„Zukunft am Wort“ hieß es gestern wieder im Dschungel Wien im Museumsquartier. Diese Veranstaltungsreihe wurde von „Der Standard“ und „ORF Wien“ ins Leben gerufen und bietet Jugendlichen die Möglichkeit mit Spitzenpolitikern des Landes ins Gespräch zu kommen.

Zu Gast waren diesmal Josef Bucher und Eva Glawischnig. Die Fragen wurden vom Gymnasiasten Jakob Pflügl und der Jus-Studentin Victoria Raimann gestellt, zudem nahm auch der politische Kommunikationsexperte Peter Plaikner am Podium Platz. Moderiert wurde die Diskussionsrunde mit Josef Bucher von Alexandra Föderl-Schmid und die zweite Runde, an der Eva Glawischnig teilnahm, von Paul Tesarek.

Im Folgenden werden die zentralen Fragen und Antworten an die beiden Parteiobleute kurz zusammengefasst:

Fragen an Josef Bucher

Warum soll man sich als Jungwähler gerade für das BZÖ entscheiden?

Für Herrn Bucher ist das BZÖ jene politische Kraft, die den Einfluss des Staates zurückdrängen will und so den jungen Menschen im Land die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung einräume. Zudem würde man die Probleme im unteren Bildungssegment erkennen und kritisiere, dass in der Schule an den Lebensinhalten der Jugendlichen vorbei unterrichtet wird. Ein Vorschlag des BZÖ wäre daher beispielsweise ein Freifach Führerschein, wo man den theoretischen Teil der Führerscheinprüfung bereits in der Schule ablegen könne.

Zudem werde sich das BZÖ auch dafür einsetzen, dass sich bei der Gehaltsentwicklung etwas verändert. So sollen die jungen Menschen mehr verdienen, dafür das Gehalt aber im Alter nicht mehr so stark ansteigen.

War der Werbespot in Kärnten wirklich nötig?

Bucher betonte, dass dies nicht sein Stil sei und dass dies auch nicht mehr vorkommen werde. Ein Wahlkampf lebe aber eben auch von der Polarisierung und man habe nur die regimeähnlichen Entwicklungen in Kärnten aufzeigen wollen. Schließlich habe die Korruption in Kärnten ein erschreckendes Ausmaß angenommen und dafür sei die FPK verantwortlich zu machen.

Kann sich das BZÖ tatsächlich von den Korruptionsvorwürfen so leicht lossagen? Schließlich war Jörg Haider lange Zeit Teil des BZÖ und der war sehr wohl korrupt?

Laut Bucher könne man die Vorwürfe rund um Jörg Haider wohl nie restlos aufklären und es sei auch nicht richtig, einem Toten irgendetwas nachzusagen. Herr Bucher machte aber klar, dass man ihn nicht für seine Vorgänger verantwortlich machen kann. Er jedenfalls habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen.

Wird Stefan Petzner auf der Liste für den Nationalratswahlkampf stehen?

Keine Antwort ist in diesem Fall wohl auch eine Antwort. Den Wahlkampf übernehme er laut Bucher auf jeden Fall nicht, ob er auf der Liste stehen wird, wollte oder konnte er nicht beantworten. Auf jeden Fall könne man davon ausgehen, dass nur handverlesene Persönlichkeiten auf der Liste für die Nationalratswahl stehen werden.

Wie geht man mit den neuen Parteien des Team Stronach und NEOS um?

Vor diesen neuen Parteien habe Herr Bucher keine Angst, schließlich kopieren diese nur altbekannte Forderungen des BZÖ.

Herr Plaikner betonte in diesem Zusammenhang, dass programmatische Unterschiede zwischen diesen Parteien von der Bevölkerung kaum wahrgenommen werden. Aber natürlich würden diese neuen Parteien vor allem dem BZÖ und der FPÖ Proteststimmen kosten. Dem liberalen Projekt räumt er in Österreich sowieso kaum Chancen ein. Dies habe schon die Kurzlebigkeit des Erfolgs des Liberalen Forums gezeigt.

Wie schätzt Herr Bucher die Chancen des BZÖ bei den Nationalratswahlen ein?

Für die Wahl gab sich Herr Bucher optimistisch, schließlich habe er noch nie eine Wahl verloren und die Wähler werden immer mutiger. Auch die Umfragewerte beunruhigen ihn keineswegs. Dass die Umfrageinstitute oft komplett falsch liegen, haben nicht zuletzt die Landtagswahlen gezeigt. Deshalb plädiert er sogar dafür, diese vor Wahlen zu verbieten.

Dennoch hätte ich mich an Buchers Stelle lieber nicht auf eine Wette mit Frau Föderl-Schmid eingelassen. Diese wettete mit Herrn Bucher nämlich um eine Flasche Wein, dass das BZÖ im Herbst nicht mehr in den Nationalrat einziehen wird. Eine wohl nicht sehr gewagte These…

 

Fragen an Eva Glawischnig

Wo liegt das Ziel für die Nationalratswahl?

