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Die Medien berichten zwar nun bereits fast täglich darüber, es wird (in Deutschland) sogar zum Politikum: Doch selten wird erklärt, was Fracking eigentlich ist? Warum protestieren Politiker dagegen? Welche Gefahren birgt es?

Was bedeutet Fracking?

Fracking (oder auch: Hydraulic Fracturing) bezeichnet eine neuartige Form der Erdöl- und Erdgasförderung. Dabei wird bis zu rund 5 Kilometer in die Erde gebohrt (und mit Querbohrungen finalisiert), unter Druck eine Mischung aus Wasser und Chemikalien hineingepumpt und dabei Risse im Reservoirgestein (also Steine, welche normalerweise zur Wärmegewinnung angebohrt werden) erzeugt. Durch diese Risse entweicht auch Erdgas (und Erdöl) und kann so effektiver an die Oberfläche befördert werden. 1

HydroFrac_de
Abbildung 1: Diese Grafik stellt den Vorgang genau dar: Fracfluid wird die Mischung aus Wasser und Chemikalien genannt – und am Ende der Bohrung findet durch den massiven Druck ein künstliches Erdbeben statt.

Dieses Kurzvideo von ZDF erklärt es kurz und bündig:

Ein weiteres Video einer Fracking-Firma:

Es ist also eine andere Form der Förderung fossiler Brennstoffe: Worin liegt die Gefahr?

Wie die obige Grafik aufzeigt, kommt es u.a. zu einem (gewollten, da dies das Prinzip von Fracking ist 2) künstlichen Erdbeben: dies ist bis zu 5.000 unter der Erde nicht natürlich nicht ungefährlich und hätte eventuell auch Auswirkungen an der Erdoberfläche. Außerdem fürchtet man sich vor einem vergifteten Trinkwasser (da in den Schichten über der Bohrung Grundwasser gelagert ist) 3. Wie groß die Gefahr für das Grundwasser ist, ist aktuell noch absolut unkalkulierbar. 4. Im Internet sind mehrere Berichte über Chemikalien im Grund- und Trinkwasser durch Fracking zu finden, zum Teil aus 1987 5, zum Teil aus 2011 6.

Wo wird Fracking angewandt?

Der (große) Fracking-Trend ist noch relativ neu: in den US-Bundesstaaten North Dakota und Montana z.B. hat sich die Tagesproduktion von 2006 bis 2012 von Null auf rund 500.000 Barrel Öl gesteigert. Damit fördert North Dakota bereits mehr Öl als Alaska, mit steigender Tendenz 7.

Im Bundesstaat New York, in Frankreich und Südafrika ist Fracking gesetzlich verboten. Innerhalb der EU plant vor allem Polen die Förderung durch Fracking in den nächsten Jahren zu intensivieren 8.

In Deutschland ist das Fracking-Zentrum Niedersachsen: dort wurden die meisten der (seit 1961 stattgefundenen) 300 Fracs durchgeführt. Aber erst 1994 wurde neben einer vertikalen Bohrung auch eine horizonatle Bohrung vorgenommen. ExxonMobil, der große US-Energiekonzern hat 2008 in Niedersachen und Nordrhein-Westfalen Aufsuchungsprojekte gestartet, diese aber inzwischen eingestellt.

Was sind die Vorteile von Fracking?

Laut N24 könnte der deutsche Gasbedarf durch Fracking bis zu 27 Jahre lang gedeckt werden. Das bedeutet, dass das Land von Gasimporten aus dem Ausland für einige Zeit viel weniger abhängig wäre. 9

Obwohl die spezifischen Förderkosten um 70% höher sind als bei herkömmlich gefördertem Erdgas lohnt es sich für die Energieunternehmen trotzdem, Fracking einzusetzen, da der Verkaufspreis die Förderkosten immer noch übersteigt 10.

Die Fracking-Blase

In einem Artikel der Le Monde Diplomatique werden Bedenken geäußert, ob der große Fracking-Boom in den USA nicht auf einer Blase ähnlich der Immobilienblase aufbaut. Durch das hohe Schiefergasaufkommen und die massive Förderung sinkt zwar der Preis für Konsumenten, aber auch der Gewinn für die Förderunternehmen. Außerdem warnt man davor, dass hier offenbar mit falschen (bzw. übertriebenen) Zahlen spielt.

