Der langjährige FDP-Politiker und deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher und die liberale Zukunftshoffnung Christian Lindner im Gespräch. Anlass dafür seien sowohl die schwierige Situation, in der sich die Freie Demokratische Partei (FDP) in Deutschland momentan befinde als auch die guten und ergiebigen Gespräche der beiden Politiker, die die grundliegenden Ideen und Konzepte ihrer Partei reflektieren wollen.

445px-Hans-Dietrich_Genscher_Dezember_2007_CJD_Koenigswinter_2Hans-Dietrich Genscher
Jahrgang 1927, war u. a. achtzehn Jahre Außenminister und    elf Jahre Parteichef der Liberalen. Er hat die deutsche Einheit und den Weg zu einem geeinten Europa maßgeblich mitgestaltet. Mit seinen fünfundachtzig Jahren ist der FDP-Ehrenvorsitzende noch immer eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Politik.
759px-FDP-Wahlkampfkundgebung_in_der_Wolkenburg_Köln-2217Christian Lindner
Jahrgang 1979, Landesvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen, gehört zu  den Vordenkern des politischen Liberalismus in seiner Generation. Mit seinem Wahlerfolg in Nordrhein- Westfalen hat er gezeigt, dass eine gewandelte FDP neues Vertrauen gewinnen kann.
Quelle: www.hoffmann-und-campe.de, Fotos: Tohma, Raimund Spekking
„Wir müssen reden.“

Zwei Generationen sind es, die hier aufeinandertreffen, aber auch zwei Menschen, die sich nicht nur als Politiker, sondern viel mehr als Liberale austauschen. Brückenschläge, so der Titel werden von Genscher zu Lindner, von einer Generation, die den Krieg miterlebt hat zu einem jungen aufstrebenden Politiker, der in den 90ern in die Partei eingetreten ist, geschlagen. Was beide im Innersten verbindet ist die Liebe zur Freiheit.

Genschers Lebensgeschichte und seine politische Karriere ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Anhand ihr werden Entwicklungen und Transformationsprozesse der FDP aber auch Deutschlands und Europas nachgezeichnet. Die Themen des Buches sind breit gefächert und reichen von Bildung, Sicherheit und Internet bis hin zu den Beziehungen zwischen Individuum, Staat und Markt, wobei beide für eine starke soziale Marktwirtschaft eintreten. Die individuelle Freiheit ist für beide das Grundprinzip jeder liberalen Politik.

„Kann ich für die Deutschen eine Zukunft in Frieden und Wohlstand erhoffen, wenn die Franzosen und Polen diese nicht erwarten können? Oder muss ich Europa nicht in seiner Zukunftsperspektive europäisch denken, und zwar in jeder Hinsicht?“

Ein für beide wichtiges Thema ist auch Europa, das gerade in Zeiten von Eurokrise und Euroskepsis, oft nicht mehr so begeistern kann, wie in der Vergangenheit. Unbestritten ist jedoch, die Bedeutung eines gemeinsamen Europas für uns alle. Europa ist für Genscher, der den Weg der europäischen Integration entscheidend mit geprägt hat, vor allem ein Friedensprojekt, wohingegen Christian Lindner die Freiheiten die Europa bietet in den Vordergrund stellt.

Dass diese kleinen Differenz, wie auch einige andere, nicht ausdiskutiert werden oder sich auch einmal größere Meinungsverschiedenheiten auftun ist eine Schwachstelle des Gesprächsbandes, da es über weite Strecken fast „glatt gebügelt“ erscheint. Mehr Auseinandersetzung, die es ja gibt, hätte dem Buch gut getan.

Insgesamt bleiben die beiden Protagonisten bei ihren Gesprächen meist vage und beschäftigen sich mehr mit den großen Themen der Welt und Grunddimensionen der Freiheit und gehen dabei nur wenig auf das aktuelle politische Tagesgeschehen ein. Sie skizzieren dabei eine liberale Partei, die sich mehr an den Zeiten orientiert, als die FDP mit der SPD in einer sozial-liberalen Koalition zusammengearbeitet hat, als an der aktuellen rein marktwirtschaftlich ausgerichteten aktuellen FDP. Sie plädieren hier vor allem für eine Eigenständigkeit der Liberalen und eine Offenheit hin zu allen möglichen Koalitionspartnern.

„Unsere Partei sollte Brücken bauen, statt Gräben zu festigen.“
„Ja, schlagen Sie Brücken, Herr Lindner. Sie können das.“

Genscher, der nach wie vor viel Macht in der Partei hat, sieht in Lindner langfristig die Zukunft der Liberalen, das wird durch das Buch klar. Ob für den 34-jährigen das mehr Gewinn oder mehr Last ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. In jedem Fall ist es eine interessante Auseinandersetzung mit den Themen Freiheit und Liberalismus, welche gerade in der heutigen Zeit in den politischen Diskursen wichtig wäre.

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Hans-Dietrich Genscher, Christian Lindner
Brückenschläge
Zwei Generationen, eine Leidenschaft

Hoffmann und Campe Verlag
ISBN: 978-3-455-50296-1

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Information: Wir bedanken uns beim Hoffmann und Campe Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

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Michael Hunklinger

(*1989), studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien, wobei sein Fokus auf den politischen Prozessen in Österreich, Deutschland und Europa liegt. Aufgewachsen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet lebt er seit 2010 in Wien und beschäftigt sich für neuwal vor allem mit dem politischen Geschehen in Deutschland, bzw. den dort stattfindenden Bundestags- und Landtagswahlen.