Das Wahlziel liege bei 15 %. Eine Regierungsbeteiligung sei natürlich auch ein erklärtes Ziel, allerdings nicht um jeden Preis.

Wieso kann man nicht noch mehr junge Menschen für Grün begeistern?

Frau Glawischnig machte zunächst deutlich, dass sich die Erfolge nun sehr wohl einstellen. Nicht zuletzt die Landtagswahl in Salzburg habe gezeigt, dass in der politischen Landschaft etwas aufbricht. Dennoch betonte sie auch, dass es im Land nach wie vor auch eine große rechtspopulistische Wertehaltung gibt.

Wieso ist Strache auf Facebook mit 130.000 Fans weitaus beliebter als Frau Glawischnig, die „nur“ 5000 Fans hat?

Frau Glawischnig betont, dass die Grünen im Online-Segment und hier vor allem bei Twitter durchaus stark sind. Für Facebook habe sie als Mutter auch zu wenig Zeit, man habe einfach auch Grenzen. Auch Plaikner bestätigt, dass die Grünen durchaus im Web 2.0 punkten können. Im Gegensatz zur FPÖ sind die Grünen auch nicht auf eine Person ausgerichtet, sondern viel breiter aufgestellt.

Was denken Sie über die Regierungsarbeit der Wiener Grünen?

Laut Glawischnig halten die Grünen in Wien Wort. Sie seien angetreten, um die Verkehrspolitik zu reformieren und hier sei man auf dem richtigen Weg. Parkraumbewirtschaftung sei bei knappem öffentlichem Raum schlichtweg logisch. Es ärgert sie aber, dass man sich in Wien nicht über gemeinsame Erfolge freuen könne. Hier richte sie sich vor allem auch an die Wiener SPÖ. Denn die Jahreskarte um einen Euro pro Tag findet in anderen Landeshauptstädten Nachahmer und darf durchaus als Erfolg auch gefeiert werden.

Wie soll Schule nach dem Verständnis der Grünen aussehen?

Frau Glawischnig weist in diesem Zusammenhang zunächst darauf hin, dass die Schüler in Österreich zu viel arbeiten. Wichtig sei auf jeden Fall eine Umstellung auf eine ganztägige Betreuung in der Schule, vor allem im Volksschulalter. Zudem seien 25-30 Kinder in einer Klasse einfach viel zu viel. Die Umsetzung der Ganztagsschule sei aber mit der derzeitigen Infrastruktur gar nicht möglich. Die Architektur der Schulen musste daher verändert werden, um überhaupt Veränderrungen zu ermöglichen. Dafür müsste aber Geld in die Hand genommen werden und die Parteien müssten über die Rhetorik hinaus das Thema endlich Ernst nehmen.

Wenn die Schüler Ihre Ansicht nach zu viel arbeiten, was soll man dann in der Schule weglassen? Welche Fächer könnte man streichen? Latein?

Natürlich gehöre der Fächerkanon längst überarbeitet, betont Frau Glawischnig. Die tägliche Bewegungsstunde beispielsweise würde der natürlichen Bewegungsfreude der Kinder nur gerecht. Sie sagt aber auch, dass vor allem die Aufteilung der Stunden verbessert werden sollte. Dies wäre mit der Ganztagesbetreuung besser zu bewerkstelligen.

Wie denken sie über die Entscheidung von Herrn Minister Berlakovich bezüglich der Abstimmung des Pestizidverbots?

Hier sage der Minister definitiv die Unwahrheit und das wisse er auch. Denn in mehr als 80 Studien sei belegt, dass die Pestizide schädlich sind. Sogar Deutschland, das lange gegen das Verbot der Pestizide war, sei schlussendlich umgeschwenkt, weil die Sachlage eindeutig sei. Das sollte dem Herrn Minister zu denken geben. Einen Rücktritt des Ministers forderte sie nicht direkt, allerdings erwarte sie sich ein klares Ja zum Pestizidverbot.

 

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass diese Diskussionsveranstaltung sehr begrüßenswert ist. Viel zu selten haben junge Menschen die Möglichkeit, sich mit ihren Wünschen und Bedürfnissen an die politischen Vertreter zu wenden. Umgekehrt wird der jungen Bevölkerung seitens der Politik aber abseits von Lippenbekenntnissen zu wenig Aufmerksamkeit zu teil. Dies liegt mit Sicherheit daran, dass diese Bevölkerungsgruppe nur einen sehr geringen Anteil der Wählerschaft ausmacht. Daher ist es umso erfreulicher, dass sich politisch bedeutsame Persönlichkeiten wie Josef Bucher und Eva Glawischnig die Zeit nehmen, um sich den Fragen der Jugendlichen zu stellen. Schade nur, dass eher wenige Jugendliche die Chance auch wirklich wahrgenommen haben, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

 

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.