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Der freiheitliche Klub in Kärnten ist (vorerst) gerettet – nicht aber die Fähigkeit, Fehler eingestehen zu können. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

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wortschwallChristian Ragger wird nicht müde, zu erwähnen, dass seine Partei FPÖ (ehemals FPK, ehemals BZÖ, ehemals FPÖ) durch das Wahlergebnis erkannt hat, dass sie versagt haben. „Man kann es fast aus der Bibel ableiten, nämlich Disziplinlosigkeit, Demut, Maßlosigkeit und Überheblichkeit.“ 1 Gerhard Dörfler hat am Wahltag noch gesagt: „Ich habe siegen gelernt, und ich habe verlieren gelernt.“ 2 Und, er sei natürlich kein „Versorgungsfall“ 3 Dass er seinen Wechsel in den (für ihn zuvor so sinnlosen und abschaffungswürdigen) Bundesrat als einen „Akt der Demut“ bezeichnet, macht es nicht viel besser.

Normalerweise müsste ein Politiker wie Gerhard Dörfler bei einem so vernichtenden Wahlergebnis mit sofortiger Wirkung alle seine politischen Ämter zurücklegen. Normalerweise. Doch die Rücktrittskultur in Österreich ist eben nicht normal. Dass er jetzt in den Bundesrat wechselt, nachdem er tagelang sogar überlegt hat, als eigene Partei im Kärntner Landtag zu verbleiben, zeigt so einiges auf: dass er die Gründe des Wahlverlustes nicht bei sich sieht, dass die Wahl die FPK abgewählt habe, aber nicht ihnen; und dass er eindeutig ein Versorgungsfall ist.

Dass die Freiheitlichen in Kärnten sowie die stolpernde FP Österreichs von einem Erfolg spricht, überrascht nicht. Retten, was zu retten ist. Solange es nicht die eigene Selbstachtung oder die Handschlagqualität ist: Strache „half“ dem FPK beim vergangenen Wahlkampf, als die Kärntner Freiheitlichen dann zerbröselten und sich intern stritten, waren sie für Strache nur mehr „Kooperationspartner“. Nachdem sie sich wieder zusammengerauft haben, sind sie plötzlich wieder eine Partei und eine Seele. Das war bei den Freiheitlichen schon immer so: Solange alles gut ist, solange Erfolge eingefahren werden, solange niemand rechtskräftig verurteilt ist, herrscht Friede, Freude, Eierkuchen … passiert aber dann einmal das Unvorhersehbare, gibt man vor, schon immer stets auf Abstand gewesen zu sein. Glaubwürdigkeit sieht anders aus, aber das darf man sich eventuell von der Partei mit dem F wohl eh nicht erwarten.

Bildquelle: Creative Commons – BY – Lizenz – Bateman55

Quellen und Fußnoten:

  1. Kurt Scheuch zurückgetreten auf orf.at, 4- März 2013
  2. Strache kämpft ums Überleben auf oe24.at, 10. März 2013
  3. Dörfler: Bin kein Versorgungsfall auf oe1.orf.at, 26. März 2013
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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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