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In der seit Jahr(zehnt)en andauernden Bildungsdebatte gibt es keine Gewinner: ob Ministerin oder Gewerkschafter, ob SPÖ oder ÖVP. Statt über die Zukunft der Bildung zu sprechen geht es in Wahrheit nur um fragwürdige Ideologien. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

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von Dominik Leitner

Um es vereinfacht und auch polemisch zu sagen: Claudia Schmied hat versagt. Sie hat bei den Budgetverhandlungen vergessen, nachdrücklich sehr viel mehr Geld für ihr Bildungsressort zu fordern. Und ohne Geld ist es unmöglich, Reformen im Bildungsbereich anzugehen. Und so bleibt ihr nur die Aufgabe, stets „Kinder sind unsere Zukunft“ zu rufen, unfertige Reformen (Zentralmatura) und holprige Kompromisse (Neue Mittelschule) zu starten und schlussendlich stets an der Gewerkschaft zu scheitern.

Gewerkschafter Eckehard Quin kritisiert wohl zurecht Schmieds fragwürdige Ansicht, dass alles so viel einfacher ohne Gewerkschaft und Personalvertreter wäre. Marlene Gerber, Lehramtsstudentin, erzählt von ihrer Arbeit an einer Schule in Finnland: „Hier dürfen Lehrer, Schüler und Eltern Menschen sein, die vom Staat entlastet und gefördert werden.“ In Österreich sieht es jedoch anders aus – hier poltern ehemalige Landeshauptfrauen über die faulen Lehrer, die (Boulevard-)Medien dreschen regelmäßig drauf ein.

Das Problem ist: Claudia Schmied und die Gewerkschaft kommen auf keinen grünen Zweig mehr. Und nach der Wahl im September muss, sofern die SPÖ wieder in einer Regierung ist, die Ministerin wohl definitiv ihren Hut nehmen. Dass die ÖVP, ähnlich bei der Zivildienstdebatte auch bei der Neuen Mittelschule mit der Angstkeule agiert, macht eine ausgewogene, fundierte Diskussion nicht möglich. Dass durch das Jein der Volkspartei beim Versuch, zwei Schulformen zu vereinen plötzlich drei Schulformen vorhanden waren, zeigt die Idiotie der gesamten Diskussion.

So unverständlich es womöglich auch sein mag: Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, dass es so nicht weitergehen kann. Das „Weil’s immer schon so war“ der VP und der Gewerkschaft ist also nur sehr schwer haltbar. Dass man aber durch Einsparungen, einer Erschwerung der Ausbildung (gerade in Zeiten des beginnenden Lehrermangels, wie die Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Eva Bliminger, erklärt) und einer Erhöhung der Unterrichtszeit bei nur zu 2/3 anwachsendem Gehalt keine bessere Schule machen kann, müsste Frau Schmied eigentlich auch schon verstanden haben.

Denn: Es stimmt schon, dass Bildung der Grundstein für eine gute Zukunft ist. Doch dafür muss man heute Geld in die Hand nehmen – auch wenn es nicht gleich zwangsläufig demnächst als Einnahme wieder ihm Budget aufscheint. Das wird auch der/die zukünftige FinanzministerIn einsehen müssen – es ist, wie man so schön sagt, eine Investition in die Zukunft. Und diese Investition sollte endlich einmal getätigt werden.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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