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„Er ist die Krise unseres Lebens.“ schreibt die deutsche Publizistin Jutta Ditfurth in ihrer sogenannten „Flugschrift“ Worum es geht. Aber außer verrücktem Kapitalismus-Bashing liefert das Büchlein nichts Erquickendes.

Jutta Ditfurth ist Soziologin, Publizistin und politische Aktivistin in der außerparlamentarischen Linken. Sie war Bundesvorsitzende der Grünen, trat 1991 aus und gründete im selben Jahr die Ökologische Linke mit. Von 2001 bis 2008 und wieder seit März 2011 vertritt sie die Wählervereinigung ÖkoLinX-ARL im Frankfurter Römer.

Weitere Werke:  „Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die Grünen“ (2011), „Durch unsichtbare Mauern. Wie wird so eine links?“ (2011)

Die Autorin wartet gar nicht lange und beginnt sogleich mit einem Rundumschlag unseres aktuellen Lebens. Telefon und Internet? Böse! Arbeit? Ausbeutend! Politiker? Eine Bagage! Banken? Der Teufel! Und Kapitalismus? Krieg! So einfach geht es, aber wie viele andere Kapitalismuskritiker (wobei wenige so radikal das Heute für verdorben, kaputt und beschissen hielten) bietet Ditfurth genau das nicht, worauf so viele Menschen warten: Eine Lösung. Eine Alternative. Einen Ausweg aus dem Kapitalismus. Stattdessen sieht man hinter jedem „Hamsterradfahrer“ einen Verlorenen, hinter allem Möglichen Faschismus und Antisemitismus und einzig und allein mithilfe linker Philosophen versucht man – vergeblich – die eigene Ahnungslosigkeit zu verdecken.

Der Irrationalismus mit all seinen esoterischen Facetten ist der größte Feind des Humanismus und ein Begleiter und Vor(be)reiter antidemokratischer und faschistischer gesellschaftlicher Entwicklungen.

In den vier Teilen ihres dünnen Büchleins erklärt die Autorin, „worum es geht“, „was ist“, „was droht“ und „was [man] tun [kann/soll/muss]“. Und natürlich hat sie in gewissen Punkten eindeutig recht: der Konsumrausch treibt zumeist schon fragwürdige Blüten, der Kapitalismus ist zurecht nicht unumstritten und die Politik bzw. die Gesellschaft entwickelt sich in Zeiten wie diesen in nicht unbedingt bessere Richtungen. Was Ditfurth aber nicht nutzt: Mit ihrem „Worum es geht“-Teil stößt sie schon mal 99% der Leser eindeutig vor den Kopf – weil sie den Lebenstil vieler nicht wirklich „nur“ hinterfragt, sondern richtiggehend darauf eindrischt und als absurd bezeichnet. Und was wird uns drohen? Mehr Menschen werden ärmer, die Politiker korrupter, Mittel „gegen die Überbevölkerung“ gefunden. Das ultimative Schreckensszenario, der verspätete Weltuntergang, diesmal ohne Maya-Kalender.

Ob die Theorie zuerst kommt[sic!] die Aktion oder die Organisation ist oft biografischer Zufall. Tatsache aber ist: Es geht langfristig, willst du ernsthaft etwas verändern, nicht ohne diesen Dreiklang.

Frau Ditfurth will den Kapitalismus stürzen, und die unsäglichen Parteien Deutschlands, und die Hamsterradfahrer aufwecken und die Banken zerstören. Ditfurth möchte als in Wahrheit einen Systemwechsel, und ruft in ihrer „Flugschrift“ auf, mitzuhelfen. Ein Empörbuch wie Hessels Werke ist es – zumindest für mich – nicht geworden, aber einige linke pubertierende Jugendliche wird sie schon damit begeistert haben. Sollen sie den Sturz des Regimes (angeführt von Kapitalismus, Politiker, Banken, der Oberschicht und „den Rechten“) doch versuchen – ihre eigene Planlosigkeit, wie ein nachfolgendes System aussehen könnte, wird nicht weiter auffallen. Ein unnötiges Werk einer fanatischen Systemkritikerin, mehr nicht.

Jutta Ditfurth

Worum es geht
Flugschrift

46 Seiten
Verlag Rotbuch
ISBN: 978-3-86789-154-7

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