Im Anschluss an die feierliche Matinee zum 20 jährigen Bestehen von SOS Mitmensch im Wiener Volkstheater fand heute eine Solidaritätsdemonstration mit den seit über einem Monat in der Votivkirche hungerstreikenden Flüchtlinge statt.

An der Demonstration beteiligten sich etwa 500 Menschen. Die Route führte vom Volkstheater über die Ringstraße zur Votivkirche. Es folgte eine Zwischenkundgebung mit zahlreichen Redebeiträge. Auch die Hungerstreikenden, die hinter dem Verschlossenen Kirchentor standen, kamen zu Wort. Im Anschluss ging es über die Alserstraße zum Polizeianhaltezentrum am Hernalser Gürtel. Dort befinden sich noch immer Flüchtlinge, die am Samstag vor einer Woche bei einem Plenum unweit der Votivkirche festgenommen wurden. Einer der Flüchtlinge konnte durch ein offenes Fenster im 4. Stock mit den Demonstrierenden Sichtkontakt herstellen. Die Schlusskundgebung am Hernalser Gürtel endete gegen 17 Uhr.

Eine neuwal Fotostrecke: 

Unklar bleibt die Frage der Bewegungsfreiheit der in der Votivkirche protestierenden Flüchtlinge. Die Kirche ist nach wie vor nur zu den Gottesdiensten geöffnet. Ein Wachdienst öffnet die Tür nur einer beschränkten Anzahl von Besucherinnen. Journalistinnen gelangen mit gültigem Presseausweis jederzeit in das Innere der Kirche.

Teile der Unterstützerinnen werfen der Caritas vor, die Flüchtlinge in der Kirche gefangen zu halten. „Open the door!“ wurde bei der Zwischenkundgebung bei der Votivkirche skandiert.(Dazu Dr. Di-Tutu Bukasa: „Vom Kirchenasyl zum Kirchenasylknast“)

Die Hungerstreikenden betonen aber, dass diese Maßnahmen auf ihren eigenen Wunsch getroffen wurden. (siehe VIDEO ab min. 4:20) Es sei nicht klar wer für die Räumung des Flüchtlingscamps im Park die Verantwortung trägt. Die Flüchtlinge in der Kirche hätten Angst. Deshalb seien die Türen verschlossen. Sie stünden zwar in der Kirche, aber trotzdem Seite an Seite mit den Unterstützerinnen draußen.

Erst letzte Woche wurde bekannt, dass Beamte des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Zivil Einlass in die Kirche forderten und die Hungerstreikenden beobachteten. Nach scharfer Kritik der Caritas gab das LVT bekannt ihre Visiten in der Kirche einzustellen. (derStandard.at)

Bei der SOS Mitmensch Matinee gewannen die Flüchtlinge in der Votivkirche den Spezialpreis des Ute Bock Preises für Zivilcourage. Den mit 3000 Euro dotierten Preis gaben sie allerdings an die Caritas weiter. Sie wollen damit Menschen in Not in Österreich helfen. Es gehe ihnen nicht um Geld sondern um Menschenrechte.

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weitere FOTOS:
**Man kann ja auch JA sagen!** Solidaritætszug mit den Refugee Pr… (Daniel Hrncir)
SOS-Mitmensch Matinee & Ute Bock – Preisverleihung| Wien 20.01.2013 (Martin Juen) 

 

 

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Daniel Weber, geboren 1980 im weststeirischen Voitsberg, lebt seit 2001 in Wien. Der Behindertenbetreuer studiert Bildungswissenschaften und ist bei neuwal verantwortlich für das Ressort Protest-Aktion-Demonstration.