Nicht ganz drei Wochen sind vergangen, seit die Landtagswahlen in Kärnten geschlagen wurden. Das Ergebnis ist bekannt, ein Debakel für die Freiheitlichen, die SPÖ kann nach über 20 Jahren wieder stimmenstärkste Partei werden. In den kurz vorm Abschluss stehenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ, ÖVP und Grünen wird ein neuer Geist und eine neue politische Kultur beschworen. Der Wandel ist da, es gibt viel im südlichsten Bundesland zu tun.

Wörthersee, Sonnenaufgang

Als Jörg Haider vor etwas mehr als vier Jahren tödlich verunglückte, prägten seine hinterbliebenen Parteifreunde den Ausdruck, dass in Kärnten die Sonne vom Himmel gefallen sei. Die ausgerufene Dunkelheit umnachtete den folgenden Wahlkampf so sehr, dass Haider posthum, in der Gestalt seiner Partei (damals BZÖ, heute FPK) mit 45 Prozent verabschiedet wurde.

Das ist vorbei. Die Sonne ist wieder aufgegangen und hat Korruption, Misswirtschaft, populistische Brot & Spiele-Politik und Ignoranz beleuchtet. Doch was fehlte, war das Charisma und die Chuzpe eines Jörg Haider um es vergessen zu machen. Seine Erben rund um Gerhard Dörfler, Kurt Scheuch und Harald Dobernig rutschten so auf 17 Prozent ab. Nun sieht man eine ehemalige Landeshauptmann-Partei sich selbst zerfleischen. Viele verzweifelte Politiker die sich um plötzlich sehr wenige Posten balgen. Das unwürdige Spiel, dass man früher mit dem Geld und der Zukunft des Landes gespielt hat, spielen die Freiheitlichen nun um Landtagssitze. Das der abgewählte Landeshauptmann Dörfler es sogar auf eine Parteispaltung der FPK ankommen lässt, nur um im Landtag sitzen bleiben zu können, sagt sehr viel über die Situation der FPK aus.

Nicht viel leichter ist es für die SPÖ, die ÖVP und den Grünen. Die drei Parteien wissen, dass sie nun das wohl einmalige Zeitfenster haben mit einer Verfassungsmehrheit der Kärntner Bevölkerung zu beweisen, dass das Land mit seriöser, nicht marktschreierischer Politik besser fährt. Die Erwartungen sind enorm, das Hauptmotiv für die Wahl am 3. März war Wandel, der jetzt kommen muss.
Zu viele Kärntner haben den Behauptungen der Freiheitlichen nicht mehr geglaubt, dass es dem Land gut gehe, zu deutlich war der Entwicklungs-Abstand zu den anderen Bundesländern.

Peter Kaiser, der wahrscheinliche neue SPÖ-Landeshauptmann hat bereits im Wahlkampf angesprochen, was sein Vorgänger Dörfler als „Vernaderung“ abtat: enorm hohe Arbeitslosigkeit, Armut die nur mit Show-Politik übertüncht wurde, statt bekämpft und massive Abwanderung samt Brain-Drain – kaum ein Kärntner, der nach dem Studium zurück nach Kärnten ginge, es fehlen adäquate Jobs und auch die Atmosphäre, die zur Rückkehr locken würde.

Nur weil ein Politiker die offensichtliche Probleme eines Landes anspricht, wird es nicht besser, geschenkt. Aber in Kärnten könnte der nüchterne, lange als langweilig belächelte Peter Kaiser tatsächlich für eine Trendumkehr sorgen, seine Partner in der wahrscheinlichen Koalition haben die drängenden Probleme erkannt. Die Zukunft wird zeigen, ob der Kärntner Sonnenaufgang nachhaltig sein wird.

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Gregor Plieschnig

Gregor Plieschnig beschäftigt sich seit Teenager-Zeiten mit Politik, als er für das Jugendmagazin seiner Heimatstadt Villach schrieb. Während seines Politikwissenschafts-Studiums in Wien arbeitete er für verschiedenste Medien, unter anderem der Standard, Falter, derStandard.at und die Bezirkszeitung Wien. Er lebt und arbeitet in Wien.

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