Claudia Schmied hat es schon grundsätzlich nicht leicht und macht noch dazu so vieles falsch. Ein Kommentar von Dominik Leitner

Sie hat ehrgeizige Projekte: ob nun die Gesamtschule (oder der daraus resultierende missglückte Schulversuch „Neue Mittelschule“), die Ganztagsschule oder die Zentralmatura. Ihre Gegner: beinahe die gesamte ÖVP sowie die ihr mehr als nahestehende Lehrergewerkschaft. Und des Öfteren auch schon der fehlende Rückhalt in der eigenen Partei. Schon allein deshalb sollte man ihr trotz allem zugute halten, dass sie bis heute ihren Reformwillen zeigt, was unter Langzeitministerin Elisabeth Gehrer ja irgendwann zu Resignation und Stillstand führte. Nur: Als Unterrichtsministerin darf man natürlich auch ungemütliche Forderungen aufstellen, die Umsetzung hingegen gelingt nur, wenn alles durchdacht und der Zuspruch vieler vorhanden ist. Das ist ihr bislang bei keinem der Projekte gelungen.

Die Gesamtschule ist notwendig, wichtig und sollte in Wahrheit nur mehr eine Frage der Zeit sein. Das Projekt „Neue Mittelschule“ hingegen hat nicht mit den getrennten Unterstufen aufgehört, sondern ganz einfach eine dritte Unterstufe ermöglicht. Die Guten kommen ins Gymnasium, die Schlechten in die Hauptschule, und jene, deren Potential bis heute noch nicht ausgeschöpft wurde, eben in die Neue Mittelschule. Ein Geniestreich? Von wegen. Das müsste endlich auch die ÖVP einsehen, die so beinhart an der Unterstufe des Gymnasiums festhält.

Die Zentralmatura macht den Abschluss einer höheren Schule vergleichbar, lässt bisherige offensichtliche Unterschiede hinter sich. Also grundsätzlich auch keine blöde Idee. Dumm nur, dass sie mit aller Gewalt eingeführt wird, gegen den Widerstand der Lehrer, Eltern und Schüler. Der aus dem Unfrieden entstandene Aufschub war deshalb notwendig, nicht mehr abwendbar und stellt die Sinnhaftigkeit der ganzen Idee mal wieder zur Debatte. Zentralmatura soll natürlich kommen, nur ist es falsch, oben zu beginnen. Das ganze Schulsystem benötigt eine dringende Reformierung und wenn nur die Spitze des Eisberges (die Matura) verschlimmbessert wird, ohne die vorherigen Dinge abzuschließen, kann all das ja nichts werden.

Und nun die Ganztagsschule: in ihrer Idee großartig, in so manch bereits passierter Umsetzung gelungen, in ihrer nunmehrigen Forderung von Schmied jedoch dem Untergang geweiht. Lehrer? Egal, was sie denken. Die Eltern sollen entscheiden! Das kann nicht gut gehen. Denn Lehrer leisten einen so großen Teil für unser Bildungssystem, dass ein einfaches Ignorieren zu Widerstand führen wird, … nein, muss. Wenn man schon von allen Ecken Kritik und Häme einstecken muss, so möchten sie doch wenigstens in die Diskussion um notwendige Reformen eingebunden werden. Vielleicht wäre es dazu auch notwendig, die Status-Quo-Ritter der Gewerkschaft endlich einmal auszutauschen. Um eine notwendige Debatte wenigstens wieder einmal zu ermöglichen.

Claudia Schmied hat es nicht leicht. Das Amt der Unterrichtsministerin ist undankbar: vor allem wenn man vieles verändern will, von der SPÖ aufgestellt wurde und hinten und vorne Geld fehlt. Sie sollte aber nicht vergessen, dass ein von ihr gewünschter Systemwechsel auch von jenen getragen werden muss, die mit diesem System leben müssen. So schwer das vielleicht auch zu verstehen ist

Bildquelle: AttributionShare Alike Some rights reserved by knittymarie

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