Als Nebenwohnsitzniederösterreicher darf ich am kommenden Sonntag wählen: Doch nie fiel eine Wahl schwerer. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

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Natürlich werde ich wählen gehen. Da ich noch einige Jahre länger hier wohnen möchte, möchte ich auch mitbestimmen, wer sich für dieses Land in Zeug legen soll. Doch wer soll mein Kreuzchen bekommen? In den vergangenen vier Tagen habe ich die Programme aller wahlwerbenden Parteien durchforstet, habe Standpunkte verglichen und manchmal auch einfach nur bemerkt, dass es gar kein wirkliches Wahlprogramm gibt.

Ginge es nach Wahlgeschenken, hat eindeutig der Wirtschaftsbund, also die ÖVP Niederösterreich die Nase vorne: zwei Parteien haben uns Säckchen an die Haustür gehängt. Aber von so etwas lasse ich mich nicht beeinflussen: viel eher würden jene Parteien, die nicht schnöde Wahlgeschenke verteilen einen Vorteil bei mir haben.

Von wem habe ich den vergangenen fast vier Jahren, seit ich in St. Pölten wohne, am meisten mitbekommen? Ganz ehrlich: die Freiheitlichen haben sich nahezu aufgedrängt. Hatten sie eine Wahlkampfveranstaltung, war ein Teil der Innenstadt mit Platzverbot unzugänglich gemacht, man wurde von Polizisten als potentielle Störenfriede beschimpft, konnte so also seinem „normalen“ Leben nicht wirklich nachgehen. Das spricht nicht gerade für die Partei und dass sie meine Stimme in irgendeiner Art und Weise verdient hätten. SPÖ, Grüne, KPÖ? Sorry, so leid es mir tut, seit ich hier studiere und lebe habe ich maximal Plakate mit den jeweiligen Politpersönlichkeiten gesehen, Josef Leitner z.B. habe ich das erste Mal am Bundesparteitag in diesem Jahr gesehen und für unsympathisch befunden. Die Partei mit der – neben der unwählbaren FPÖ – zweithäufigsten von mir geschenkten Aufmerksamkeit ist die Volkspartei Niederösterreich. Die VP und Pröll sind, selbst (bzw. vor allem) in der roten Stadt St. Pölten, allgegenwärtig – sie haben viele junge Menschen, die Veranstaltungen auf die Beine stellen und so Sympathiepunkte sammeln. Zwar habe ich das eine oder andere Mal auch die jungen Sozis in Niederösterreich erblickt, aber das waren dann eher peinliche Auftritte zu trivialen Themen. Und Frank Stronach? Der hat ja nicht einmal ein eigenes Niederösterreichprogramm.

Schlussendlich bin ich nach dem Ausschlussprinzip vorgegangen: FRANK und FPÖ scheiden schon von vornherein aus. Die KPÖ hat zwar nette Ansätze, Dinge wie z.B. die Energiegrundsicherung klingen zwar schön, wirken aber doch sehr unrealisitisch. Die SPÖ fordert in ihrem Wahlprogramm Notebooks für alle Pflichtschüler, weil einem die Bildung der Kinder ja 10 Mio. Euro pro Jahr wert sein sollte. Ja, Bildung sollte jedem etwas wert sein, aber diese zehn Millionen Euro pro Jahr können eindeutig viel besser investiert werden, als die Pflichtschüler mit Geschenken zu überhäufen. Erhofft man sich davon einen Stimmenzuwachs in 10 Jahren? Und die ÖVP? Die hat sich mit ihrer Haltung zu den Spekulationen rund um die Wohnbaudarlehen für mich ebenso unwählbar gemacht. Wenn man immer noch von einem Gewinn spricht, wenn jeder andere erkennt, dass hier starke Verluste gemacht wurden, dann ist das für mich Realitätsverweigerung. Und außerdem ist es für jeden Gemeinde- und Landtag gut, wenn eine Absolute gebrochen wird. Vor allem, wenn man den amtierenden Landeshauptmann auf (gefühlten) Millionen Plakaten als Heilsbringer und Messias darstellt, der er einfach nicht sein kann.

Somit ist es entschieden: Ich weiß bis heute nicht, wer meine Stimme bekommen wird. Wer hat sie sich verdient? Wer sollte sie bekommen? Ich werde mich wohl erst in der Wahlkabine entscheiden. Das wär zumindest endlich mal wieder ein „Erstes Mal“, dass mir die Politik beschert hat.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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