"Graz anders denken" und "Die neue Politik"

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Die großen Verliererinnen der Grazer Gemeinderatswahl sind ÖVP und SPÖ. Der Wahlkampf beider Parteien war von besonderer Inhaltsleere dominiert. Besteht hier vielleicht ein Zusammenhang?

„Graz anders denken“ ist nicht nur ein Slogan der überhaupt nichts aussagt, er ist auch ausgesprochen merkwürdig wenn er von einem seit 10 Jahren regierenden Bürgermeister kommt. Aber ok, vielleicht will Siegfried Nagl ja etwas anders machen. Aber was das sein könnte, hat er sehr gut versteckt.
"Graz anders denken" und "Die neue Politik"
Auf den minimalistischen Plakaten mit ihm in den verschiedensten (und absurdesten) Posen findet sich meist nicht einmal andeutungsweise etwas das Inhalt oder Ideologie ähnelt. Das hat die ÖVP mit der SPÖ gemein. Auf den großen pinken Plakaten findet man das Gesicht von Martina Schröck und gähnende Inhaltsleere. Und erst war der Slogan „Mehr für Graz“ präsent, dann „Die neue Politik“. Wie sinnvoll es ist mitten im Wahlkampf den nichtssagenden Slogan zu wechseln, ist eine andere Frage.

Aber halt – „die neue Politik“ – das kommt mir bekannt vor. Richtig. Das war schon ein Slogan von niemand anderem als Bundeskanzler Werner Faymann als er 2008 als „neue Wahl“ als Nachfolger von Alfred Gusenbauer die SPÖ in die vorgezogenen Nationalratswahlen führte. Einen Slogan der Marke Faymann/Rudas zu verwenden, war vielleicht nicht das beste Omen, auch wenn die SPÖ 2008 weniger verloren hat als die ÖVP (so wie es auch jetzt in Graz war).

Die Wahlsieger – KPÖ, FPÖ und Piraten – führten einen wesentlich konkreteren Wahlkampf. Die FPÖ natürlich mit ihrem ewigen Thema „Islam“. Die KPÖ mit ihrem einzigen Thema „sozial gerechte Wohnpolitik“. Und die Piraten mit ihren Geburtsthemen Transparenz und „wir sind die neuen, die anderen“.

Dieser Gegenüberstellung liegt natürlich keine fundierte Wahlmotivforschung zugrunde. Aber auffällig ist es schon. Vielleicht funktionieren, bei aller Personalisierung der Wahlkämpfe, bei aller Reduzierung von Politik auf Show, Inhalte schlicht und einfach noch immer besser als Wohlfühlslogans. Was meint ihr?

Bilder: SPÖ/ÖVP Bearbeitung: neuwal

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.
  • Richtig, beide Wahlkämpfe waren von Inhaltsleere geprägt. Die SPÖ fiel ohnehin nur dadurch auf, dass sie alte Slogans recycelte. Denn nicht nur „Die neue Politik“ war von Nationalratswahlkampf geklaut, selbst der 1. Slogan war nicht neu. Immerhin hat die SPÖ Graz im Jahr 2008 den Slogan „Graz braucht mehr“ verwendet … dieses Mal lautete die Botschaft eben „Mehr für Graz“.

    Allerdings glaube ich, dass die Grundlage für das Wahlergebnis doch eher im Verhalten des Bürgermeisters im aktuellen Kalenderjahr liegt. http://wp.me/p2LXrQ-T