Die FPÖ steht rechts der Mitte. Wie weit rechts, bekommt man immer mal wieder durch so manche Affäre mit. Erschreckend wird das Ganze aber wohl erst, wenn man die geballte Ladung vorgesetzt bekommt, so wie in Hans-Henning Scharsachs Buch „Strache im braunen Sumpf“.

Hans-Henning Scharsach (*1943) war jahrelanger Leiter des Auslandsressorts von Kurier und News und ist nunmehr Publizist und Autor politischer Sachbücher. Seine bisherigen Veröffentlichungen habe allesamt mit der Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Neonnazismus (bzw. Nationalsozialismus) zu tun. Bisher veröffentlichte er: „Haiders Kampf“, „Haiders Clan – Wie Gewalt entsteht“, „Haider – Schatten über Europa“, „Haider – Österreich und die rechte Versuchung“, „Rückwärts nach Rechts: Europas Populisten“ sowie „Die Ärzte der Nazis“. Von FPÖ-Seite wird er übrigens als „FPÖ-Hasser der ersten Stunde“ (Zitat unzensuriert.at) bezeichnet.

Strache hat die FPÖ dieser deutschnationalen, in großen Teilen rechtsextremen und partiell neonazistischen politischen Subkultur ausgeliefert, die nicht einmal ein halbes Promille der Österreichischen Bevölkerung repräsentiert.

Wir kennen so vieles, haben oftmals schon darüber geschrieben: die antisemitische Karikatur, die „neuen Juden„, die Comics. All das hat zu Aufregung geführt, die Medien haben nicht nur in Österreich darüber berichtet und doch versuchte die Parteispitze der Freiheitlichen stets zu betonen, dass all das ja falsch verstanden wurde, alles eh nicht so schlimm sei und eher die Justiz, die „Gutmenschen“ und wie sie auch immer heißen mögen, an allem Schuld seien. Dass dem nicht so ist, wissen jedoch die meisten. Hans-Henning Scharsach, Autor von vier Büchern über Jörg Haider, hat nun ein Buch über Strache geschrieben. Oder viel mehr: Über die FPÖ, über Burschenschaften und die offenen Verbindungen zu neonazistischen Gruppierungen, rechtsextremem Gedankengut und bekannten Wiederbetätigern. Und im Nachhinein, nach Haiders Tod und Straches Aufstieg, sieht er die FPÖ unter Haider weit weniger schlimm als jene unter dem aktuellen Parteivorsitzenden. Haider kam zwar durch Burschenschaften an die Spitze, setzte dann aber auf Quereinsteiger, auf seine „Buberlpartie“. Strache hingegen hat Burschenschafter (die bei ihren Aufnahmen noch heute auf einen „Arierparagraphen“ Bezug nehmen) in alle möglichen Ämter gehoben. Martin Graf (Burschenschaft Olympia) ist als dritter Nationalratspräsident ganz oben angelangt.

Scharsach hat umfangreiche Recherche betrieben und sich durch unzählige Bücher, Medien, Videos usw. gekämpft. Ganze 1.179 Quellen findet man im abschließenden Verzeichnis. Die Vorwürfe der FPÖ, der „FPÖ-Hasser“ behaupte nur Blödsinn, kann man somit schnell vom Tisch wischen. Er hat hier ein Buch geschaffen, dass auf 312 Seiten eine Sammlung aus Fakten über den „braunen Sumpf“ der FPÖ bereitstellt. Und er erklärt auch, wie so mancher FP-Plakatspruch mitunter jenen der NSDAP ähnlich ist, nur mit dem Unterschied, dass es diesmal nicht „die Juden“ trifft, sondern neuerdings „die Ausländer“. Doch die FPÖ arbeitet gut, sie weiß, wie sie mit den Leuten umgehen muss. Sie hat eine Ahnung, wie man Menschen mobiliseren kann:

Es beginnt mit der Bildung einer „Wir-Gruppe“, in der Vorurteile gegen „Fremd-Gruppen“ aufgebaut werden. In der Wir-Gruppe vereinigen sich alle guten Eigenschaften. Es sind die „Anständigen und Fleißigen“, die „ehrlichen Steuerzahler“, die „echten Österreicher“. Der Fremdgruppe wird alles Böse zugeschrieben, das Angst bei den „Guten“ wecken soll.

