Wieso Hertha Firnberg ihr politisches Vorbild ist, was sie an den wenigen freien Tag die sie hat genießt und wofür man eine halbe Million an ÖH-Geldern sinnvoll investieren kann, erzählt VSStÖ-Spitzenkandidatin Julia Freidl im neuwal Interview.

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Bewegungen und KandidatInnen im Interview
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Die Wahlen der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) finden alle zwei Jahre statt, heuer vom 14. bis 16. Mai. Auf neuwal stellen wir die antretenden Parteien/Listen, ihre Spitzenkandidaten und Wahlprogramme vor.

 

VSSTÖ – Verband Sozialistischer Student_innen

VSSTÖ

Spitzenkandidatin Julia Freidl
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Julia Freidl (VSStÖ)


Stefan Hechl (neuwal.com): Was studierst du, wo und warum?

Julia Freidl (VSStÖ):Nachdem ich das Bachelorstudium Internationale Betriebswirtschaft abgeschlossen habe, habe ich im Masterstudium zur Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien gewechselt. Ich wollte einfach einen Blick für das große Ganze in der Wirtschaft bekommen, um allgemeine Zusammenhänge genauer zu betrachten. Gerade in der Wirtschaftskrise hat sich gezeigt, dass die Neoklassik nicht die Lösung aller Probleme ist. Deswegen finde ich es wichtig, dass in der Volkswirtschaft die heterodoxe Ökonomie, also Alternativen zur vorherrschenden wirtschaftspolitischen Ideologie, kein Nischenprodukt bleibt.

Wie wohnst du?

Ich lebe in einer 2er WG.

Wie finanzierst du dein Studium?

Ich werde zum Glück von meinen Eltern unterstützt, sonst könnte ich mir mein Studium und das politische Engagement nicht leisten. Der Verlust der Familienbeihilfe an meinem 24. Geburtstag war aber ein harter Einschnitt.

Bist du eher Genießer oder Streber?

Neben meiner Tätigkeit als Sozialreferentin der ÖH-Bundesvertretung, die eigentlich einer Vollzeitbeschäftigung gleicht, habe ich im letzten Semester noch dazu durch die Eingangsphase in meinem Masterstudium kämpfen müssen. Recht viel Freizeit ist da leider nicht geblieben. Genießerin bin ich an den wenigen freien Tagen, die ich im Park oder an der Donau mit meinen Freund_innen verbringe.

Die Hauptaufgabe der ÖH ist…

Einerseits ist die Hauptaufgabe der ÖH für uns, konkrete Serviceprojekte zur Verbesserung der Situation von uns Studierenden umzusetzen, die im Alltag wirklich weiterhelfen. Auf der anderen Seite muss die ÖH aber auch auf der politischen Ebene agieren. Kurz gesagt, die ÖH muss Service und Politik miteinander verbinden. Zentral ist dabei für uns, dass in Verhandlungen mit den politisch Verantwortlichen nicht immer nur laut “Nein“ geschrien wird – die Aufgabe der ÖH ist es, konkrete Konzepte und Verbesserungsvorschläge auf den Tisch zu legen und Verhandlungsstärke zu beweisen. Deswegen haben wir etwa ein konkretes Konzept für ein faires Beihilfensystem entwickelt. Für uns ist es außerdem wichtig, dass die ÖH Studierenden Beratung und konkrete Hilfestellungen im Alltag bietet. Das tun wir seit einigen Jahren mit unseren Beratungs- und Serviceangeboten besonders im Sozialbereich und das wollen wir auch in Zukunft fortsetzen.

Zum Thema Cafè Rosa: Wenn du eine halbe Million an ÖH-Geldern mehr oder weniger sinnvoll investieren könntest – wofür?

Eine wichtige Aufgabe der ÖH ist, Studierende zu beraten und ihnen in finanziellen Notlagen zu helfen. Ein wesentlicher Teil des Budgets der ÖH-Bundesvertretung wird für die persönliche Beratung sowie Informations-Broschüren ausgegeben. Diese Beratung wollen wir in den nächsten zwei Jahren noch weiter ausbauen. Wir wollen etwa einen Vertrags-Check einführen, sodass Studierende Miet- und Arbeitsverträge von Jurist_innen überprüfen lassen können, bevor sie diese unterzeichnen. Ein weiterer Teil des Budgets wird für den Sozialfonds ausgegeben, der Studierende in finanziellen Notlagen weiterhilft. Nachdem die Anträge von Studierenden in den letzten Jahren gestiegen sind, müssen diese Mittel weiter ausgebaut werden.
Weitere Mittel der ÖH-Bundersvertretung werden für konkrete Service-Projekte ausgegeben. Im letzten Jahr haben wir etwa im Sozialreferat die ÖH-Helpline eingeführt, eine erste Anlaufstelle für Studierende mit psychologischen Problemen. Auch für die kommenden zwei Jahre haben wir uns wieder eine Reihe an Projekten vorgenommen, die Studierende im Alltag helfen sollen.

Was fällt dir spontan zu den Stichworten „Uni“ und „Gender“ ein?

Frauen werden in unserer Gesellschaft noch immer benachteiligt. Diese Diskriminierung endet nicht an den Eingangstüren der Hochschule. Je höher die Karriereleiter an den Hochschulen, desto weniger Frauen sind dort zu finden. So sind zum Bespiel nur 21 Prozent der Professor_innen Frauen, in ganz Österreich gibt es nur fünf Rektorinnen. Deswegen ist es uns wichtig, Frauen aktiv an den Hochschulen zu fördern. Als ÖH wollen wir beispielsweise Bewerbungstrainings für Studentinnen anbieten und die Vernetzung von jungen Wissenschafterinnen fördern.

