Ein neuwal.com-Transkript vom Interview mit Armin Wolf und Heinz-Christian Strache ZIB2 am 29. April 2013. Unser Service: Wir halten fest, transkribieren und geben die Möglichkeit zum Nachlesen. Und zum besseren Verständnis.

Transkript zum Interview von Armin Wolf mit Heinz-Christian Strache ZIB2 am 29. April 2013.
Montag, 29. April 2013, 22 Uhr
Zeit im Bild 2, ORF2
Quelle: http://tvthek.orf.at/
Transkriptoren: Michael Hunklinger, Dominik Leitner, Dieter Zirnig

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Abb. 1: Tagcloud mit 50 Wörtern

Armin Wolf: FPÖ Obmann Heinz Christian Strache ist jetzt bei mir im Studio. Guten Abend, Herr Strache!

Heinz-Christian Strache: Grüss Gott.

Armin Wolf: Herr Strache, Sie haben der Tiroler FPÖ noch vor einigen Wochen satte 15 Prozent vorgegeben. Aber, obwohl das Team Stronach in Tirol quasi öffentlich Harakiri begangen hat, hat die FPÖ nicht mal 10 % geschafft. Und sogar ein Dritter ihrer Wähler von 2008 verloren. Was ist denn da passiert?

Heinz-Christian Strache: Ja, man tritt selbstverständlich auch im Spitzensport immer an, um zu gewinnen. Und das ist leider nicht geglückt. Und das ist auch kein erfreulicher Zustand. Man muss jedoch insgesamt in einer Gesamtbewertung festhalten: Wir haben vier Mandate gehalten, kein Mandat verloren. Wir haben eine Situation, wo so viele Listen wie nie zuvor angetreten sind. Nämlich elf Listen und, wo eine Wähler-Zersplitterung stattgefunden hat. Und natürlich muss man auch anmerken, dass es Landeshauptmann Platter einerseits gelungen ist, traditionelle Wählerschichten auch insofern anzusprechen, weil kein adäquater Gegenkandidat, keine Persönlichkeit da war, der man zugetraut hat, den Landeshauptmann machen zu können.

Armin Wolf: Und jetzt hatten Sie dort ja auch einen Spitzenkandidaten. Dem ist es offenbar auch nicht gelungen. Aber Faktum ist, es wurde ja nicht nur in Tirol gewählt, es gab auch zwei andere Bundesländer in denen heuer schon gewählt wurde. Nämlich Niederösterreich und Kärnten. Und Sie haben bei allen drei Landtagswahlen hintereinander verloren. Das hat es in ihrer Obmannschaft noch nie gegeben. Sie haben überhaupt noch nie vorher bei einer Wahl verloren.

Heinz-Christian Strache: Ich noch nicht.

Armin Wolf: Bei allen drei Landtagswahlen hat die FPÖ vorloren und sie haben bei allen drei Wahlen von allen etablierten Parteien am meisten verloren. Das heißt, Sie haben in Kärnten zwei Drittel ihrer Wähler verloren. Sie haben in Niederösterreich ein Viertel ihrer Wähler verloren. Und in Tirol ein Drittel ihrer Wähler verloren. Warum?

Heinz-Christian Strache: Also man muss einmal glaube ich sehr wohl differenzieren und auch die richtigen Analysen treffen. Regionalwahlen sind natürlich Besonderheiten und auch mit unterschiedlichen Gewichtungen zu sehen. In Kärnten hat unser Kooperationspartner verloren. In Niederösterreich die FPÖ. Und in Tirol auch die FPÖ. Wenn Sie jetzt die Gesamtbetrachtung sehen, so kann man durchaus sagen, dass jetzt in Tirol, wenn man so will, die Talsohle durchschritten wurde. Und wo schon kommende Woche in Salzburg dann bewerten werden, dass jede Regionalwahl ein unterschiedliches Phänomen darstellt.

Armin Wolf: Die FPÖ hat viele Wahlen gewonnen. Bis zu diesem Jahr. Und da haben Sie nie bei Landtagswahlen gesagt, „das sind regionale Besonderheiten“. Sondern, nach jeder dieser Wahl gab es eine Presseaussendung. Entweder von Ihnen oder von Ihrer Parteizentrale, was denn der Wahlerfolg jetzt wieder für eine eindrucksvolle Bestätigung des Erfolgskurses von HC Straches sei. Bis sogar hin zu den Gemeindewahlen 2010. Jetzt sind es plötzlich „regionale Besonderheiten“, wenn es schief geht.