Das haben sie geschafft. Der Hass gegen die „Fremd-Gruppen“ wird Presseaussendung für Presseaussendung, Parteirede für Parteirede und Facebookposting für Facebookposting weiter geschürt. Scharsach zählt auf, dass Rechtsextremisten wie Küssel, Radl oder Rosenkranz (Mann von Barbara Rosenkranz) immer noch von Burschenschaftern hofiert werden, wie sich freiheitliche Medien“ wie zur Zeit, Aula oder Eckart für verurteilte Wiederbetätiger einsetzt, wie häufig der Holocaust geleugnet oder verharmlost wird und wie perfektioniert die Täter-Opfer-Umkehr bereits funktioniert. Der Autor wagt eine These, die man vielleicht einfach mal so stehen lassen kann:

Fuchs und Breivik dürfen sich damit rechtfertigen, nur ausgeführt zu haben, was Politiker demokratisch gewählter Parteien in ihren Reden immer wieder forderten. Sie haben sich dafür eingesetzt, dass „unsere Vorfahren nicht umsonst gekämpft haben“, sie haben „den Kampf angezogen“, haben „Rache geübt“ – ganz so, wie Politiker des rechten Randes ihnen das nahegelegt haben.

Häufig berufen sie sich darauf, im Rahmen einer demokratisch gewählten Partei beinahe so etwas wie Narrenfreiheit zu haben. Die Justiz stellt häufig Verfahren ein, die Polizei greift oftmals nicht ein. Rechtsradikale Ausschreitungen sind immer noch viel, viel schlimmer als die vom Innenministerium hochdramatisierten „linksextremen Übergriffen“ oder der „Terror“. Letzterer passierte in Österreich gar nicht, Gewaltbereite Linksextreme kann man zwar nicht verleugnen, nehmen jedoch (glücklicherweise) nur einen sehr geringen Teil der Gesellschaft ein, Rechtsextreme hingegen fallen so oft auf, dass einem schlecht werden sollte. Die beschriebenen Ereignisse, innerhalb weniger Monate, rasch zusammengefasst, sind an Brutalität und Menschenunwürdigkeit kaum zu übertreffen und lassen viele Neonazis (welche mitunter bei Vorfeldorganisationen oder der FPÖ selbst tätig sind) wie Brutalos im Blutrausch erscheinen.

Hier ein Video des Wiener SPÖ-Rathausklubs zum Buch und zum Thema:

Und hier ein Video von ichmachpolitik.at zur Buchrezension

Die „Saubermann-Partei“ hat Flecken: riesig große braune Flecken. Und das kann selbst ein Strache, ein Vilimsky, ein Kickl nicht mehr bestreiten. Scharsach stützt seine Recherche auf unzählige Quellen, zitiert bei braunen Auswüchsen der freiheitlichen Medien direkt aus ebendiesen, hat Facebook durchforstet. Auch wenn man bisher schon wusste, dass die Freiheitliche Partei Österreichs oftmals aneckt, Grenzen (des guten Geschmacks und der Gesetze) überschreitet, diese geballte Ladung war jedoch bitter nötig um einmal mehr zu erkennen, dass eine Koalition mit dieser Partei für eine „normale“ Partei nicht möglich sein dürfte. Und dass man alles daran setzen muss, Strache den Posten des Bundeskanzlers zu verwehren. Denn nicht wenige der beschriebenen Personen halten von jener Demokratie, in der wir leben, reichlich wenig.

Hans-Henning Scharsach
Strache
Im braunen Sumpf

312 Seiten

Kremayr&Scheriau
ISBN 987-3-218-0844-0
Preis 24 Euro

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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