Dabei ist die Botschaft nicht schwer zu verstehen: Der neue Gasüberfluss kündigt keineswegs die nächste Phase dauerhaften Wohlstands an. Es handelt sich um eine künstliche Blase, die die grundlegenden strukturellen Instabilitäten nur kurzzeitig verdecken kann. Wenn diese Blase platzt, wird sie eine Versorgungskrise und eine Preisexplosion auslösen, die für die Weltwirtschaft schwere Folgen haben könnte. 11

Was ist Clean-Fracking und was hat das mit Österreich zu tun?

Die Montanuni Leoben und die OMV haben im Weinviertel ein Pilotprojekt namens „Clean-Fracking“ gestartet. Statt Chemikalien wurden dabei ausschließlich Wasser, Bauxit-Sand und Stärke eingesetzt. 2012 wurde das Projekt wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt 12. Probebohrungen in Poysdorf und Herrnbaumgarten wurden nach Bürgerprotesten von den politischen Entscheidungsträgern verboten.

Was sagen Wissenschaftler zu Fracking?

In einem Fragen-Antwort-Beitrag auf USA Today Robert Jackson, welcher den „Nicholas Chair of Global Environmental Change“ an der Nicholas School of the Environment innehat und Professer des Biologie-Departments an der Duke University ist den Fragen der Interessierten.

Auf die Frage, welche Chemikalen benutzt werden, erzählt Jackson:

Last week, Congress released the first national inventory of the 750 or so chemicals used in drilling and hydraulic fracturing. Many of the chemicals are harmless. Others aren’t. Some of the most concerning include carcinogens such as benzene, naphthalene, and diesel, hazardous air pollutants such as toluene and hydrochloric acid, and other chemicals, including 2-butoxyethanol, ethylene glycol, and lead. 13

Vereinfacht gesagt: Der Großteil der rund 750 benutzen Chemikalien sei unbedenklich, einige wenige hingegen nicht. Einige dieser Chemikalien werden wieder heraufgepumpt, andere verbleiben im Erdboden. Als er nach der Gefahr für das Trinkwasser gefragt wird, spricht er von drei potentiellen Gefahren:

There are three concerns about drinking water. One is the possibility that the chemicals in fracking fluids could leak into drinking water – from the surface, through the well casing or cement, or, less likely, moving upwards from deep underground. Another is that the brines or, less commonly, radioactivity from naturally deep waters could leak into drinking water. The third is that gases such as methane, ethane, and propane, could leak into the water. Our work has found evidence only for the last type of contamination. 14

In Deutschland entstand ein „Informations- und Dialogprozess der ExxonMobile über die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking-Technologie zur Erdgasgewinnung“ gegründet. Dabei wurde ein Expertenrat aus Wissenschaftlern einberufen, um durch verschiedene Studien die Risikogefahr zu eruieren. In ihrem Abschlussbericht nennen sie Worst-Case-Szenarien, welche durch Fracking passieren könnten.

Worst-Case-Szenarien in technischen Einrichtungen

  • Blow-Out
  • Leck eines Chemikalienbehälters auf dem Bohrplatz/Lkw-Unfall
  • Leck Abwasser-Pipeline
  • Undichtes Bohrloch

Szenarien zum Transport von Schadstoffen unter konservativen Bedingungen

  • Aufstieg Frack-Flüssigkeit
  • Transport von Frack-Flüssigkeit im Tiefenwasser
  • Aufstieg Methan
  • Aufstieg Abwasser
  • Transport von Abwasser im Tiefenwasser 15

Die auf das Abwasser bezogenen Szenarien sind grundsätzlich mit den Szenarien der Frack- und Produktionsbohrung vergleichbar. Sie werden daher nicht gesondert beschrieben.

Das sind wie gesagt „Worst-Case-Szenarien“ – grundsätzlich kam man zu dem Fazit:

„Für ein generelles Verbot der Fracking-Technologie sieht der Neutrale Expertenkreis keine sachliche Begründung. (…) Angesichts der neuartigen Risikodimension hält er jedoch eine Herangehensweise in vorsichtigen Schritten für angemessen.“ 16

Der Sachverständigenrat des deutschen Umweltamtes (seit 1972 ein Beratungsinstitut für die Bundesregierung) ist erst kürzlich zu einer Erkenntnis gekommen:

Nach Ansicht des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) hat das sogenannte Fracking keinerlei Vorteile für die Energiewende. „Die Gewinnung von Schiefergas in Deutschland wird die Energiepreise nicht senken und auch keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten können“, heißt es in einer Stellungnahme der Sachverständigen. 17

Der amerikanische Energytycoon T. Boone Pickens sieht die Zeit für „alternative Energieformen“ noch nicht gekommen und sieht die nahe Zukunft in einem TED-Talk im Erdgas.

