„Die heutigen Juden sind keine Opfer mehr und die heutigen Deutschen und Österreicher keine Täter.“, meint Peter Menasse in seinem Buch Rede an uns. 

Peter MenassePeter Menasse  wurde 1947 in Wien geboren. Er studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und arbeitete dann mehr als zwanzig Jahre lang in der Energiewirtschaft. Nach einem radikalen Berufswechsel ist er seit vielen Jahren als Kommunikationsberater tätig. Im Jahr 2000 übernahm er darüber hinaus die Chefredaktion des viermal jährlich erscheinenden Magazins NU, das sich jüdischen Themen widmet und heutiges jüdisches Leben zeigt.

Es ist leider so: selbst berechtigte Kritik am Judentum wird gemeinhin als Antisemitismus aufgefasst. Was aber, wenn ein Mensch jüdischen Glaubens selbst das Wort ergreift und in einer „Rede an uns“ harte Worte wählt, um die Menschen seiner Glaubensgemeinschaft aufzurütteln? Peter Menasse (nicht zu verwechseln mit seinem omnipräsenten Cousin Robert) beginnt sein Werk mit einem Blick auf die heutige Jugendkultur. Sprachlich als „Opfer“ Bezeichnete sind oftmals nicht gerade in bestem Zustand und werden mit diesem Wort also vielmehr beschimpft. Die jüdische Gemeinde aber sieht sich, 68 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus, immer noch als Opfer. Jüdische Jugendliche wachsen mit dem Schreckgespenst Shoah auf und könnten so in die Rolle kommen, selbst heute die Opferrolle übermutig aufzunehmen. Genau das findet Menasse bedenklich.

Wenn wir Opfer sind, hat Hitler gewonnen.

„Die Opferrolle beschädigt das Bild der Juden“, erklärt er. Keineswegs versucht er dabei, die Shoah zu verharmlosen. Das Ausmaß, der Irrsinn und die zerstörende Wirkung des Holocausts ist nicht zu leugnen. Aber er sieht das Judentum nun in einer Phase angekommen zu sein, in der man sich endlich wieder auf bisherige Erfolge der Kultur rückbesinnen könnte und neue Erfolge fördern.

Er geht auch auf jenen Punkt ein, der allgegenwärtig ist: Kritik an Israel (also an dem Staate, an der Regierung) ist in keinster Weise gleichzusetzen mit einer Kritik am Judentum. Bei jeglicher Kritik am Staate Israel mit der Antisemitismuskeule zu kontern führt dazu, dass man als Jude sich selbst der Möglichkeit beraubt, seinen Standpunkt selbst klarzumachen.

Wir Juden sollten uns darauf konzentrieren, zu heutigen Themen mit heutigen Argumenten Stellung zu beziehen. Die Shoah ist Geschichte. Sie hat keinen Bezug zur Gegenwart der jungen Generationen.

Peter Menasse überrascht mit klaren Worten: Er hält seiner Glaubensgemeinschaft eine Standpauke, die man so bisher selten lesen konnte. Ob er sich damit auch viele Freunde gemacht hat? Es war zumindest das erste Buch der edition a (nach „Wir kommen“ und „Prolokratie„), dass mich nicht wütend, sondern immer interessierter werden ließ. Ob es Auswirkungen haben wird? Keine Ahnung. Aber zum Thema „FPÖ und die neuen Juden“ sei ein Absatz zitiert: „Da wir wissen, welche Tücken die Opferrolle hat, sollten wir sie Herrn Strache und seinem Personal durchaus überlassen. Wer nimmt denn schon einen Rechtspolitiker ernst, der bei jeder Gelegenheit jammert und sich unentwegt als armes Opfer darstellt?“

Rede an unsPeter Menasse
Rede an uns

107 Seiten

edition a
ISBN 978-3-99001-053-2
Euro 24,22 (Gebundene Ausgabe bei Amazon))

 

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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  • OPFER- sowie TÄTERschaft kann ausschließlich NUR den unmittelbar Wirkenden zugeschrieben werden.
    Wie bitte sollten denn Generationen, ja schon sippenhaftungsgemäß, eine Rolle übernehmen müssen, welche zum Handlungszeitraum nicht mal lebten?
    Die Politik sollte vielmehr darauf achten, dass NICHT NEUE OPFER UND TÄTER aus einer Entwicklung hervorgehen, welche in immer noch schnellerem Maße gefördert wird. Stattdessen treiben sie diese grenzenlose Islamisierung in Europa stetig und immer noch schneller voran!

