von
   

Nach der neuwal Studio-Aufzeichnung im November 2012 überreichte uns unser Studiogast Matthias Strolz sein aktuelles Buch “Die vierte Kränkung”, das er gemeinsam mit Barbara Guwak geschrieben hat.

Autoren Guwak und Strolz (C) http://www.promitto.at/Matthias Strolz ist Gründer und Miteigentümer einer Organiationsberatung. Er studierte internationale Wirtschaft und Politikwissenschaft sowie systemische Organisationsentwicklung. Strolz ist Vorsitzender der österreichischen Partei NEOS – Das Neue Österreich.

Barbara Guwak ist geschäftsführende Gesellschafterin einer Organisationsberatung. Sie ist Psychologin und systemische Facilitatorin mit Spezialisierung auf die Begleitung in komplexen Entscheidungskontexten. Sie beforscht den Themenbereich „Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit“ und arbeitet an der Übersetzung von Widersprüchlichkeit in nachhaltige Entwicklungsstränge.

Quelle: Lebenslauf von Matthias Strolz sowie Buchcover

Matthias Strolz ist Initiator der Plattform “Österreich spricht” und der Partei “neos. Das Neue Österreich.” Ein interessanter Grund, sich hier in seine Gedanken- und Strategiewelt etwas näher einzulesen. Um zu sehen, in welche grundlegende Richtung sein Engagement geht.

Der Buchtitel “Die vierte Kränkung” klingt geheimnisvoll. Es soll kein klassisches Buch über Politik und Gesellschaft sein, wie wir es aus anderen Booklewal-Rezensionen kennen. Es ist kein Buch, das den Hauptfokus auf die Probleme der heutigen Zeit legt. Es ist ein Buch, dass in kurzen und überschaubaren Kapiteln, gute Inspirationen und Überlegungen liefert, “Wie wir uns in einer chaotischen Welt zurechtfinden”. So lautet auch der Untertitel des durchaus sehr positiv geschriebenen und motivierenden Buches.

Wir dachten, wir hätten alles im Griff. Könnten mit Wissenschaft und Technologie alles – immer besser – planen und kontrollieren. Nun stecken wir mitten in einer riesengroßen Kränkung der westlichen Zivilisation: Die von uns geschaffene Welt lässt sich nicht mehr beherrschen! Wir begreifen, dass wir uns getäuscht haben.

Die Welt ist und bleibt VUKA – volatil, unsicher, komplex und ambivalent. Mit dieser Einsicht geht eine alte Weltordnung zu Ende.

Durch den Begriff “Kränkung” ordnete ich das Buch zunächst in den Gesundheitsbereich. Denn, Gesundheit, ist ja ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen, wie die WHO diesen Begriff definiert. Und so habe ich das Buch auch gesehen: Als Inspirationsgeber mit Lösungsansätzen. Was wir tun können, wie wir mitverändern können und vor allem, wie wir uns in einer chaotischen Welt wohlfühlen.

Das Buch startet mit einer Grundanalyse, was denn derzeit in der Welt los ist. Es wird beobachtet und analysiert. Und es liest sich ganz stark nach Aufbruchsstimmung. Ein Aufbruch in Richtung Veränderung und Neuordnung. Oder besser gesagt, ein Aufbruch in Richtung Akzeptanz in Richtung Neuordnung. Also einige Schritte davor. Wirtschaft, Industrie, Gesellschaft und Politik werden gleichermaßen angesprochen um die Richtung der Veränderungen letztlich mit dem Begriff VUKA zu beschreiben.

Schon mehrfach haben sich die abendländischen Vorstellungen des Menschen ziemlich umgekrempelt:

Mit Nikolaus Kopernikus (1473-1543) mussten wir erkennen, dass sich die Erde um die Sonne dreht und wir nicht Mittelpunkt des Universums sind. Charles Darwin (1809-1882) wollte belegt haben, dass der Mensch aus der Tierreihe hervorgegangen sei. Sigmund Freud (1856-1939) behauptete, dass wir “nicht Herr im eigenen Haus sind” und sprach von der “dritten Beleidigung des menschlichen Narzissmus”.

Nun wären wir wieder einmal so weit und die Zeit für eine nächste “Enttäuschung”. Und auch dieser ist es ein Hieb auf unseren menschlichen Narzissmus. Jetzt kommt es darauf an, wie die Weichen für die Zukunft zu stellen sind.

Das Buch ist, so die Autoren, ein Pläydoyer dafür, den eigenen Fokus zu verändern: Weg von “Vorhersagen, Planen und Kontrollieren” hin zu “Wahrnehmen, Begreifen und gemeinsames Tun”.

Es liest sich schön: Die verrückte Welt als Normalzustand. VUKA ist nach den Autoren der richtige Begriff dafür. Nämlich volatil, unsicher, komplex und ambivalent. Die alten Ordnung ist vielerorts zusammengebrochen, die neue Ordnung meist noch zu sprunghaft, teils noch nicht richtig greifbar. Die Menschen begreifen, dass sich die Welt nicht als die lineare Fortbeschreibung des Altbekannten entwickelt.

Denn, die Welt ist, wie wir sie konstruieren.

Es gilt, eine andere Sicht auf die Welt zu legen um gut durchs Chaos zu steuern. Mit vielen sehr guten systemischen Ansätzen gelingt es dem Autoren-Duo, dass der Motivations-Funke zur Mitveränderung und -gestaltung überspringt.

Schön zu lesen, dass Steve de Shazer mit seinen Ideen zu einer Lösungsorientierung zitiert wird. Und diese Lösungsorientiertheit braucht es. Vorallem auch in der Politik.

dieviertekraenkung

Guwak, Barbara; Strolz, Matthias
Die vierte Kränkung
Wie wir uns in einer chaotischen Welt zurechtfinden

245 Seiten

Goldegg-Verlag
ISBN 978-3-902729-98-9
Euro 24,22 (Gebundene Ausgabe bei Amazon))
Euro 9,99 (Kindle Edition bei Amazon))

The following two tabs change content below.
Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.
  • Der Mensch und das Geld

    Wer das menschliche Zusammenleben verstehen will, muss zuerst das Geld verstehen:

    Geldtheorie

    Weil am Anfang der Geldwirtschaft noch niemand wusste, wie die Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus befreit werden kann, musste die halbwegs zivilisierte Menschheit durch eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten „wahnsinnig genug“ für die Benutzung von Zinsgeld (Edelmetallgeld ist immer Zinsgeld) gemacht werden, damit das, was wir heute „moderne Zivilisation“ nennen, überhaupt entstehen konnte. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult um die Heilige Schrift) mutierte und uns alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen – und die darum bis heute unfähig geblieben sind, die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, zu verstehen. Die Bewusstwerdung der Programmierung nennt sich „Auferstehung“:

    Die Rückkehr ins Paradies

  • Pingback: Warum wir Politikern nicht trauen… und was sie tun müss(t)en, damit sich das ändert von Matthias Strolz (NEOS) • Politik- und Wahljournal. Seit 2008. • neuwal.com()