Gefährdet das Erdgas das deutsche Bier?

Was ist das Aushängeschild der deutschen Bierbrauer? Genau: Das Reinheitsgebot. Und eben dieses sehen sie durch Fracking in Gefahr. Da man bis heute nicht wissen könne, welche Auswirkungen Fracking auf das Grundwasser haben könnte, sehen die Brauer als Grund zur Besorgnis. Denn: „Nach dem deutschen Reinheitsgebot, das am 23. April 1516 ausgerufen wurde, gehören nur Wasser, Hopfen und Geste ins Bier“ – potentielle Verunreinigungen durch den Wasser-Sand-Chemikalien-Mix haben darin nichts zu suchen 18.

Grundsätzlich hätte ein Gesetzesentwurf der Schwarz-Gelben Koalition vorgesehen, vor allem den Bereich rund um den Bodensee und wichtige Wasserschutzgebiete zu schützen. 85% von Deutschland wäre für Fracking zugelassen wurden. Doch das Reinheitsgebot ist den Deutschen offenbar heilig und so bekommen die Brauereien Rückendeckung aus der Politik – und dabei selbst aus FDP, CSU und natürlich von den Grünen und der SPD.

Fracking in Österreich – ist es möglich?

meinparlamentatLaut einer Fragenbeantwortung auf meinparlament.at erklärt der NÖ Energie-Landesrat Dr. Stephan Pernkopf, dass man sich bereits im Februar 2012 dazu bewegt sah, die angestrebten Schiefergas-Probebohrungen nicht zuzulassen. Und auch der „NÖ Energiefahrplan 2030“ sieht keinen Ausbau der Förderung von fossilen Energieträgern in Niederösterreich vor 19.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner erklärt, dass Fracking in Österreich noch nicht einmal beantragt wurde und das man Fracking bereits ins „Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz“ (UVP-G) aufgenommen habe und es dahingehend verschärft hat. Er schließt aber abschließend nicht aus, dass man zur Versorgungssicherheit für die Bevölkerung und die Wirtschaft weiter objektiv prüfen müsse, welche Optionen möglich sind 20.

Was sagen die einzelnen österreichischen Parteien dazu?

Die SPÖ Vorarlberg hat sich, als die Gesetzesvorlage in Deutschland im Gespräch war, bereits mit großer Sorge zu Wort gemeldet und sich strikt gegen Fracking ausgesprochen und dabei Rückendeckung von VP und den Grünen bekommen. Christina Brenner, Umweltsprecherin der Grünen hat am 21. Mai sogar einen Antrag gegen Schiefergasförderung im EU-Hauptausschuss eingebracht 21. Auf der Website der ÖVP konnte ich keine Informationen finden, in einem Interview mit die Presse spricht Wirtschaftsminister Mitterlehner, dass Fracking nicht grundlegend abzulehnen sei, man an Projekten ohnen Chemikalien weiterforsche und die Akzeptanz in der Bevölkerung finden müsste.

Ich glaube, die Sachlage wird uns dazu zwingen. Vor allem könnten wir mehr Druck auch auf die anderen Anbieter erzeugen, wenn wir bestimmte europäische Produktionen nach oben fahren 22.

Auf den Websites der FPÖ, des BZÖ und des Team Stronachs findet man keinerlei Suchergebnisse, wenn man nach „Fracking“ sucht.

So wie es aussieht, ist Fracking bei den Bundesparteien in Österreich (bis auf die Grünen) noch nicht auf der Agenda aufgetaucht. Auf Landesebene hat es bisher auch nur Niederösterreich (durch das bereits eingestellte Programm der OMV und der Montanuniversität Leoben) sowie Vorarlberg (durch die Nähe zu den potentiellen Fracking-Ländern Deutschland und der Schweiz) betroffen. Die große Diskussion ist bisher jedoch ausgeblieben.

Noch Fragen?

Am Besten einfach hier als Kommentar posten. Wir versuchen dann, die Fragen zu beantworten und werden den Artikel gegebenenfalls erweitern und updaten. Vielen Dank schon einmal an Team rund um meinparlament.at!

