Die blau-schwarze Mehrheit im Welser Gemeinderat genehmigt eine massive Förderung für ein Wagner-Festival. Und stoppt die Förderung für Projekte, die darüber kritisch berichten. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

WelsKommentarSchl8hof

wortschwallWels, die zweitgrößte Stadt Oberösterreichs: 2009 hat sich damals ein SPÖ-Kandidat relativ uneindeutig gegen einen FPÖ-Kandidaten bei der Bürgermeisterdirektwahl durchgesetzt – im Gemeinderat schafften es die Blauen zweitstärkste Fraktion zu werden – und die SPÖ wäre somit nur mit der ÖVP mehrheitsfähig. Die stimmt aber lieber im Einklang mit der FPÖ. Eine interessante Mischung.

In den kommenden zwei Jahren, 2014 und 2015, wird nun das Richard-Wagner-Festival, welches alljährlich von der Firma Trodat Gmbh veranstaltet wird, (wieder) mit 80.000 Euro pro Jahr gefördert. 80.000 Euro aus einem Topf, der insgesamt 170.000 Euro für Kulturförderungen umfasst. Ich meine, das ließe sich alles noch irgendwie argumentieren – da dieses Festival eventuell zahlreiche Interessierte in die Stadt locken könnte. Doch dann sollten mit den restlichen 90.000 Euro behutsam umgegangen werden und diese in Projekte gesteckt werden, hinter der vielleicht keine große Firma steht. Projekte, die eventuell nicht nur die kulturelle High Society ansprechen, sondern vielleicht auch etwas für junge Menschen machen. Projekte, die auf diese wenigen Euros so sehr angewiesen sind, weil man mit Herzblut allein oftmals nicht wirklich leben kann davon.

Die FPÖ Wels sieht die Ablehnung von SPÖ und Grüne als „ideologisch motiviert„. Wie erklärt man es aber dann, dass nun bekannt wurde, dass FPÖ und ÖVP Subventionen (nicht aus dem Kultur- sondern dem Jugendfond) an den Alten Schl8hof (5.900 Euro) und Waschaecht (4.000 Euro) streicht? „Denn VP-Vizebürgermeister Peter Lehner begründet den Meinungsschwenk mit dem Kommentar „Welser Vielfalt“ von Wolfgang Wasserbauer in der Programmzeitung des Schl8hofes.“, so die OÖN. Die KUPF (Kulturplattform OÖ) drückt es noch etwas besser aus: „Als Grund für diesen Schritt wird das kritische und hinterfragende Wesen der beiden Kulturinitiativen genannt.“

Da greift man sich schon auf den Kopf: Wenn eine Mitte-Rechts-Allianz schon Subventionen für Vereine linker Kultur – wie es eben der Alte Schl8hof oder Waschaecht sind – stoppt, dann doch bitte nicht mit einer solchen Begründung. Man hätte, wäre man klug genug, schon irgendetwas finden können, um einen Subventionsstopp zu erklären. Aber das, was sie jetzt serviert haben, ist: Ihr kriegt solange von uns Geld, solange ihr nicht negativ über uns schreibt.

So kann man nur hoffen, dass die Vereine die Zeit gut überstehen und vielleicht auch noch andere Geldgeber finden. Und – vor allem -, dass die Wähler in Wels 2015 vielleicht wieder etwas klüger agieren.

 

 

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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