    Wenn sich auch alle Welt über die Abschaffung der Apartheid in Südafrika erfreute, so wird sich künftig auch alle Welt über die bevorstehenden getrennten Badestrände in Europa erstaunen, welche dann allerdings NICHT durch „Karawanen aus Schweinen“ 😉 von uns wertlosen Ungläubigen abgetrennt werden!

    Mittlerweile müssen wohl auch die Naivsten unter uns erkennen, dass die Integration endgültig gescheitert ist und in UNSEREM EUROPA immer mehr Lebensbereiche von UNS abgetrennt werden müssen, um keine Spannungen zu erzeugen!
    Letztes Beispiel sind ja die getrennten Toilettenanlagen für Moslems und „den Rest“, welche auch schon in einem Münchner Kaufhaus die freie Religionsausübung unterstützen!

    WO BITTE findet dieses mehr als provokante Treiben seine Fortsetzung bzw. sein Ende??
    Alles zu trennen, was ursprünglich integriert werden sollte ist wohl das falsche Ergebnis für alle vorausgegangenen Versprechen die Integration zu fördern!

    Der unvermeidbare Gedanke, dass unser Europa ganz gezielt und seit Jahrzehnten in einen bewussten Glaubenskampf geführt werden soll, wird dadurch immer mehr gestärkt und kann nur die einzig logische Schlussfolgerung bleiben!
    Sollte dies etwa die von OBEN erdachte „kranke Lösung“ für die Überbevölkerung in Europa sein???

    Diese Antwort(en) möge sich nun jeder selbst geben, aber denkt auch bei all euren Entscheidungen künftig darüber nach!

    „Den Kopf in den Sand zu stecken kann keine Lösung sein, wenn man dabei Gefahr läuft, dass bald nichts mehr daran ist, um ihn wieder herauszuziehen!!“

  • klaus dittner
  • Natürlich hat Peter Menasse im Prinzip Recht. Während in Deutschland ein breites Re-Education Program durchgeführt wurde, ist Österreich mit dem Opferschmäh („Hitler’s erstes Opfer“) durchgekommen. In Deutschland ist heute Antisemitismus nicht so einfach möglich wie in Österreich. Mein Vater hätte nie zugelassen, dass ich mich – wie manche andere meiner Generation – auf die Opferrolle eingelassen hätte; die wahren Opfer waren die, die vor 1945 geboren waren. In diesem Sinn hat er auch das Andenken an 72 Verwandte, darunter an meinen Halbbruder Harry und dessen Mutter, durchaus gepflegt und mir vermittelt.
    Mein Vater selbst hat sich nie auf die Opferrolle berufen – er hat seine Flucht nach Jugoslawien geschafft und bei den Partisanen aktiv an der Befreiung mitgewirkt. Nach dem krieg hat er sich freilich von Jugoslawien losgesagt und ist auf Umwegen nach Wien zurück. Sein Hauptmotiv: „Hitler darf nicht gewinnen. Es wird immer Jüdinnen und Juden in Wien geben.“
    Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass in der jüdische Gemeinde in Wien heute die Opferrolle ein dominantes Thema wäre. Gedenkveranstaltungen werden aber wohl doch erlaubt sein. (http://www.pohoryles.at/2013/01/25/reminder-gedenkkundgebung-erinnern-und-zeichen-setzen-sonntag-27-janner-um-17-00-uhr-am-heldenplatz/). Sich also mit der Geschichte der Shoah beschäftigen. Und vielleicht gibt es zu wenig Beschäftigung damit in österreichischen Schulen. Zu meiner Zeit war das jedenfalls so, aber ich bin heute 60 Jahre alt. Dem heutigen Antisemitismus aber, der leider stärker wird, tritt die IKG allerdings, und dies mit vollem Recht, entschlossen entgegen.
    Unberechtigte Vorurteile gegen die Deutschen gibt es wohl auch; aber die sind den Vorurteilen in der gesamten österreichischen Bevölkerung nicht unähnlich.