Hinweis
Die hier gesammelten Informationen sollen einen Überblick über das Thema Fracking verschaffen. Die Angaben sind jedoch ohne Gewähr. Wir haben unzählige Quellen studiert um die aufgetauchten Fragen zu beantworten. Sollten sich Unstimmigkeiten oder Fehler eingeschlichen haben, freuen wir uns über einen Kommentar – der Artikel wird dann natürlich auf Basis des neuen Wissens erweitert und abgeändert.

Status
Version 1.0 – Dienstag, 4. Juni, 8.00 Uhr
Version 1.1 – Mittwoch, 5. Juni, 9.30 Uhr – Einfügen eines zweiten Videos, Einarbeiten des Le-Monde-Diplomatique-Artikels in die neue Frage: „Die Fracking-Blase“
Version 1.2 – Mittwoch, 5. Juni, 22.45 Uhr – Einen Fehler im Absatz „Hinweis“ beseitigt.
Version 1.3 – Donnerstag, 6. Juni, 12 Uhr – Einen gravierenden Fehler im Absatz „Die Fracking-Blase“ ausgebessert.
Version 2 – Donnerstag, 6. Juni, 12.30 Uhr – Einbauen von wissenschaftlichen Wortmeldungen im Absatz: „Was sagen Wissenschaftler zu Fracking?“

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Bildquellen

  1. Abbildung 1: Mikenorton (Übersetzung: Maxxl2) auf wikicommons.org, Creative Commons Lizenz, Abrufdatum: 3. Juni 2013
    Titelbild: AttributionNoncommercialShare Alike Some rights reserved by SenatorMarkUdall

Quellen und Fußnoten:

  1. o.V. (2013): Hydraulic Fracturing auf de.wikipedia.org, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  2. o.V. (2013): Hydraulic Fracturing auf de.wikipedia.org, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  3. Bojanowsky, Axel (2013): Umstrittene Erdgasförderung: Forscher wollen Fracking in Deutschland auf spiegel.de, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  4. o.V. (2011): Fracking – Gefahr fürs Trinkwasser auf energiezukunft.eu, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  5. Krüger, Jörn (2011): US-Studie zeigt: Fracking kontaminierte mehrfach Trink- und Grundwasser – Studie in NRW wird bald ausgeschrieben auf unkonventielle-gasförderung.de, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  6. Krüger, Jörn (2011): USA: Fracking-Chemikalien und thermogenes Methan erneut im Grundwasser und Trinkwasser nachgewiesen
  7. o.V. (2013): Hydraulic Fracturing auf de.wikipedia.org, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  8. Krökel, Ulrich (2011): Polens riskanter Traum vom Gas-Reichtum auf zeit.de, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  9. o.V. (2013): Was ist „Fracking“? auf n24.de, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  10. o.V. (2013): Hydraulic Fracturing auf de.wikipedia.org, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  11. Ahmed, Nafeez Mosaddeq (2013): Die nächste Blase auf monde-diplomatique.de, Abrufdatum: 5. Juni 2013
  12. o.V. (2013): Projekt Schiefergas auf omv.at, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  13. Brown, Desair (2013): Expert answers your question on fracking auf USAToday, Abrufdatum: 6. juni 2013
  14. Brown, Desair (2013): Expert answers your question on fracking auf USAToday, Abrufdatum: 6. Juni 2013
  15. Informations- und Dialogprozess der ExxonMobil über die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking-Technologie für die Erdgasgewinnung (2012): Risikostudie Fracking (PDF), Abrufdatum: 6. Juni 2013
  16. Garms, Anja (2013): Warum Fracking so extrem umstritten ist auf welt.de, Abrufdatum: 6. Juni 2013
  17. o.V. (2013): Umweltrat rät von Fracking ab auf sueddeutsche.de, Abrufdatum: 6. Juni 2013
  18. Dierig, Carsten (2013): Fracking gefährdet Reinheitsgebot des deutschen Biers auf welt.de, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  19. Watschka, Johann (2013): Beantwortung der Frage von Christine Kiesenhofer auf meinparlament.at, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  20. Mitterlehner, Reinhold (2013): Beantwortung der Frage von Ingrid Schwarcz auf meinparlament.at, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  21. Grüner Klub im Parlament (2013): Glawischnig zu EU-Gipfel: Schiefergas und Atomkraft falsche Weichenstellungen für Europa auf ots.at, Abrufdatum: 3. Juni 2013
  22. Nowak, Rainer (2013): Fracking: „Glaube, die Sachlage wird uns dazu zwingen“ auf diepresse.com, Abrufdatum: 3. Juni 2013
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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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  • Bastian Grösslhuber

    Nur zur Info: Das ZDF-Video ist dermaßen falsch und schlecht recherchiert, dass es peinlich ist. Die zeigen noch nicht mal, dass die Risse in 5.000 Metern Tiefe nicht durch das Gas, sondern durch Sprengmittel entstehen. Das Wasser-Schlamm-Gemisch dient dem Öffnen von Mini-Rissen.

