Kärnten, Fasching und Wahlkampf – eine interessante Kombination. Die nicht wirklich funktioniert. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

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wortschwallJetzt haben die Kärntner das, was sich die Mehrheit des Landtages schon seit Wochen wünscht: Wahlkampf in noch nie gesehener Professionalität und Originalität. Und ein Novum ist, dass diesmal erstmals nicht Jörg Haider im Mittelpunkt steht (was er 2009 post mortem noch sehr gerne für sein BZÖ in Kauf nahm). Wobei, gänzlich ohne ihm geht es natürlich auch nicht. Denn Kurt Scheuch schreibt ihm immer noch Briefe, die gierig von Medien aufgegriffen und veröffentlicht werden – und schon streiten FPK und BZÖ darum, wen er denn nun am Liebsten hatte. Hatte, natürlich … denn, man muss noch einmal erwähnen: In Wahrheit ist er bereits seit mehr als vier Jahren tot.

Aber das BZÖ ist in Wahrheit ja viel angriffslustiger. Weil Josef Bucher „einfach anders“ ist und Stefan Petzner der Kreative der Partei ist, hat man einen wundervoll einfühlsamen Kinospot gestaltet, der sicherlich irgendwann einmal für die Cannes Lions ausgezeichnet werden wird. Denn es hat eindeutig aufklärende Wirkung und zeigt, dass Dörfler, die Scheuch-Brüder (FPK), Martinz (ÖVP) und Kaiser (SPÖ) so furchtbar, mordend, menschenverachtend und gestört sind wie – man setzt sich lieber hin, bevor man weiterliest: Erich Honecker, Husni Mubarak, Nicolae Ceaușescu, Zine el-Abidine Ben Ali, Slobodan Milošević und auch George W. Bush. Da bin ich nur froh, dass sich das BZÖ bereit erklärt, Kärnten zu befreien. Weil sie es so lieben (und: weil Haider es so geliebt hat).

LH Dörfler in einem Interview mit der Kleinen Zeitung
LH Dörfler in einem Interview mit der Kleinen Zeitung

Und der amtierende Landeshauptmann? Zeigt den Wählerinnen und Wählern auf, was man von Transparenz halten soll. (aufgeschnappt übrigens bei Georg Holzer, der auf k2020.at die Kärntner Parteien genau zu diesem Thema analysiert hat.) Der Blog Ein bisschen mehr befasst sich ebenfalls mit der Transparenz: nachdem Kurt Scheuch angekündigt hat, „ein bisschen mehr“ als jene 500.000 Euro für den Wahlkampf auszugeben, die mit den anderen Parteien vereinbart wurden, will man festhalten, wie viel es schlussendlich wirklich wird.

Die anderen Parteien scheinen zu schweigen. Oder noch zu planen. Oder zu resignieren. Kaiser und Obernostererer/Waldner schaffen es fast nicht in die nationale Berichterstattung, nur Rolf Holub taucht immer mal wieder auf. Das Schlachtfeld wird hingegen den Haider-Nachfolgern überlassen. Und Frank? Der versteht einfach mehr von Wirtschaft als irgendjemand anderer und fordert mal eben mehr Föderalismus. Lauter echte Sympathieträger, oder?

Das Traurige ist, dass sich Kärnten endlich einmal einen Wahlkampf auf höherem Niveau verdient hätte. Einen Wahlkampf, wo nicht alles teuer zuplakatiert wird oder wo politische Mitbewerber nicht mit gestürzten Diktatoren gleichgesetzt werden. Einen Wahlkampf mit Fakten, mit Plänen und Visionen für Kärnten. Weil das fehlt leider schon lange. Und es scheint nur bedingt besser zu werden.

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