„Politik darf nicht Machtausübung von Einzelnen sein, die meinen alles besser zu wissen. Politik muss im Gegenteil den Wettbewerb der Ideen fördern“, so Marcus Hohenecker von den Unipiraten im neuwal.com Interview zur ÖH Wahl 2013.

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Bewegungen und KandidatInnen im Interview
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Die Wahlen der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) finden alle zwei Jahre statt, heuer vom 14. bis 16. Mai. Auf neuwal stellen wir die antretenden Parteien/Listen, ihre Spitzenkandidaten und Wahlprogramme vor.

 

Unipiraten

unipiraten

Spitzenkandidat Marcus Hohenecker
Antritt an 6 Universitäten
Web unipiraten.at
Wahlprogramm unipiraten.at/inhalte
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Twitter unipiraten_AT

 

hohenecker_unipiraten

Stefan Hechl (neuwal.com): Was studierst du, wo und warum?

Marcus Hohenecker (Unipiraten): Ich studiere in Wien Rechtswissenschaften, weil man sich heutzutage rechtlich zur Wehr setzen können muss, um nicht übervorteilt zu werden. Allein beim Antritt als Listenverband für die ÖH-Wahl war juristische Überzeugungsarbeit nötig, denn eigentlich wollten uns die anderen Fraktionen nicht zur Wahl zulassen, mehr dazu hier.

Wie wohnst du?

Ich wohne in einer Genossenschaftswohnung (Neubau).

Wie finanzierst du dein Studium?

Ich arbeite neben dem Studium, bekomme Unterstützung von meinen Eltern und Großeltern und lebe sehr sparsam.

Bist du eher Genießer oder Streber?

Genießer.

Die Hauptaufgabe der ÖH ist…

Die Hauptaufgabe der ÖH ist die Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder. Also sollte die ÖH als Erstes die Interessen der Studenten in Erfahrung bringen. Ob das Betreiben eines Kindergartens bzw eines antiheteronormativen Cafés im Interesse der Studenten liegt, oder ob sich die ÖH auf die Verhandlung über Kopier- und Mensapickerl beschränken soll – darüber kann man ewig streiten, oder aber einfach die Studenten befragen.

Zum Thema Cafè Rosa: Wenn du eine halbe Million an ÖH-Geldern mehr oder weniger sinnvoll investieren könntest – wofür?

Ein bis drei Prozent (€ 5.000 – 15.000) würde ich aufwenden, um ein Liquid-Democracy-Tool auf ÖH-Ebene einzuführen. Was mit den restlichen € 485.000 geschehen soll, sollen die Studenten selbst entscheiden. Ich persönlich wäre für mehr Onlineangebote – die ÖH könnte den oftmals überforderten Lehrkräften Unterstützung bei Vorlesungsstreaming und dem Hochladen von Lehrveranstaltungsunterlagen geben.

Was fällt dir spontan zu den Stichworten “Uni” und “Gender” ein?

Uni: Der Ort wo man studiert. Gender: Soziale Geschlechterrollen. (PS: unser Programm inkl. Stellung zu Genderstudies)

Wer ist deine persönliche Heldin bzw. dein persönlicher Held und warum?

Mein persönlicher Held ist jeder, der sich bei den Piraten engagiert. Ohne Geld und mit Medien, die meist nur Vorurteile transportiert, ist es wirklich schön zu sehen, dass es dennoch Leute gibt, die sich selbst informieren und aus Faszination an unserer neuen Art der Politik, mitmachen.

Was läuft in deiner Partei/Fraktion falsch?

Wir haben VIEL zu wenig Geld. Bei uns wird alles zu 100% aus der eigenen Tasche finanziert. Jeder einzelne Flyer wird privat bezahlt – so ist es wirklich schwer auf sich aufmerksam zu machen, egal wie gut die eigenen Ideen auch sind.

Was kannst du besser als die anderen?