    Das „Clean Fracking“ ist keine Erfindung der Uni Leoben. Das steht zwar auf wikipedia, aber wen wundert das – wikipedia ist ja bekanntlich extrem schlecht recherchiert. Es gibt zig Firmen in den USA (und anderswo), die bereits auf natürliche Mittel umgestiegen sind und auf Chemikalien verzichten. Desweiteren sind die Chemikalien nur dann ein potentielles Problem, wenn sie an der Oberfläche sind oder die Beton-Stahl-Ummantelung des Bohrlochs nicht fachgerecht installiert wurde.

    Auch bei jeder anderen Form des Bohrens – egal wie tief und egal ob konventielle oder unkonventielle Gasgewinnung – werden im Bohrschlamm Chemikalien eingesetzt. Das Problem der Grundwasserverunreinigung ist grundsätzlich immer gegeben. Beim Fracking wird eben noch ein zweiter Schlamm benutzt. Die einzigen bekannten Probleme beim Fracking sind ausschließlich auf eine nicht fachgerechte Entsorgung/Lagerung des (wieder an die Oberfläche zurückgepumpten) Fracking-Schlamms zurückzuführen. Wenn diese in unsachgemäßen Behältern gelagert wird, kann es zu Verunreinigungen kommen. Das hat aber nix mit dem Fracking zu tun, sondern mit der Schlampigkeit einer kleinen Minderheit von Betreibern.

    Fracking gibt es seit 1947! Es gibt Millionen von Bohrlöchern. Fracking ist allerdings relativ teuer, weswegen es erst heute boomt (dank neuer Techniken und höherem Gaspreis). Die meisten Menschen, welche in der Umgebung solcher Bohrlöcher wohnen, wussten wahrscheinlich bis vor 5-10 Jahren noch nicht mal, dass neben ihnen gefrackt wurde.

    Bei Millionen von Bohrlöchern ist kein einziger Fall darunter, in dem das Fracking selbst irgendwelche Probleme verursacht hätte. Es gibt lediglich wenige Einzelfälle, wo es vielleicht (!) zu einer (lokal und zeitlich begrenzten) Verschmutzung des Grundwassers kam (was nur relevant ist, wenn man sein Trinkwasser über einen Brunnen bezieht), weil die Betreiber den zurückgepumpten Fracking-Schlamm nicht fachgerecht an der Oberfläche (!) entsorgt haben. Das Fracking selbst hat bis heute in weltweit mehreren Millionen Bohrlöchern zu keinem einzigen Problem geführt.

    Es gibt wenige kleinere Vorstudien (VORstudien!), welche Fracking-Felder untersucht haben und einen schwachen Zusammenhang zwischen (für den Menschen kaum bzw. nicht wahrnehmbaren) Erdbeben und Frackingbohrlöchern herstellen konnten.

    Desweiteren hätte ich mich gefreut, wenn sich der Autor dieses Artikels ein wenig mehr Mühe gegeben hätte, anstatt wikipedia (wtf? Ist das euer ernst?), andere Journalisten, „Öko“strom-Lobbyisten und Frau Glawischnigg (Seit wann ist ein Politiker objektiv?) zu zitieren. Es hätte schon gereicht, wenn man einfach mal nen unabhängigen (!) Geologen gefragt hätte – oder wenigstens einen der unzähligen wissenschaftlichen Vorträge von Geologen angesehen hätte.

    Hier ein Video einer Fracking-Firma, welches den Fracking-Vorgang korrekt und ausführlich erklärt:

    http://www.youtube.com/watch?v=VY34PQUiwOQ

  • Bastian Grösslhuber

    Bis heute konnte mir auch noch niemand schlüßig erklären, wieso es gefährlicher sein soll in 5.000 Metern Tiefe Gas oder Öl zu fördern als in ein paar hundert bis ~2500 Metern Tiefe.

