Innenministerin Johanna Mikl-Leitner scheint in einem Rauschzustand zu sein: ihr Einsatz hat die Wehrpflicht gerettet und ihre christlich-soziale Hartnäckigkeit die Menschen in der Votivkirche enttäuscht, wie es zuvor nur ihre Vorgängerin schaffte. Es wäre alles so toll, wären da nicht die Drogen. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

InnenministerinimRauschzustand

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Es ist zum Haareraufen! Da hat man einmal eine richtig innovative Idee für die Jugend, einer normalerweise sehr unterrepräsentierten Gruppe in unserer Gesellschaft, und schon wird man allen Seiten gerügt. Dabei möchte Mikl-Leitner doch nur unsere Kinder schützen, dabei gleichzeitig die Verkehrssicherheit erhöhen und zudem die Zukunft besser machen. Und alles, was man dafür bräuchte, wer ein einziges Haar.

Ja, es ist bereits Wahlkampf. Und statt „Volle Härte bei Kindesmissbrauch“ (2008) soll in diesem Jahr wohl „Volles Haar gegen Kiffen!“ plakatiert werden. Unsere Innenministerin überlegt ein Pilotprojekt, bei dem beim Verdacht auf Drogenmissbrauch nicht mehr zwangsläufig auf den Urin, sondern die Haare zurückgegriffen werden muss. Zur Prävention, betont sie. Um ja früh genug Drogenmissbrauch zu erkennen und ihn zu bekämpfen.

Warum also der Aufschrei? Es gäbe da so einige Gründe. Die Grünen Wien erklären z.B. in einer Presseaussendung: „Die gefährlichste Nebenwirkung von Cannabis sind die Auswirkungen der Illegalität“. Sie betonen dabei, dass Cannabis nicht „harmlos“ sei, erklären aber ausführlich, welche nachvollziehbaren Vorteile eine Legalisierung mit sich bringen würde. Außerdem kann man dank der Haare Wochen bis Monate zurückblicken. Einmal einen Joint probiert und es dann gelassen? Seien sie mal lieber die kommende Zeit noch sehr, sehr wachsam!

Die Law-and-Order-Manie unserer Innenministerin vergisst dabei auch immer wieder gerne, dass jene Drogen, die so typisch österreichisch sind – Alkohol und Nikotin – in Wahrheit viel gefährlicher sind. Zumindest laut einer Forschung der University of Bristol aus dem Jahre 2007, bei welcher die Mittelwerte aus Gesundheitsgefahr, Suchtpotential und dem Schaden für die Gesellschaft errechnet wurden.

Natürlich sollte man einen Weg finden, Süchte zu bekämpfen. In dem man Suchtpotentiale senkt, präventiv aktiv wird und auf die Konsumenten einzugehen versucht. Indem man sie jedoch mehr und mehr kriminalisiert, bringt man sie höchstwahrscheinlich nie weg von ihrer Sucht. Also, werte Frau Innenministerin – auch sie müssen es einmal erfahren: nach jedem erfahrenen Rauschzustand muss irgendwann zwangsläufig ein Tief kommen. Aber das hier haben sie sich eindeutig selbst eingebrockt.

Die Meldungen, dass sie auch vor hat, die Substitutionsprogramme für Drogenabhängige abzuschaffen, baut übrigens auf einer Falschmeldung auf. Die Presse klärt dazu sehr ausführlich auf. In Wahrheit wollte sie Kritik an der Verschreibepraxis der Ärzte üben.

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