Im heutigen Booklewal dreht es sich um das Buch von Frank Stronach „Franks Welt“ wo man einen Einblick in – naja, Franks Welt eben, bekommt.

Stronach in der ZiB2Frank Stronach wurde am 6. September 1932 in Kleinsemmering in der Steiermark geboren. Mit 22 Jahren wanderte er nach Kanada aus und gründete später seine Firma „Magna“. Bereits in Kanada versuchte sich Frank Stronach 1988 mit einer Kandidatur für die Liberale Partei Kanadas in der Politik – 2012 schließlich gründete er seine Partei Team Stronach, nachdem eine Zusammenarbeit mit dem Liberalen Forum und dem BZÖ scheiterte.

Beim Buch „Franks Welt“ könnte man meinen, es handle sich um eine Biografie von Frank Stronach – ganz anders sind es jedoch alle gesammelten Kolumnen, die er von 2010 bis 2012 in der „Krone“ hatte.

Das Vorwort stammt von Kathrin Nachbaur, die Leiterin des Stronach-Institutes und Mitglied des Team Stronach ist. Und die ersten Worte des Buches wirken reichlich aggressiv – fast wie ein Fernseh-Interview des Milliardärs. Viel ruhiger – vielleicht hatte Stronach einen guten Ghostwriter – als man ihn kennt, kommen hingegen die Kolumnen von Stronach rüber.

Und tatsächlich taucht man in den Glossen in die Welt des Frank Stronach ein – er unterbreitet seine Ideen, was man anders machen, was man verbessern könnte in Österreich. Dabei orientiert er sich zumeist ganz stark an seinem Unternehmen „Magna“ und erklärt, wie man seine Geschäftsphilosophie auf ein Land umlegen könnte. Etwas, was ihm ja von Kommentatoren immer wieder unterstellt wird – eben dass er eine Betriebswirtschaft bei einer Volkswirtschaft adaptieren will.

Das Buch beginnt freilich bei Stronachs Auswanderung aus Österreich – wie er mit 200 Dollar (waren es eigentlich kanadische Dollar? Das verrät er uns nie) nach Kanada auswandert und dort anfangs in einer Krankenhausküche arbeitet. Er gibt an dieser Stelle auch zu, dass er sich damals auch selber Leid getan habe, weil er als gelernter Werkzeugmacher einen Job ausübte, den er eigentlich nicht machen wollte.

Ich gebe zu, dass ich mir damals wirklich selbst leid getan habe

Danach geht es weiter mit seiner Unternehmensgründung, wie es entstanden ist, was er daraus gemacht hat, welche Geschäftsmodelle er erfunden hat, wie er eine Fabrik nach der anderen eröffnet hat – kurz: wie super er nicht ist, dass er all seine Erfahrungen nicht auf einen Staat umlegen könnte.

In den meisten Kolumnen geht es unweigerlich um Stronachs Lieblingsthema – „Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft“, wie er letztes Jahr bei seiner Parteigründung sagte. Aber es geht auch um soziale Themen, wie etwa über Schulen oder das Gesundheitswesen. So möchte Frank Stronach in den Schulen mehr Sport und Ernährungslehre einführen – Töne, die man vom Austro-Kanadier als Politiker bis dato noch nie gehört hat. Aber, und da sind wir wieder beim Thema, die Schüler sollten, wenn es nach Stronach geht, auch schon recht früh an die Wirtschaft herangeführt werden – und das ganze danach auch ohne Studiengebühren studieren, wie wir ja im Laufe seines politischen Engagements erfahren haben.

Wenn wir unser Bildungssystem reformieren […], glaube ich, dass wir beitragen könnten, die Chance unserer Jugend im globalen Wettbewerb zu verbessern.

Auch zum Thema Zuwanderung und Integration äußert er sich und überrascht – zumindest mich – mit einem bemerkenswerten Zitat: „In einer zivilisierten Gesellschaft darf niemand der Sündenbock sein“ – etwas, wo ich direkt an Strache denken musste und wo ich dachte „Wow, das hätte ich dem alten Mann so nicht zugetraut“. Aber das unterscheidet den Neopolitiker vom Freiheitlichen – er weiß, wie es ist, in ein anderes Land zu gehen und sich dort eine Existenz aufzubauen.

In einer zivilisierten Gesellschaft darf niemand der Sündenbock sein

Alles in allem erkennt man die Visionen von Frank Stronach und man merkt, dass da irgendwo in ihm drin ein Politiker ist, auch wenn er selber keiner sein möchte. Wenn man etwas vom Politiker Stronach hält, dann kann man sich diese Lektüre gerne zu Gemüte führen – wenn nicht, auch nicht so schlimm. Man sieht den Mann ja oft genug im Fernsehen und die Auftritte bieten eigentlich ohnehin einen größeren Unterhaltungswert – etwas, was dem Buch leider komplett fehlt.

FranksWeltCoverFrank Stronach

Franks Welt
Wahrheit, Transparenz und Fairness in Politik und Gesellschaft 

206 Seiten
Ueberreuter
ISBN: 978-3-8000-7565-2

Preis: [amazon_link id=“3800075652″ target=“_blank“ ]19,50 Euro (Hardcover)[/amazon_link] (Partnerlinks)

Information: Wir bedanken uns beim Ueberreuter Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.