    Hier noch mal ein gutes Erklärungsvideo. Hier geht’s um ganz normale Bohrlöcher, aber es besteht ohnehin kein Unterschied zwischen nem Fracking-Bohrloch und nem normalen Bohrloch, außer dass man tiefer bohrt und dann eben in der Tiefe „hydraulic fracturing“ stattfindet“.

    http://www.youtube.com/watch?v=qdKIaRHchqc

  • Lieber Herr Grösslhuber,

    Vielen Dank für ihre Kommentare. Ich habe das Video der Fracking-Firma zusätzlich eingebaut. Zur Quellenwahl: Für unsere „Was ist …?“-Beiträge können bzw. wollen wir oftmals nicht auf Wikipedia verzichten. Dies ist meist jene Seite, die kompliziertere Zusammenhänge vereinfacht erklärt. Was spricht gegen das Zitieren anderer Journalisten? Und Eva Glawischnig habe ich nicht im erklärenden Teil dieses Beitrages erwähnt, sondern bei den Reaktionen der Politik.

    Grundsätzlich vertraue ich bei den Videos eher einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender als einem Unternehmen, welches für seine Tätigkeit stets PR und Lobbying betreiben muss. Der Vollständigkeit halber habe ich das Video aber – wie gesagt – eingefügt.

    Liebe Grüße
    Dominik Leitner

  • Ludwig Csepai

    „In einem Artikel der Le Monde Diplomatique werden Bedenken geäußert, ob der große Fracking-Boom in den USA nicht auf einer Blase ähnlich der Immobilienblase aufbaut. Durch das hohe Schiefergasaufkommen und die massive Förderung steigt zwar der Preis für Konsumenten, aber auch der Gewinn für die Förderunternehmen. Außerdem warnt man davor, dass hier offenbar mit falschen (bzw. übertriebenen) Zahlen spielt.“

    Interessante Behauptung, dass durch die massive Förderung der Preis für die Konsumenten sowie die Gewinne der Förderunternehmen in den USA ansteigen, ich wäre doch glatt von einem fallenden Preis für Konsumenten ausgegangen. Oder handelt es sich hier um einen Irrtum?
    Bekanntlich weisen deutsche Unternehmer auf die sinkende Energiekosten in den USA hin, um die deutsche Energiewende zu stoppen, die den Preis für Konsumenten und Unternehmen ansteigen ließ und lässt (auch in Österreich), bei massiver Förderung alternativer Energietechnologien. Die Voest, nur so als plakatives Beispiel, will bereits in den USA investieren.
    Trotz massiver Förderungen bricht die deutsche Solarindustrie völlig ein, ziehen sich große Firmen aus der Produktion zurück, wegen hoher Kosten, chinesischer Importe, die die Preise für deren Produkte drücken.
    Der Aufforderung der Industrie an die Politik, angesichts steigender Energiekosten auf Fracking in Europa nicht zu verzichten, erscheint daher verständlich.
    Sonst steht die nächste Welle der Deindustrialisierung und Verarmung Europas bevor, bei schon jetzt steigender Massenarbeitslosigkeit in Europa.
    Als Trugbilder haben sich grüne Visionen entspiegelt, (anders gesagt: als geplatzte Blasen) die von Schaffung tausender, zehntausender Arbeitsplätze durch Alternativtechnologien, Wärmedämmung und ähnliches.
    http://www.spiegel.tv/#/filme/magazin-30122012/

    Grundsätzlich sollte man WissenschafterInnen, die mit der Materie vertraut sind, also keinen Psychologinnen, wenn es um Fracking geht, vertrauen, weder öffentlich-rechtlichen Medien noch privaten Firmen, wenn man selbst Laie ist.

  • Lieber Herr Csepai,

    Da ist mir eindeutig ein Fehler unterlaufen, der bereits ausgebessert wurde: Natürlich sinken dadurch die Preise für die Konsumenten und konsequenterweise auch die Gewinne der Firmen.

    Ich werde heute (bzw. eventuell morgen) nach Wortmeldungen von WissenschafterInnen Ausschau halten und den Artikel in Version 2.0 veröffentlichen.