Heinz-Christian Strache: Ja. Wir haben in Oberösterreich eine exzellente Organisationsstruktur. In Wien, in Vorarlberg, das sind auch jene Länder, wo wir auch exzellente Ergebnisse erreicht haben. Wir wussten immer intern über gewisse Schwachstellen in manchen Regionalbereichen. Die sind leider nicht entsprechend behoben worden. Und da ist natürlich ein Veränderungs- und Optimierungsprozess, in dem wir uns auch befinden. Und ich sage hier ganz bewußt: Nächste Woche in Salzburg wird es eine ganz andere Bewertung geben. Denn da sage ich Ihnen schon heute…

Armin Wolf: Natürlich…

Heinz-Christian Strache: …denn da ist Karl Schnell, ein Arzt, der die rot-schwarze Spektulationskrankheit heilen kann. Und natürlich ist dort eine Persönlichkeit mit einem Team, das in den Strukturen Salzburgs und in der Organisation ganz anders aufgestellt ist. Das heißt, Sie werden am Beispiel Salzburg schon sehen, dass dieses Ergebnis dann eine völlig andere Bewertung mit sich bringt und genauso werden Sie nicht sagen, dass Werner Faymann die Wehrpflicht verloren hat, Niederösterreich verloren hat und Tirol verloren hat und daher als Kanzler demnächst vor der Abwahl steht. Das wäre auch zu kurz gegriffen.

Armin Wolf: Seit Monaten sprechen wir über die Probleme der SPÖ in diesem Jahr. Aber jetzt wollen wir doch über dies FPÖ reden. Und da sagt jetzt Andreas Mölzer, ihr EU-Abgeordneter und wichtiger Berater: „Andere Parteien schaffen es derzeit besser als die FPÖ die Alternative zu sein.“ Und die Alternative für die Wähler darzustellen. Haben Sie nicht in Wahrheit momentan zwei strategische Probleme? Sie haben mit dem Team Stronach das Monopol auf Populismus und auf Proteststimmen verloren und immer mehr Wähler sehen die FPÖ einfach auch als traditionelle „Altpartei“, wie Sie sagen würden, so wie SPÖ und ÖVP.

Heinz-Christian Strache: Ja, Sie müssen einmal grundsätzlich auch hier differenzieren. Ich sage immer wieder: Wer den Fehler macht, Regionalwahlen auf Bundesebene umzulegen, der irrt gewaltig. Wir haben es jetzt mit zwei Wahltagen zu tun, die nicht optimal gelaufen sind. Wir stehen jetzt in der Halbzeit dieses Wahljahres. Wir werden zwei weitere Wahltage vor uns erleben und dann gibt es am Ende, wenn abgepfiffen wird und die vier Wahltage stattgefunden haben, eine Gesamtbewertung. In allen Umfragen liege ich auf Bundesebene deutlich über dem Ergebnis der letzten Nationalratswahl, während SPÖ und ÖVP deutlich darunter liegen. Auch wenn ich bei Umfragen skeptisch bin, Herr Wolf, keine Frage. Aber …

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Armin Wolf: Ja, aber Sie waren schon viel, viel besser in den Umfragen.

Heinz-Christian Strache: Aber, aber – schauen Sie: Man kann im Spitzensport immer besser sein. Und genau mein Anspruch ist das: Ich will, dass wir wesentlich besser werden. Ich will an mir, an uns arbeiten. Das ist ähnlich in der Landwirtschaft. Wenn man einen Acker durchpflügt, dann blüht der nicht gleich. Dann dauert das, bis letztlich auch die Ernte einzuholen ist. Und daran arbeiten wir. Wir wollen besser werden. Und wir wollen stärkste Partei in Österreich werden.

Armin Wolf: Jetzt pflügen Sie aber schon acht Jahre: Müssen wir nicht in Wahrheit sagen…

Heinz-Christian Strache: Naja, also, die letzten acht Jahre haben wir ja überall gewonnen, Herr Wolf. Sie tun ja fast so, als wäre das nicht der Fall.

Armin Wolf: Ich würde gerne mit Ihnen darüber reden, warum Sie jetzt verlieren. Haben Sie nicht in Wahrheit das Team Stronach einfach unterschätzt? Auch Lothar Höbelt, der FPÖ sehr nahestehender Historiker, sagt: „Strache hat kein Mittel gegen Stronach.“

Heinz-Christian Strache: Da warten Sie einmal ab. Warten Sie ab, bis auch der HC Strache mit seinem Team und mit seinen Inhalten als Pilot letztlich auch in die Nationalratswahl geht. Bis dato war ich ja Passagier. Das heißt, wir haben es ja hier mit Regionallandesparteien zu tun, die ihre eigene Verantwortlichkeit auch haben. Und…

Armin Wolf: Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, Herr Strache, dass sie Passagier waren bei diesen Wahlen. Sie waren überall Wahlkämpfen, am Samstag waren Sie z.B. in Tirol.

