Das für vergangenen Samstag geplante Weihnachtskonzert der Band „Die hinichen“ im Wiener Gasometer wurde vom Veranstalter auf Druck des Kultursprechers der Wiener Grünen, Gemeinderat Klaus Werner-Lobo, kurzfristig abgesagt. Ein Sturm der Entrüstung von facebook bis twitter setzte ein.  Ein Kommentar von Daniel Weber:

Total hinich…

In meinem Bekanntenkreis scheint die ja niemand zu kennen. Ich habe bis heute auch noch nichts von denen gehört und als ich die Statusmeldung, die Begründung von Klaus Werner-Lobo, auf Facebook las; selbstverständlich, ohne zu zögern klickte ich auf „Like“ Nein, ich habe mich nicht genauer mit den Texten einer Wiener Band beschäftigt, deren Auftritt am vergangenen Samstag abgesagt wurde. Laut Werner-Lobo verstoßen besagte Texte deutlich gegen die Förderkriterien der Stadt Wien. Ich habe mit meinem zustimmenden „Like“ signalisiert, dass ich es richtig finde, dass die Mittel der Stadt Wien nicht für Auftritte einer Band verwendet werden, in deren Texten (@olobo zitierte) neben allerlei sexistischem Schweinskram auch offen Gewalt, im speziellen an Frauen, gut geheißen wird.

Metternich, Auftrittsverbote und die Wiener Grünen

Man kann es mir durchaus vorwerfen, mich wenig bis gar nicht mit der Band und ihren Texten beschäftigt zu haben. Um Inhaltliches geht es aber der aufgebrachten Twitteria, die meine Timeline mit einer Welle der Empörung durchdrang, als hätte der Geist des Fürsten Metternich die Wiener Grünen heimgesucht, ohnehin nicht. Zensur sei das. Von übelster Sorte. Gerade von den Grünen hätte man sich so etwas nicht erwartet. Was würde man nur sagen, wenn die FPÖ an Stelle der Grünen so ein „Auftrittsverbot“ durchsetzen würde? Die „Was wäre wenn“ Fragen. Immer gut zu gebrauchen, um „Gutmenschen“ den Bigotterie- Spiegel vors Gesicht zu halten. Und natürlich: Planet Music auf einen möglichen Verlust der Fördermittel hinzuweisen, sollten sie den Auftritt der „ordinärsten Band der Welt“ nicht aus dem Programm nehmen, könnte durchaus als Drohung verstanden werden. Robert Misik hat vollkommen recht, wenn er sich auf die „Aufgabenteilung“ beruft, und die Möglichkeit einem Veranstalter, so er Richtlinien nicht erfüllt, den nächsten Antrag auf Förderung negativ zu bewerten.

Planet-Programmierung schon 2008 im Fokus der Kritik

Eine weitere „was darf-, was ist-, gute/schlechte Kunst und wer entscheidet darüber“ Diskussion wäre uns dann wohl erspart geblieben. Und im Gasometer hätte Mann sich zu „Die Fotzen – ja, die ghörn verdroschen, zuerst aufs Aug und dann in d’ Goschen“ amüsiert. Vielleicht hätte es Proteste gegeben. Vielleicht wäre der Stadt Wien die Förderung einer solchen Veranstaltung vorgeworfen- und Klaus Werner-Lobo vorgehalten worden, er würde gewaltverherrlichenden, sexistischen Schwachsinn mit öffentlichen Mitteln finanzieren. Wahrscheinlich aber wäre , wie so oft, gar nichts passiert.  Eines ist die Kritik an Planet Music und ihrer Programmierung jedenfalls nicht: neu. Wie Corinna Milborn in ihrem Blog schreibt, hat der Veranstalter schon 2008, nach Protesten, ein Konzert der Gruppe abgesagt. Bedingung für den weiteren Erhalt von Subventionen war, so Milborn, keine sexistischen oder rassistischen Acts mehr in das Programm aufzunehmen. Auch damals gab es einen Zensur-Aufschrei und eine Diskussion über die Frage was darf Kunst. Lesenswert dazu ein Kommentar von Elfriede Hammerl im profil.

Schlagen. Auspeitschen. Niederbrennen.

Kann es freie Meinung sein, Gewalt als legitimes Mittel gut zu heißen? Kann die Aufforderung, jemanden zu schlagen und auszupeitschen, Satire sein? Lustig gemeint? Kann der Aufruf, ein Frauenhaus niederzubrennen, einen künstlerischen Wert haben? Würde man sich über die Absage eines Skinhead-Konzerts genau so empören? Oder dessen Subventionierung mit öffentlichen Geldern fordern?  Schlagen. Auspeitschen. Niederbrennen. Ich kenne die Band nicht. Muss auch nicht sein.

FOTO: (C) Daniel Weber

 

 LINKS:
Karl Schönswetter, Karlender: Noch ein Argument
Lou Hefner, heloukon: Sich grün und schwarz ärgern…
Klaus Werner-Lobo: Über Freiheit, Kunst und Zensur
Corinna Milborn: An die Verteidiger der Hinichen: Was wäre, wenn da statt „Fotzen“ „N“ stünde?
Robert Misik: Warum es besser gewesen wäre, die „Hinichen“ auftreten zu lassen…
@porrporr, No Borders..: hinich, hinicher.. die Hinichen!

 

 
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Daniel Weber, geboren 1980 im weststeirischen Voitsberg, lebt seit 2001 in Wien. Der Behindertenbetreuer studiert Bildungswissenschaften und ist bei neuwal verantwortlich für das Ressort Protest-Aktion-Demonstration.
  • Randal Macha

    Mann kann zu den Texten der Hinichen stehen wie man will. Einige ihrer Lieder sind echt nicht schlecht aber es stimmt, es ist sehr viel mieser Schwachsinn dabei.

    Für mich ist aber eher die Frage warum überhaupt etwas mit öffentlichen Geldern gefördert werden muss. Weg mit allen Förderungen und dann wird sich schon zeigen was einen Markt findet und was nicht.

    Ich finde die Nitsch Bilder mindestens genauso geschmacklos und so manche sogenannte Kultursendung fällt bei mir unter Müll. Aber andere sind anderer Meinung. Das muss eine liberale und freiheitliche Gesellschaft schon aushalten.

  • Pingback: Karlender — Noch ein Argument()

  • „Kann es freie Meinung sein, Gewalt als legitimes Mittel gut zu heißen?“

    Scheint so. Zumindest haben Kleingeister wie John Locke oder Immanuel Kant Gewalt gegen Diktatoren für moralisch absolut zulässig gehalten.

    Auch die Gesetzbücher sind voll davon, die nennen das dann „Notwehr“. Von den vielen Revolutionstheoretikern reden wir mal nicht.

    Aber eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, keine rhetorischen Fragen mehr zu beantworten.

  • Willy Wintzig

    möchte da bitte auf ein Missverständnis hinweisen: die Hinichen sponsern mit ihrem Konzert den Veranstalter, weil das einer der wenigen Abende ist, wo Gewinn gemacht wird

    Hr. Lobo hat in die Programmierung des Gasometer durch Nötigung und Machtmissbrauch eingegriffen, und das ist zu verurteilen