Die Jugend von heute hat in der Politik nicht viel mitzureden und wird oft ignoriert. Stefan Hechl hat daher mit einem  – zugegebenermaßen hypothetischen – Jugendlichen gesprochen. Auch wenn es diesen speziellen „Durchschnittsjugendlichen“ nicht gibt: Das Gespräch hätte auch mit dem Teenager von nebenan oder mit der jungen Studentin im Zug so verlaufen können. Ein Kommentar von Stefan Hechl.

Einfache Frage: Was bewegt die Jugend?

Die Jugend bewegt, dass sich nix bewegt. Deshalb haben viele schon aufgegeben und interessieren sich nicht für Politik, vielleicht auch deshalb, weil alles zu kompliziert erscheint und nur wenige Politiker sich verständlich ausdrucken. Einer, dessen Reden für alle verständlich sind, ist zum Beispiel HC Strache.

Strache gilt bekanntlich bei manchen/vielen Jugendlichen als recht beliebt, er hat über 100.000 Fans auf Facebook. Warum ist das so?

Die Gruppe von Jugendlichen, die Strache wählen, ist ziemlich isoliert, bzw. recht eindeutig erkennbar. Es gibt dazu sicher eine Statistik, aber ich traue mich auch, es so in den Raum zu stellen: Strache wird von Jugendlichen mit einem niedrigen Bildungsniveau gewählt. Unter Maturanten ist die FPÖ-Wähler-Quote sicher sehr gering, da Maturanten eine gewisse Fähigkeit zur Reflexion besitzen und man so sicher nicht zur Entscheidung kommt, Ausländer müssten raus und was weiß ich der Strache noch alles will. Ich kann über ihn nur lachen, aber dann mache ich mir auch wieder Sorgen darüber wie beliebt er (vor allem bei der Jugend) ist.

Gab es nicht einmal eine Zeit, in der bei halbwegs gebildeten Jugendlichen das Grün-Wählen total in war? Oder ist das immer noch so?

Heute nicht mehr, die Grünen sind nicht mehr cool. Das hat vielleicht die Gründe, die auch von manchem Medien usw. kritisiert werden: Die Grünen stehen immer mehr für eine restriktive Verbotspolitik und rücken scheinbar immer weiter vom ehemaligen Kernthema Umweltschutz ab. Wahrscheinlich ist aber auch das mittlerweile recht hohe Durchschnittsalter beim grünen Personal ein Faktor. Ein junger Spitzenkandidat würde sie sicher wieder attraktiver machen.

Wie sieht es mit den restlichen etablierten Parteien aus?

SPÖ und ÖVP sind in der Jugend vor allem durch ihre Vorfeldorganisationen wie die aks bzw. die Schülerunion vertreten, wobei die nicht sonderlich bekannt sind. Dafür interessieren sich eigentlich nur Schüler, die sich in der Schülervertretung engagieren – welche wiederrum oft von Mitschülern, etc. eher belächelt werden.

Warum ist das so?

Im Grunde haben sie eh Recht. Die Schülervertretung ist machtlos, ähnlich wie die Studentenvertretung. Außerdem gibt es generell die Ansicht, es sei uncool, sich politisch zu engagieren. Jungpolitiker gelten als langweilig und streberhaft. Wobei Altpolitiker ja auch so sind. Das ist ein grundsätzliches Problem der Poltik und wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wie man das ändern kann. Das weiß wohl niemand.

Zurück zu den anderen Parteien – Stronach, Piraten, neos?

Stronach spricht die Jugend nicht wirklich an, denke ich. Das liegt wohl auch an seinem Alter. Die Piraten werden als Nerds und World of Warcraft-Süchtler gesehen. Was die in der Politik verloren haben, verstehen viele nicht. Von der Neos hab ich noch nie gehört – in meinem Umfeld auch keiner. Das ist wohl ein grundsätzlicher Fehler: Auch wenn wir Jugendliche nur einen kleinen Prozentsatz der Stimmberechtigten ausmachen, sollte man uns doch ansprechen.

Ein gutes Stichwort. Womit könnte man denn die Jugend ansprechen?

Ein gutes Beispiel dafür gibt es zurzeit in Tirol. Dort wurde ein tirolweites Seniorenticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel eingeführt, es kostet 240€. Von so einem Preis können wir Jugendliche nur träumen. Warum ist das so? Weil es einfach mehr wahlberechtige Senioren gibt als Jugendliche.

Viele Jugendlichen kennen das Buch/den Film “Die Welle”. Wäre so etwas auch in der heutigen Gesellschaft möglich?

Ja, jederzeit. Die Jugend hat eine Tendenz zum Mainstreaming, Individualismus ist ein Fremdwort. Viele sind zu begeisterungsfähig und unreflektiert. Wenn man sich in ländlichen Gegenden umschaut, stellt man fest: Die, die wählen gehen, wählen oft unreflektiert. Wenn die Eltern Schwarz wählen, wählen die Kinder auch Schwarz. Weil es immer schon so war, quasi. Bei „roten Familien“ verhält es sich oft gleich. Genau diese Jugendlichen sind es auch, die sich in den jeweiligen Nachwuchsorganisationen engagieren und die Kontinuität der großen Koalition sichern. Weil die anderen Parteien diese familiären Strukturen nicht besitzen, wird es mit unserer Generation wohl keine große Veränderung des Systems geben.

Wie sieht es mit dem Medienkonsum der Jugend aus?

Wenn man „Jugend“ und „Medien“ hört, denkt man an Facebook. Dort hat, wie schon angesprochen, Strache die Nase meilenweit vorn. Ansonsten besteht der jugendliche Medienkonsum weitgehend aus oberflächlichem Mithören/Mitlesen von verschiedenen TV-Sendern, Ö3, und der Tageszeitung, die die Eltern lesen. Das sehe ich als Problem, weil es die  kritische Reflexion nicht fördert.

Was kann man dagegen tun?

Nichts. Ich kann ja keinen zwingen, eine bestimmte Zeitung zu lesen. Politische Bildung als Pflichtfach wäre ein guter Ansatz, wobei da natürlich extrem heikel ist, wer unterrichtet.

Wir werden sehen, wie es mit der Jugend weitergeht. Danke für das Interview!

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Stefan Hechl

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