Wer ist deine persönliche Heldin/dein persönlicher Held und warum?

Ein politisches Vorbild von mir ist Hertha Firnberg. Sie hat es als Wissenschaftsministerin geschafft, die Hochschulen erstmals für die breite Gesellschaft und besonders auch für Frauen zu öffnen, hat die Schüler_innenfreifahrt und gratis Schulbücher eingeführt. Diese Errungenschaften waren ein wesentlicher Beitrag zum freien Hochschulzugang, von dem sich heutige Politiker_innen so einiges abschauen könnten.

Was läuft in deiner Partei/Fraktion falsch?

Das ist eine schwierige Frage. Was es im VSStÖ sicher nicht immer einfach macht, ist, dass es durch unser bundesweites Engagement sehr viele verschiedene Meinungen zu einzelnen Themen gibt. Um sich dabei auf Positionen zu einigen, braucht es da schon oft auch langwierige Diskussionsprozesse. Ich würde aber nicht sagen, dass das etwas Negatives ist, ich freue mich über jeden inhaltlichen Diskurs. So ist sichergestellt, dass viele verschiedene Meinungen in den Entscheidungsfindungsprozess miteinfließen.

Was kannst du besser als die anderen?

Durch meine Erfahrung als Sozialreferentin und durch viele Beratungsgespräche mit Studierenden weiß ich, wo die Probleme vieler Studierenden liegen und wo man in Verhandlungen z.B. mit dem Ministerium ansetzen muss, um konkrete Verbesserungen für Studierende zu erreichen. Außerdem ist es der große Vorteil des VSStÖ, dass wir konkrete Ansprechpersonen und auch Bündnispartner_innen innerhalb der SPÖ haben, um uns nicht nur über die ÖH, sondern auch direkt bei einer Regierungspartei für die Interessen der Studierenden einzusetzen. Ich traue mich zu behaupten, dass es hauptsächlich durch unseren Einsatz innerhalb der SPÖ noch keine flächendeckende Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen gibt. Hinter dem VSStÖ stehen außerdem eine Menge an engagierten Leuten, die ein Commitment zur ÖH-Arbeit haben, die ÖH nicht nur als Nebenjob sehen und motiviert für die nächsten zwei Jahre in der ÖH sind.

VSSTÖ zur ÖH-Wahl 2013
Studieren darf keine Frage des finanziellen Hintergrundes sein, begründet der VSStÖ seine Forderung nach einer „echte[n] soziale[n] Absicherung aller Studierender“. Für die Sozialistischen StudentInnen muss dazu die „Altersgrenzen-Regelung beim Beihilfenbezug“ abgeschafft werden. Die Zahl der Toleranzsemester soll ebenso erhöht werden, wie die Studienbeihilfe.

Der VSStÖ kritisiert, dass Studierende vielen Hürden ausgesetzt seien, z.B. schlechte Anmeldesysteme, Platzmangel in Lehrveranstaltungen und unnötige Vorraussetzungsketten. Verbessern will man die Situation durch eine Abschaffung der Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP). Diese soll durch ein „echtes Orientierungssemester“ ersetzt werden. „Dazu sollen Einführungsübungen von mindestens drei Studienrichtungen besucht werden, erst dann treffen Studienanfänger_innen eine Entscheidung über das endgültige Studium.“ Auch fordert man ein „Umdenken in der Lehre“ , es soll verpflichtende Aus- und Weiterbildung im Bereich der Didaktik für alle in der Lehre Tätigen geben.

Studiengebühren sollen ersatzlos abgeschafft werden. Denn, so argumentiert man, einerseits reichen die Einnahmen durch diese Gebühren zur Ausfinanzierung der Unis nicht aus. Und andererseits gäbe es „praktisch keine reichen Studierenden, höchstens reiche Eltern“. Und diese sollen über ein „verbessertes Steuersystem“ zur Kasse gebeten werden.

Um Wohnen für Studierende leistbarer zu machen, sollen mehr Studierendenheime gebaut und bestehende ausgebaut und saniert werden. Die Mieten in den Heimen sollen eine Obergrenze nicht übersteigen dürfen. Außerdem soll das Mietrecht geändert werden, dazu fordert der VSStÖ eine Beschränkung der Befristungsmöglichkeiten für Wohnungen, bundesweite Mietobergrenzen, Kostenübernahme der Maklergebühren durch Vermieter und dass letztere nur Betriebskosten die direkt vom Mieter verursacht werden (wie zB Wasser) an diesen weitergeben dürfen, aber zB Grundsteuer sowie Verwaltungs- und Versicherungskosten selbst tragen sollen.

Laut VSStÖ werden Frauen an den Universitäten benachteiligt und ungerecht bezahlt. Daher fordert man „echte Gehaltstransparenz“. Durch eine Offenlegung der Gehälter soll sichtbar werden, wo Ungleichbehandlungen vorhanden sind. „Diese Transparenz bietet Frauen eine bessere Verhandlungsgrundlage, um sich gegen unfaire Bezahlung zu wehren, und bringt Hochschulen in Erklärungsnot, warum für die gleiche Arbeit ungleiches Gehalt ausgezahlt wird.“

Foto: VSStÖ

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.