Heinz-Christian Strache: Naja, ich helfe natürlich mit, aber ich stand ja nicht zur Wahl.

Armin Wolf: Jetzt wird am Sonntag in Salzburg gewählt. Sie sagen jetzt schon seit Tagen, in Salzburg wird’s besser. Und haben die Latte in Salzburg auch auf fünfzehn Prozent gelegt, so wie in Tirol. Das ist jetzt eigentlich ziemlich bescheiden, weil in Salzburg lag die FPÖ bei 13 % und es gab diesen unglaublichen Finanzskandal. Also … alles unter fünfzehn Prozent wär ein Debakel.

Heinz-Christian Strache: Herr Wolf, Herr Wolf, Sie reden immer von Latte. Das ist völlig unwichtig. Schauen Sie, ich rede von Wunsch. Und als Sportler tritt man an…

Armin Wolf: Nein, Sie reden von Ziel.

Heinz-Christian Strache: …genauso wie in der Politik. Ich rede davon, dass wir alles tun wollen, um zu gewinnen. Und zwar je höher desto besser. Deshalb treten wir an.

Armin Wolf: Bei der Nationalratswahl haben Sie mir noch im Sommer im Sommergespräch gesagt, Sie hätten gerne 33,4 %, von dem haben Sie sich schon lange verabschiedet, jetzt sagen Sie, sie wollen stärkste Partei werden.

Heinz-Christian Strache: Schauen Sie..

Armin Wolf: Wenn Sie nicht – ich bin noch nicht fertig mit der Frage. Wenn Sie nicht stärkste Partei bei der Nationalratswahl werden, dann ist es eine Niederlage, oder?

Heinz-Christian Strache: Also nocheinmal: Wir haben unterschiedliche neue Gegebenheiten. Die muss man ja zur Kenntnis nehmen. Und die nehme ich auch zur Kenntnis. Wir haben einen Mitbewerber, der jetzt relativ rasch durch Chaos in Niederösterreich bis nach Tirol relativ rasch auch in Tirol gescheitert ist. Wir erleben hier eine permanente Entwicklung, ja, und wo auch letztlich die Lage natürlich nicht leichter geworden ist. Natürlich ist es ein schwieriger Prozess und Weg, bei der nächsten Nationalratswahl deutlich die 20-Prozen-Marke zu überspringen. Mein Ziel ist es, das zu schaffen. Mein Ziel und Anspruch ist es, stärkste und bestimmende Kraft in Österreich werden zu wollen. Und wir werden sehen, ob der Wähler mir das Vertrauen schenkt. Ich will Gerechtigkeit schaffen, in dem ich viele Ungerechtigkeiten in diesem Land endlich behebe. Und dazu brauche ich Kraft. Wenn ich die nicht bekomme, dann kann ich mich nicht durchsetzen. Dann wird Rot und Schwarz ein Dauerzustand in Österreich und wird weiterwurschteln wie bisher.

Armin Wolf: Meine konkrete Frage wäre: Was ist der Prozensatz bei der Nationalratswahl, wo Sie jetzt sagen werden: „Das ist eine Niederlage?“

Heinz-Christian Strache: Na, ein Minus am Ergebnis.

Armin Wolf: Ein Minus….

Heinz-Christian Strache: Also, Herr Wolf. Ein Minus ist eine Niederlage und ein Plus ist ein Sieg. Das ist überall so. Wenn Sie versuchen, das anders zu interpretieren, dann bleibt das Ihnen überlassen.

Armin Wolf: Mit 17.6 Prozent sind Sie zufrieden?

Heinz-Christian Strache: Schauen Sie, Herr Wolf. Ich sage Ihnen ganz offen. So wie Sie versuchen, die FPÖ runterzureden, ist es doppelte Motivation, dass wir am 29. September dann folgendes erleben, dass Sie und der ORF über einen FPÖ-Wahlerfolg berichten werden.

Armin Wolf: Da freuen Sie sich doch. Also, 17.6 Prozent sind schon ein Erfolg?

Heinz-Christian Strache: Nein. Ich will deutlich über dem letzten Ergebnis liegen. Und ich will die Zwanzig-Prozent-Marke überspringen. Je deutlicher desto besser.

 

 

 

Bildquelle: http://tvthek.orf.at

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“Ein Minus ist eine Niederlage. Und ein Plus ist ein Sieg.” – Transkript vom Interview mit Armin Wolf und H…

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