Wer dachte, die Volksbefragung über Wehrpflicht oder Berufsheer könnte an Skurrilität nicht mehr gewinnen, hat sich gewaltig getäuscht. Man muss sich schon ganz fest zwicken, um sicherzustellen, dass man diese Geschichte nicht träumt. Ein Kommentar von Stefan Egger.

130120_Neuwal_Kommentar-Volksbefragung

Nachdem ein dahinbröckelnder roter Bürgermeister auf der verzweifelten Suche nach einem Wahlkampfthema die Volksabstimmung über ein Berufsheer fordert, wittert sein kongenialer Konkurrent im Nachbar-Bundesland seine Chance.

Um die Kuh zum Fliegen zu bringen, müssen beide nun ihre Parteien um 180 Grad drehen. Fließt die „in Stein gemeißelte“ Wehrpflicht bis 2012 im roten Blut der Putsch-traumatisierten Sozialdemokraten, entflammt plötzlich eine Liebe für Söldner.

Die Volkspartei hingegen will von ihrem jahrzehntelang gehegten feuchten Bubentraum des Berufsheeres plötzlich nichts mehr wissen und entdeckt die gedemütigten und verschmähten Zivildiener als unabkömmliche Helden der Nation.

Die Bevölkerung bekommt zu guter Letzt von einem Zivildiener, der den Verteidigungsminister spielt, eine Kampagne für die Abschaffung jener Einrichtung serviert, die das Propagandamaterial im eigenen Haus produzieren muss.

Beim lang ersehnten Schritt an die Urnen stimmt sodann eine breite Mehrheit nun für die Beibehaltung der Wehrpflicht – um den Zivildienst zu retten, wie viele Befragte unumwunden zugeben. Das verkorkste Ergebnis passt perfekt zur Geschichte dieser Volksbefragung.

Sozialdemokraten und Volkspartei versprechen nun, mit denselben handelnden Personen, die sich erst nach Monaten auf zwei Fragen am Wahlzettel einigen konnten und sich weit unterhalb der Gürtellinie begegnen, das bestehende Heer „über den Sommer“ zu reformieren.

Der Vorhang senkt sich, zum Glück war alles nur eine Maschek-Vorstellung. Oder nicht? Wer kennt schon noch den Unterschied…