Wir haben uns in Wien umgehört – und sind auf gut informierte, kritische Bürger gestoßen. Die Möglichkeit zur Beeinflussung der politischen Entscheidungen wird überwiegend positiv gesehen, an den zwei Alternativen sowie dem parteipolitischen Hickhack gab es Kritik.

Was seit kurzem amtlich ist, zeigte sich auch bei der stichprobenartigen Befragung: In Wien waren die Wehrpflicht-Anhänger in der Minderheit. Die Gründe dafür sind recht vielfältig: „Weil ich glaube, dass es von Profis besser gemacht wird“, meinte eine Befragte. „Sie werden nicht verpflichtet, eine bessere Ausbildung und keinen Leerlauf“, fand eine andere.

Direkte Demokratie kommt gut an
Das Instrument der Volksbefragung kam sehr gut an: „Finde ich eine gute Geschichte – sollte öfter eingesetzt werden!“, meinte ein Mann. Ein junges Pärchen sah die Chance auf mehr Nähe zum Volkswillen: „Ich finde das gut, weil viele Politiker in Österreich nicht das entscheiden, was wir wollen“. Gerne wieder, meinten einige Befragte: „Es sollte öfter abgestimmt werden, absolut. Man könnte durchaus andere Fragen auch über dieses Instrument versuchen anzugehen.“ Ein Schüler schätzt die Möglichkeit: „Wir leben in einer Demokratie und jeder sollte seine Meinung zum Ausdruck bringen können.“

Manche erwarten mehr von Politikern
Nur wenige rechnen es den Politikern als Entscheidungsschwäche an, das Thema nicht unter sich ausverhandelt zu haben:“Ich hätte es lieber gehabt, dass die Parteien sich einigen“. Eine Dame wurde noch deutlicher: „Die Politiker sind lange genug dran gewesen, jetzt hätte man längst etwas tun können, dass eine Lösung herbeigeführt wird. Ich sehe überhaupt nicht ein, warum man die Leute alibimäßig zu einer Abstimmung holt. Bürgerbeteiligung würde auf jeden Fall Sinn machen, aber nicht so. Keiner, der da hingeht, weiß eigentlich, worum es geht, außer dass die Politiker zu feig waren, selber zu entscheiden.“

Betten machen, Disziplin lernen
Argumente für die Beibehaltung gab es auch, manchmal mit lustigen Begründungen: „Ein gekauftes Heer würde viel mehr kosten. Ich habe gehört, die Gemeinde Wien gibt jeden Tag eine halbe Million aus, nur um die Schneeräumung sicherzustellen“ oder „Viele Einzelkinder haben noch nie ein Bett gemacht, weil sie im Hotel Mama wohnen. Die lernen da Disziplin!“ – übrigens eine Meinung, der sich auch ein junger Schüler anschloss. „Ich habe eine wertvolle Zeit dort erlebt, finde eine Volksbefragung demokratiepolitisch gut. Solange wir die Verfassung so haben, ist das für mich kein Thema – ich bin für die Beibehaltung des Systems, wie es ist – allerdings mit Reformen,“ teilte uns ein Reserve-Offizier mit.

Öfter geäußerte Kritik an Fragestellung
„Die Fragen waren nicht ideal, für mich geht es eher darum, Berufsheer oder nicht Berufsheer – das wird aber gekoppelt an das Freiwillige Soziale Jahr“, hörten wir einige Male. „Es ist die Fragestellung so unklar, dass wir als Laien Mühe haben. Meiner Meinung nach hätte man die Fragen erweitern müssen, wie das Heer verändert wird, wenn es bleibt.“ Hingehen war vielen trotzdem wichtig: „Mir wäre ein Berufsheer mit Zivildienst lieber. Am wichtigsten ist, hinzugehen und seine Meinung kundzutun“.

„Das war ein Scherz vom Bürgermeister Häupl“
Den parteipolitischen Hintergrund haben viele durchschaut: „Das war natürlich eine politische Geschichte vor der Wahl. Trotzdem ist es gut, wenn langsam etwas in Bewegung kommt. Ein Reformbedarf ist da. Ein freiwilliges Soziales Jahr und ein Berufsheer sind eine sinnvolle Sache.“ Eine Dame trifft den Nagel auf den Kopf: „Meiner Meinung nach kommt eh nichts raus bei der Sache, weil die Gesetzeslage so ist, dass gar nix verändert werden kann – weil die notwendigen Zweidrittelmehrheiten nicht zustande kommen. Das war nur ein Scherz vom Bürgermeister Häupl!“