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Das Beste an Wahlen sind, dass es oftmals eindeutige Sieger und eindeutige Verlierer gibt. Und plötzlich neue Köpfe auf der politischen Landkarte erscheinen. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

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wortschwallChristian Ragger, Matthias Stadler, Gerald Klug? Noch nie gehört? Das sollte sich in Zukunft ändern. Sie folgen Kurt Scheuch, Josef Leitner und Norbert Darabos nach. Es ist beeindruckend, was zwei Landtagwahlen so alles verändern.

Nachdem SPÖ und Grüne nach Mandaten in Kärnten sogar die absolute Mehrheit erreicht haben und sich möglicherweise sogar eine Afghanistan-Koalition anbietet, versucht der große Wahlverlierer seine Lehren zu ziehen. Der frischgebackene FPK-Chef Ragger zieht sogar ein überraschend ehrliches Resüme: „Es gibt vier Gründe für die verlorene Wahl: Disziplinlosigkeit, mangelnde Demut, Maßlosigkeit, Überheblichkeit.“ Kurt Scheuch ist bereits von der politischen Bühne verschwunden, Ragger legt es zudem Dörfler und Dobernig nahe, auf ihre Landtagsmandat zu verzichten. Dass Ragger selbst seit 1999 im Landtag sitzt und seit 2009 als Soziallandesrat aktiv war, zeigt vielleicht auf, dass für eine „Grunderneuerung“ der FPK auch er seinen Platz räumen müsste.

In Niederösterreich hingegen, wo die ÖVP mehr Stimmen als die SPÖ verloren hat, verschwand SP-Chef Josef Leitner still und heimlich am Tag nach der Wahl. Es überraschte nicht, war er doch kaum bemerkbar, schaffte es in letzter Zeit in erster Linie in die Medien, da er Michael Häupl kritisierte und hat mit Erwin Pröll wohl einen der stärksten Gegner erwischt. Nachfolgen soll ihm Matthias Stadler, amtierender SPÖ-Bürgermeister der Landeshauptstadt St. Pölten. Er wirkt zumindest kantiger, politischer und spannender als sein Vorgänger. Auch bei den Freiheitlichen rund um Barbara Rosenkranz kriselt es. Der vermeintliche Grund: Heinz-Christian Strache könne sich ja leider nicht klonen.

Und dann auch noch die Bundesebene: die dortige Personalrochade hat zwar offenbar nichts mit Niederösterreich oder Kärnten zu tun, aber eindeutig mit der Nationalratswahl im September. Jetzt ist wohl der beste Zeitpunkt, einen Spielerwechsel durchzuführen. Dass es mit Gerald Klug ein bisher relativ unbekannter Bundesrat ins Verteidigungsministerium geschafft hat, überrascht, zeigt aber zumindest, dass die Sozialdemokraten zumindest immer noch Personal finden. Und auch wenn in den Medien bereits zu lesen war, wie Bundesratskollegen, andere Politiker oder Wegbegleiter ihn erlebt haben und einschätzen, soll er doch erst einmal seine Arbeit in diesem undankbaren Ministerium erledigen. Vorschusslorbeeren ist ungefähr genauso unnötig wie Einstiegskritik.

Aber das sogenannte Köpferollen macht die Wahlen zu einem Spektakel: Man könnte ja schon beinahe darauf wetten, wer bei den kommenden Wahlen den Hut nehmen muss, wer ausgetauscht, gewechselt oder abgewählt wird.

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von bahoolala

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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