Wie ein Gutmensch Rechts-Außen auf die Palme bringt: SOS-Mitmensch Sprecher Alexander Pollak im Streitgespräch mit dem rechten Ideologen Andreas Mölzer.

AlexanderPollak_Fotografin_Karin_Wasner
Bildrechte: Karin Wasner

Alexander Pollak ist Sprecher der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch. Davor leitete er fünf Jahre lang Antidiskriminierungsprojekte bei der EU-Grundrechteagentur in Wien. Für seine Radiobeiträge erhielt er zweimal den österreichischen Radiopreis für Erwachsenenbildung. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel zu wissenschaftlichen Themen sowie zum politischen Zeitgeschehen verfasst und an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien gelehrt.Website: www.sosmitmensch.at

„Multikulti = mehr Verbrechen!“ Die Bewegung der Identitären übt sich in rechter Hetze 1, der Anteil der Holocaust-LeugnerInnen liegt in Österreich noch immer bei 5% 2, und die FPÖ bleibt trotz historischer Wahlverluste bei den Landtagswahlen 2013 in ihrer Ursprungsheimat Kärnten altbewährten Floskeln treu: „Strache warnt vor massiver Einwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen in unser Sozialsystem!“ 3. Doch wie begegnet man solch ewiggestrigen Tendenzen, welche argumentativen Strategien helfen beim Aushebeln platter Parolen, kurz: was bringt Rechts-Außen auf die Palme?

„Ich erinnere an Ihren Sager von der ‚Umvolkung‘, Herr Mölzer, der ungefähr 20 Jahre her ist…“

Damit skizziert Autor Alexander Pollak, seines Zeichens Sprecher von SOS Mitmensch, die gemeinsame Geschichte der Menschenrechtsorganisation und der FPÖ – und zwar im Rahmen einer der Konfrontation mit dem Titel „Gut gegen Mölzer“: Einem face-to-face Streitgespräch mit dem rechten Chefideologen Andreas Mölzer, „einzigem Intellektuellen der FPÖ“. Und vereint Argumente, Konterstrategien und Diskussionskultur im Match mit populistischen Manövern. Frei nach den deutschen HipHop-Helden Kinderzimmer Productions: Die hohe Kunst der tiefen Schläge. Pollak: „Es ist eine Tatsache, dass seitdem [Ende 1992, Anm.] weiterhin Zuwanderung stattgefunden hat, dass Österreich kein weißes Land mehr ist, wenn es das überhaupt jemals war. Insofern muss man sagen: Sie haben auf der ganzen Linie verloren, Herr Mölzer.“

„Die FPÖ ist eine Erfolgspartei. Das Lichtermeer war hingegen ein Reinfall.“

Das knapp 100 Seiten umfassende Buch besteht aus einer Einführung mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung der 15 Hauptaussagen Mölzers bzw. Botschaften der FPÖ sowie der Transkription des Gesprächs in einem Alt-Wiener Kaffeehaus samt einigen ergänzenden Notizen von Pollak. Die Gliederung beinhaltet Themenkomplexe wie Asyldebatte, Einbürgerungsfrage, WirtschaftsmigrantInnen oder auch Korporierte und Akademikerball. Die Moderation teilen sich Andreas Görg von no-racism.net und die Journalistin Maria Sterkl (u.a. Der Standard, Die Zeit), auch Gunnar Landsgsell von der Chefredaktion des MO-Magazins für Menschenrechte wirft Impulse ein.

Bildrechte: Karin Wasner
Bildrechte: Karin Wasner

Auffallend ist nicht nur die Gesprächsführung von Mölzer, die sich wiederholt in ständigen Unterbrechungen, Ironisierungen, Wortverdrehungen und vor allem einer stark begrenzten Konzentrationsfähigkeit zeigt. Auch die markante Grenzziehung zwischen MenschenrechtsaktivistInnen und dem archaischen Weltbild Mölzers basierend auf „tausend Jahren Kärntner Geschichte“ und einem Modell „konzentrischer Kreise“, auf Grund dessen sich Nächstenliebe zu allererst auf die eigenen Reihen zu beziehen hat: „Und bei euch [SOS Mitmensch, Anm.] habe ich immer das Gefühl, dass die Nächsten nichts zählen, sondern man sich in einer akademischen, esoterischen Fernstenliebe gefällt und auf die eigenen möglichst scheißt. Das gefällt mir nicht.“ Das Streitgespräch pendelt zwischen inhaltlicher Konfrontation und persönlichem Kontext, die Dynamik der Auseinandersetzung macht das Ganze zu einer äußerst kurzweiligen Lektüre.

Fazit: Ein (Hand-)Buch, das dem Anspruch der „pragmatischen Anleitungen für die tägliche Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus“ mehr als gerecht wird. Respect, Alexander Pollak, für den Mut, sich trotz zahlreicher (im Nachwort beschriebener) Warnungen der Konfrontation zu stellen – und mit der effektiven Methode der wortgetreuen Wiedergabe seinen Kontrahenten samt seiner Aussagen schlichtweg für sich selbst stehen zu lassen.

Die Buchpräsentation inklusive einer Diskussion mit Autor Alexander Pollak und dem ehemaligen Nationalratsabgeordneten und FPÖ-Kenner Volker Kier findet am Montag, 22. April, 19.00 Uhr im Republikanischen Klub neues Österreich, Rokhgasse 1, 1010 Wien statt. Details auf Facebook.


Gut gegen Moelzer_BuchcoverAlexander Pollak

Gut gegen Mölzer
Exkursion ins rechte Eck

96 Seiten
Verlag edition a

ISBN: 978-3990010570

Preis: [amazon_link id=“3990010573″ target=“_blank“ ]EUR 14,90 (gebundene Ausgabe)[/amazon_link] (Partnerlink)

Quellen und Fußnoten:

  1. vgl. Die Identitären auf Facebook, 09.02.2013 – Stand 07.04.2013
  2. vgl. „Anteil der Holocaust-Leugner noch immer bei fünf Prozent“ auf derstandard.at, 07.11.2012 – Stand 07.04.2013
  3. vgl. „Strache warnt vor massiver Einwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen in unser Sozialsystem!“ auf fpoe.at, 14.03.2013 – Stand 07.04.2013
The following two tabs change content below.
Hanna (*1986) werkt im Bereich Online-Kommunikation & PR sowohl für kommerzielle Organisationen als auch NGO/NPOs, forscht seit einem Auslandsaufenthalt in Kanada über die Wechselwirkungen von Technologie und Gesellschaft, beschäftigt sich mit den Auswirkungen digitaler Ökosysteme auf den politischen Diskurs – und führt mit ihrer Schwester einen privaten Blog über Ernährungssouveränität, Alltagsautonomie und vegane Schweinereien. Rettet die Wale!

Neueste Artikel von Hanna Spegel (alle ansehen)