwohnsitz nach Österreich? Nichts dergleichen. Frank Stronach lud als Frank Stronach zu dieser Konferenz ein – und das Thema war vorbestimmt: Das Hochwasser. Aus diesem Grund verließen ORF, ATV und Puls4 die Konferenz schneller als erwartet. Die große Erkenntnis: Es gibt eine neue Website, auf der eine Telefonnummer steht, bei welcher der Anrufer pro Anruf 5 Euro spendet. That’s it. Und was spendet er? Einer der zehn reichsten Österreicher zahlt 500.000 Euro aus seiner eigenen Tasche. Das ist mehr als lobenswert – jedoch: die Einberufung einer Pressekonferenz zeigt auf, dass für Frank Stronach IMMER Wahlkampf ist. Außer im Fernsehen.

Und das BZÖ? Stellt Frank als Diagnose aus: Er habe „keine Hoden“. Dankeschön.

Bildquelle: AttributionNoncommercialShare Alike Some rights reserved by Andreas Kepplinger/a_kep