    Liebe Grüße
    Dominik Leitner

  • Ludwig Csepai
  • Ludwig Csepai

    Dass der Sachverständigenrat des deutschen Umweltamtes keine Vorteile für die Energiewende sieht, ist doch etwas selbstverständlich, da das Amt ein großer Unterstützer der Energiewende ist, und Fracking eine Abkehr davon bedeutet.
    Ob der Sachverständigenrat auch die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile angemessen beurteilen kann, bezweifle ich ein wenig.
    Da würde ich auch mal die andere Seite befragen, wie sie das sieht, die deutsche Energiewirtschaft z.B..
    Es darf mit Recht darauf spekuliert werden, dass sich Fracking in Deutschland angesichts der hohen Preise auf Grund der Energiewende rentiert.
    Und diese werden auch noch weiter ansteigen.
    Fracking könnte daher auch einen Preisdruck auf die über den Preis subventionierten alternativen Energieunternehmen auslösen und diese in den Ruin treiben.
    Aber auch das ist nur Spekulation.

  • Die Abstimmung zum Thema Fracking jetzt auf http://www.politikalarm.de, dem unabhängigen Meinungsbarometer im Netz – gegen Politikverdrossenheit und für ein aktives Engagement im Alltag.

  • Bastian Grösslhuber

    Sehr geehrter Herr Leitner!

    Ich möchte Ihnen ausdrücklich dazu gratulieren wie sie mit der Kritik von Csepai und mir umgegangen sind. Ich bin da leider in Österreich durchaus eine andere Reaktion gewöhnt. Ihren Artikel nicht nur auszubessern, sondern gleich auf „v2.0“ zu bringen, finde ich äußerst positiv.

    Abschließend noch eine Bemerkung:

    Aufgrund der hohen Energiepreise in Europa (3mal so hoch wie in den USA) werden weder Erdgaskraftwerke noch Erdölkraftwerke besonders freudig gebaut (bzw. garnicht). Da aber die „alternativen“ Energieträger hohen Schwankungen unterliegen, braucht man immer Backup-Systeme in Form von Kraftwerken. Aus der Erfahrung der letzten Jahre haben wir gelernt, dass es sich hierbei quasi immer um Kohlekraftwerke handelt. Diese Kraftwerke sind die schlimmsten aller denkbaren Dreckschleudern und pusten 8mal so viel CO2 in die Luft wie das Gaskraftwerke machen würden. Ein pikantes Detail am Rande, das leider wenigen bekannt ist, ist die Tatsache, dass Kohlekraftwerke mehr (!) Radioaktivität routinemäßig an die Umgebung ablassen als das je bei einem Atomkraftwerk erlaubt wäre.

    Man muss es leider so deutlich sagen, aber wer gegen Fracking (und Atomkraft) ist, ist für Kohlekraftwerke – egal wie sehr er für alternative Energien eintritt.

    Darüber sollte sich jeder Fracking- und AKW-Gegner bewusst sein. Ich sage nicht, dass wir jetzt überall auf „Teufel komm‘ raus“ fracken und AKWs hinbauen sollen, aber man sollte schon überlegen, ob man das Thema nicht vielleicht ein wenig pragmatischer und weniger emotional angehen sollte. Leider ist von Pragmatismus und Sachlichkeit in der öffentlichen Debatte (gerade dank vieler Medien und Politiker) nichts zu spüren.

  • Pingback: Was unternimmt die EU gegen den Klimawandel? | EU2014.at()

  • maria anna dewes

    84% der BRD sind für Fracking bereits freigegeben. Im Zuge der Verhandlungen um CETA, TTIP und TISA bedeuten Sicherheitsvorkehrungen der einzelnen Bundesländer so gut wie gar nichts, denn falls diese Freihandelsabkommen verabschiedet werden sollen, können sich die Firmen eine Frackingerlaubnis – egal auf welche Art und Weise „gefrackt“
    wird- einklagen, falls in den Handelsabkommen nicht explizit das Vorsorgeprinzip, das z.Zt. noch in der EU gilt, vereinbart wird. Die Förderfirmen haben bereits investiert, das Land ist freigegeben, umweltpolitische Gründe zählen bei einem ISDS – Gericht wie Uncitral oder ICSID nicht, sondern dieses folgt rein wirtschaftlichen Kriterien und dem Inhalt der Handelsabkommens., (Zu Ihrer weiteren Info:Am 19.04.2014 wurden dieRahmenbedingungen zu ISDS bezüglich des CETA Handelsabkommen im EU-Parlament verabschiedet – in aller Heimlichkeit, es gab nicht mal noch eine Presseerklärung.) Es ist nicht von ungefähr, dass die Koalition unbedingt die Fracking-Frage vorantreiben möchte, denn sie will damit die Voraussetzungen für o.g. Handelsabkommen möglich machen. Genau wie die Koalition (BRD) in der Frage der GVO´s keinen Zweifel darüber aufkommen ließ, Wahlversprechen oder Inhalte des Koalitionsvertrages einfach zu ignorieren. Die Studie des Umweltbundesamtes (BRD) zu GVO´s ist im Netz veröffentlicht und ich habe sie gelesen. Das Fazit der Studie ist eindeutig: man braucht eine längere Beobachtungs- und Forschungsphase um Auswirkungen der GVO´s und der dazugehörigen Pestizide und Insektizide auf Umwelt und Boden einschätzen zu können. Zur Zeit ist das noch nicht möglich. Auch diese, die eigene Studie der BRD wurde einfach ignoriert.

