Die Rechte der autochthonen Volksgruppen in Österreich sind durch das Bundesgesetz über die Rechtsstellung der Volksgruppen in Österreich aus dem Jahre 1976 abgesichert. Auf wenn das Gesetz abzielt und wie eine  österreichische Volksgruppe in den Genuss spezieller Volksgruppenrechte kommt, wird im Folgenden näher betrachtet.

Volksgruppen in Österreich

Sechs Volksgruppensprachen sind derzeit in Österreich anerkannt: Slowenisch, Burgenland-Kroatisch, Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch sowie Romani. Insgesamt sprachen bei der letzten Spracherhebung im Jahr 2001 knapp 120.000 eine dieser Volksgruppensprachen. Wobei nur knapp 50.000 SprecherInnen auch in Österreich geboren, somit auch autochthon sind.

Was heißt autochthon?

Das österreichische Volksgruppenrecht zielt auf autochthone Volksgruppen ab. Eine autochthone Minderheit ist nicht durch Zuwanderung in ein Land gekommen, sondern ist  dort  „eingeboren“ bzw. „beheimatet“. Wie lange eine Volksgruppe in einem Land ansässig sein muss, um auch als „autochthone Volksgruppe“ zu gelten, ist umstritten und wird von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt. In der Literatur ist oft von drei Generationen oder 90-100 Jahren zu lesen.

Die Zugewanderten

Mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien kam eine große Zahl an SprecherInnen der kroatischen Sprache nach Österreich. Deshalb wurde bei der letzten Sprachenerhebung bei der Volkszählung 2001 eine Unterscheidung zwischen Kroatisch und Burgenland-Kroatisch eingeführt. Auch aus den anderen ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens kam eine beträchtliche Anzahl nach Österreich und sind auch hier geblieben. Obwohl die Zahl der SprecherInnen der jeweiligen Sprache oft die Zahl der anerkannten Volksgruppensprachen bei weitem übersteigt, genießen sie keine besonderen Rechte. Diese Rechte haben nur jene Volksgruppen, die hier autochthon, also „beheimatet“ sind.

Wie wird man eine anerkannte Volksgruppe?

Eine Volksgruppe hat in Österreich aber kein automatisches Recht auf einen Volksgruppenstatus. Zuletzt wurden ist Österreich Roma&Sinti 1993 anerkannt. Das österreichische Recht sieht aber keinen Automatismus vor. Das heißt: nur wenn der politische und gesellschaftliche Wille vorhanden ist, wird eine Volksgruppe anerkannt werden. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass eine weitere Volksgruppe in Österreich anerkannt werden wird. Aktuell wird das schon seit längerem von der polnischen Volksgruppe in Wien gefordert, deren Wurzeln in Österreich bzw. in Wien auf die Monarchie zurückgehen.

Volksgruppenrecht als regionales Recht

Volksgruppenrechte gelten nicht österreichweit, sondern nur dort wo die Volksgruppen autochthon (beheimatet) ist. Für die Kärntner SlowenInnen ist das bspw. ein definiertes Gebiet in Südkärnten, wo die SlowenInnen Anspruch auf zweisprachigen Unterricht, Amtsverkehr und topographische Aufschriften haben. Kaum Unterscheidung macht das Volksgruppenrecht aber zwischen Personen, die in Österreich geboren, oder aber zugewandert sind. Ein Slowene, der vor 20 Jahren nach Südkärnten zugewandert ist, kann hier trotzdem Slowenisch bei Amt sprechen, auch wenn er nicht zur Volksgruppe der Kärntner SlowenInnen gehört. Niemand ist gezwungen seine Volksgruppenzugehörigkeit nachzuweisen. Verlässt aber ein/e Kärntner Slowene/in das definierte autochthone Siedlungsgebiet in Südkärnten, so hat er/sie kein Recht auf die Volksgruppenrechte.

 Ist Volksgruppenrecht reines Sprachenrecht?

In Österreich trifft das sehr stark zu. Das österreichische Volksgruppenrecht zielt vor allem auf das Recht der Nutzung und Förderung der jeweiligen Volksgruppensprache ab.

Soviel Recht für so wenig Volksgruppenangehörige?

Die reelle Zahl der jeweiligen Volksgruppenangehörigen lässt sich nicht ermitteln. Niemand kann in Österreich dazu gezwungen werden, sich zu einer Volksgruppe zu bekennen. Bei den Volkszählungen der Zweiten Republik wurde zur Ermittlung der Volksgruppengröße immer nach der Umgangssprache gefragt. Hier lässt sich ein Problem erkennen: kann Sprache das einzige Merkmal für die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe sein? Wie aber bereits im vorigen Punkt angemerkt, ist das österreichische Volksgruppenrecht vor allem ein Sprachenrecht. Ungefähr 50.000 in Österreich geborenen Personen haben sich laut Statistik Austria bei der letzten Volkszählung zu einer der anerkannten Volksgruppensprachen bekannt. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass bei der gleichen Volkszählung auch ca. je 180.000 Personen gab, die Türkisch oder Serbisch als Umgangssprache angegeben haben. Und trotzdem ist es wichtig und gut, dass die anerkannten Volksgruppen spezielle Rechte haben, die darauf abzielen die Volksgruppen zu fördern und zu erhalten. Die jeweiligen Volksgruppen leben schon lange auf dem Gebiet des heutigen Österreichs, haben es mitgestaltet und die Kultur geprägt. Schlussendlich ist Österreich die Summe aller hier lebenden Volksgruppen. Egal ob anerkannt oder nicht.

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Martin Zinkner wurde 1981 in Judenburg in der Steiermark geboren. Er absolvierte das Diplomstudium der Politikwissenschaft an der Universität Wien. Sein Studienschwerpunkt war österreichische und internationale Politik mit Fokus Süd- und Osteuropa. Ein einjähriges Forschungspraktikum brachte ihn an den Balkan nach Kosovo und Belgrad. Das Thema seiner Diplomarbeit lautete "Analyse des Kärntner Ortstafelkonfliktes". Das Studium setzte er im Mai 2009 mit Blickrichtung Doktorat fort. Im Internetbereich ist er für Konzept- und Redaktionstätigkeiten bei www.studieren.at und www.auslaender.at aktiv. Für neuwal schreibt Martin Zinkner eine mehrteilige Serie über die Kärntner Orstafelthematik: Mit Hintergründen, Informationen, Geschichte und Ausblicke über den andauernden Ortstafelstreit.