Was ich besser kann ist, nicht zu glauben dass ich etwas besser kann als „die anderen“. Weder kann man sich überall selbst auskennen, noch kann man sich jemals sicher sein, in einem bestimmten Themengebiet der/die Beste zu sein. Politik darf nicht Machtausübung von Einzelnen sein, die meinen alles besser zu wissen. Politik muss im Gegenteil den Wettbewerb der Ideen fördern. Wir sind seit einigen Jahren nicht mehr darauf angewiesen, Einzelnen zu vertrauen, dass sie es besser wüssten als alle anderen. Wer Piraten wählt, behält seine Stimme. Ich setze mich deshalb für ‚liquid democracy‘ ein, um den Studenten als solche erstmals tatsächlich EINE Stimme zu geben. Die ÖH ist nur so stark wie die Studenten, die sie im Rücken hat.

Unipiraten-Programm für die ÖH-Wahl 2013

Erstmals treten die Unipiraten bei den ÖH-Wahlen an. Erwartungsgemäß eröffnen sie ihr Programm mit der Forderung nach „Liquid Democracy“ in der ÖH. Allen Studierenden soll so die Möglichkeit gegeben werden, Anliegen und Anträge direkt einbringen zu können. ÖH-Politik soll transparent ablaufen. Konkret heißt das für die Piraten, dass die Einsicht in Sitzungsverlauf und Protokolle „einfach, online und öffentlich“ sein soll.

Eine weitere Forderung ist ein „Master für alle“. Das heißt, dass allen Studierenden ein zu ihrem Bachelorabschluss passender Masterstudienplatz anzubieten ist. Auch das Angebot an berufsbegleitenden Studiengängen soll ausgebaut werden, dazu soll auch verstärkt der Einsatz von „digitalen Lernmitteln und E-Learning“ vorangetrieben werden. Vorlesungen sollen vermehrt gestreamten und digital aufgezeichneten werden.

Bildung sollte keine Frage von Wohlstand sein, daher lehnen die Piraten Studiengebühren grundsätzlich ab. Dass die Universitäten mehr Geld brauchen, ist den Unipiraten klar. Daher begrüßen sie den Nationalratsbeschluss „bis 2020 einen Anteil von 2% des BIP in den tertiären Bildungssektor zu investieren“, fordern allerdings „eine deutlich raschere und nachhaltige Umsetzung“ ein.

Eignungsprüfungen vor Studienbeginn können sich die Piraten prinzipiell vorstellen, allerdings sollen diese nicht als Zugangsbeschränkung verwendet werden, sondern als“ unverbindliches Feedback für die an einem Studium Interessierten“ dienen. Die Unipiraten stehen für „die freie Entscheidung aller Bürgerinnen und Bürger, ihr Wunschstudium zu absolviere[n]“.

Um die Studierenden besser unter den österreichischen Universitäten zu verteilen, befürwortet man eine „innerösterreichische Mobilitätsförderung (etwa durch die Gewährung von Freifahrt, Wohnungszuschüssen, etc.)“ auf freiwilliger Basis. Die „gleichmäßigere Auslastung der Kapazitäten soll nach piratischen Prinzipien durch freie Entscheidungen mündiger BürgerInnen erfolgen“.

Nicht fehlen darf die Forderung nach Open Access zu Forschung, die durch Steuergelder finanziert wird. Diese soll „frei verfügbar und für alle frei einsehbar“ sein. Auch das Thema Datenschutz wird angesprochen, Unis sollen nur jene Daten von den Studierenden erheben, „die wirklich dringend für die Organisation benötigt werden“.

Zum Abschluss ihres Programms sprechen sich die Unipiraten gegen verpflichtende „Gender LVA in jedem Studienplan“ aus. Es sei „nicht nachvollziehbar warum Gender verpflichtend ist und andere LVA wie zB. Ethik es nicht sind“. Die Studierenden sollen ihre Wahlfächer frei aussuchen können.

Das komplette Programm der Unipiraten findet man hier.
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Stefan Hechl

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