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Der diesjährige „Akademikerball“ ist Geschichte – aber nun diskutiert man leider nicht über die rechtsnationale Gästeliste sondern die (ebenfalls: leider) ausartenden Gegendemonstrationen. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

StupidLeftMen

Mit seinem „Wir sind friedlich, was seid ihr?„-Kommentar auf über.morgen trat Jakob Arnim-Ellissen die Diskussion so richtig los. Dominik Hultsch setzte in seinem Gastkommentar „Wir sind friedlich, aber der Schwarze Block?“ auf zurPolitik.com noch einen drauf. Es ist wohl (wieder einmal) Zeit für eine Debatte über Gewalt in der linken Zivilgesellschaft. Doch das will nicht jeder so sehen: In seinem Kommentar „Aktion und Gewalt“ bezieht sich Christopher Glanzl auf die Vergangenheit: „Sieht man sich die Geschichte politischer Errungenschaften an, wird einem schnell klar, dass es meist auch einer gewalttätigen Umsetzung bedurfte, um heute selbstverständliche Rechte zu erkämpfen.“ Dürfen einzelne Demonstranten gewalttätig agieren?

Die logische Antwort kann natürlich nur lauten: Nein! Wie die Demonstrationen zum Akademikerball zeigen, macht hier die Gewalt Einzelner den Protest Tausender zunichte. Und legt somit dem Ziel der Proteste, der FPÖ, einen Elfmeter ohne Tormann hin. Dafür braucht Strache nicht einmal mehr seinen vermaledeiten „Wir sind die neuen Juden„-Sager wiederholen – Bespuckte, mit Flaschen oder Farbbeuteln beworfene Menschen zeigen eben das Bild einer Verfolgung, die als extremistisch anzusehen ist. Die FPÖ ist das Opfer. Und da machen bezahlte Zugtickets á la ÖH Salzburg (so sehr sie auch schon seit langer Zeit gang und gäbe sind) kein wirklich gutes Bild. (Der Falter verlieh deshalb den „Dolm der Woche“ an die Salzburger ÖH – dazu eine Stellungnahme des dortigen ÖH-Vorsitzenden und einer Reaktion des Falter-Redakteurs Benedikt Narodoslawsky.) Denn schon hat die FPÖ ihre Demotouristen, die herbeigekarrt werden, um ja feste draufzuhauen.

Leute, die nun als große Antifa-Menschen auftreten, ihr Leben auf den Grundsätzen antisexistisch, antirassistisch, antinormativ oder was auch immer  aufbauen und dann jene Gewalt, wie jene Einzelner bei der Akademikerball-Demo gutheißen, haben wohl im Kampf gegen Faschismus manches hintangestellt, damit sie sich auf eine Ebene stellen mit jenen, die sie zu bekämpfen versuchen. Wie z.B. Respekt vor anderen Menschen. Niemand (wirklich niemand) hat es verdient, angespuckt zu werden. Diese Ausschreitungen zeigen die Absurdität der Slogans wie „Null Toleranz für Intoleranz“ oder ähnlichem: Weil es immer noch so viele rechtsextreme Recken gibt und manche sogar in demokratisch gewählten Gremien sitzen, heißt das nicht automatisch, dass sie hiermit zum Abschuss freigegeben sind.

Ich will den Akademikerball nicht in Schutz nehmen, will keinerlei Aktionen der FPÖ gutheißen, will die Absichten Tausender (friedlicher) Demonstranten nicht in Abrede stellen. Aber vielleicht sollte die linke Zivilgesellschaft in Zukunft alles nur Erdenkliche tun, um Gewalt in ihren Demonstrationen so strikt wie möglich zu verhindern.

Bildrechte: Copyright All rights reserved by daniel-weber

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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  • kilo berl

    Hallo
    Tja,die lieben,lieben Linken.
    Für mich sind die Heutigen Linken die wahren Faschisten.
    Wenn man zuweit nach Links geht kommt man Rechts wieder Raus.
    Grüsse

  • kritisch-konstruktiv

    Sehr guter Kommentar, Gratulation. Ich nehme es sehr positiv zur Kenntniss, dass sich Neuwal trotz klar links der Mitte angesiedelter Positionierung um Ausgewogenheit und Objektivität bemüht!

  • kilo berl

    An „kritisch-konstruktiv“
    Also,Bitttte,WAS ist an diesem Kommentar „Ausgewogenheit und Objektivität “
    Es ist ein Links „versiffter“ Kommentar und sonst nichts.
    Von Links wird nichts aktzeptiert was nicht in Ihre Hoheitsmeinung passt.Alles wird als EXTREM natürlich Rechts eingestuft.
    Mir ist eine FPÖ hundertmal lieber als eine Links Grüne und Rote SPÖ.
    Die,FPÖ, sagen wenigstens was los ist.
    Wobei die Grünen Faschisten und Roten Faschisten nichts als Nebelkerzen Zünden.
    Grüsse

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