    Die Koalition wird es auch schaffen – entgegen ihren Versprechen- jedwedem Verfahren zu Fracking den Boden zu ebnen.
    Es existiert kein Frackingverfahren, das ohne umwelttoxische Substanzen auskommt, oder bei dem keine toxischen Substanzen freigesetzt werden und diese sind genauso wenig wie Folgeschäden erforscht. Wenn hier behauptet wird, zu Schäden käme es nur, wenn „schlampig“ gearbeitet wird, kann ich nur feststellen, dass aus der Nutzung der Atomenergie nichts gelernt wurde. Ist in Fukushima oder Tschernobyl „schlampig“ gearbeitet worden?

    Die EU ebenso wie die Bundesregierung haben sich gesetzlich (Vertrag von Lissabon) einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Diese Verpflichtung wird ebenso ignoriert, bzw. ich glaube, dass die meisten Politiker und offensichtlich die Kommentatoren dieses Artikels gar nicht wissen, was das sein soll. Nach der Definition der UN enthält das Begriffsverständnis von Nachhaltigkeit den Anspruch der globale Gerechtigkeit und
    der Generationengerechtigkeit. Nachdem die friedliche Nutzung der Atomenergie mit den Folgekosten für die Gesellschaft dem Anspruch der Nachhaltigkeit nicht nur nicht gerecht wurde und wird, sondern ganz evident diesen Anspruch
    untergräbt, ( Allein in Deutschland sind bereits 150 Milliarden Euro an Folgekosten von den BürgerInnen bezahlt worden, weltweit mit den beiden GAUS belaufen sich die Folgekosten auf über eine Billion Euro!!) wird nun mit Fracking und GVO´s herumexperimentiert, deren Folgeschäden für künftige Generationen nicht absehbar sind. In meinen Augen machen sich die EU-Politiker sowie die Bundesregierung damit strafbar, da sie ihrer gesetzlichen Verpflichtung zu einer nachhaltigen Entwicklung nicht und zwar evident nicht nachkommen. Die Herren, die hier so nachdrücklich für Fracking und AKW´S plädieren, müssen akzeptieren, dass Nachhaltigkeit keine Worthülse sondern eine gesetzliche Vorschrift ist!

  • Marietta Mautner

    Was wäre mit einer Verlegung der Energieforschung und der Energiepolitik auf nicht-zerstörerische Formen der Energie-Gewinnung? Die Ansätze sind vielversprechend – in Kombination mit neuen Formen der Langzeitspeicherung ist der Solar- und Windenergie derzeit der absolute Vorrang zu geben.
    Die Investion des Geldes und des technischen Know How für fossile oder radioaktive Energiegewinnung ist hinausgeschmissenes Geld bzw. fehlgeleitetes Vermögen. Wann wird für erneuerbare Energie endlich so viel geforscht wie für diese Irrwege, mit denen unsere Gesundheit, die unserer Umgebung und nicht zuletzt auch die Schönheit der Natur aufs Spiel gesetzt werden?

  • Pingback: Fracking: Das kleinere Übel oder ein Umweltskandal mit dramatischen Folgen? | Energie Fakten()

  • Volker Koch

    Bitte auf Rechtschreibung und Grammatik noch einmal durchlesen. Kleine Fehler sind ja nicht schlimm aber Sätze die keinen Sinn ergeben bitte richtigstellen.
    Beispiel:
    Im Absatz

    Es ist also eine andere Form der Förderung fossiler Brennstoffe: Worin liegt die Gefahr?
    dies ist bis zu 5.000 (Was? Meter? Kilomerter?) unter der Erde nicht (das nicht ist zuviel) natürlich nicht ungefährlich und hätte eventuell auch Auswirkungen an der Erdoberfläche.

    Würde mich freuen wenn das behomen wird.
    Ansonsten ein toller und sehr informativer Artikel.