Warum wir alle mit Schuld an Stronachs Erfolg sind und was wir dagegen tun können. Ein Kommentar von Martin Schmidler.

Stronach in der ZiB2

Ich muss diesen Beitrag mit einer kleinen Vorbemerkung beginnen. Ich war bis vor kurzem ziemlich aktiv auf Twitter, wie so viele Menschen mit Interesse an Politik und Medien. Ich verbrachte täglich mehrere Stunden mit dem Lesen von Tweets und vielen (oft sinnlosen) Diskussionen. Aber vor drei Wochen habe ich einfach aufgehört es zu nutzen, von einem Tag auf den anderen. Ein Grund dafür war sicher auch die Auswahl jener Leute, denen ich folgte: Innenpolitik hoch zehn. Bitte nehmt das nicht persönlich, aber es ist einfach nur zum, Entschuldigung, Kotzen. Und damit meine ich gar nicht so sehr die Machenschaften der Parteien, sondern einfach die Art und Weise, wie sich so viele, eigentlich intelligente und gebildete! Menschen so lange und mit solcher Energie nur über Kleinigkeiten echauffieren können. Anstatt einem Fluss von für mich relevanten Informationen sah ich nur noch aufgeblasenen Hickhack um mikroskopische Probleme. Und vor allem ein Thema dominiert (und tut es wahrscheinlich drei Wochen später noch): Frank Stronach.

Seien wir uns mal ehrlich: Jeder halbwegs gebildete Menschen mit einem Gespür für realistische Politik, die den Herausforderungen des Jahres 2012 gewachsen ist, ist von Stronach genervt. Darauf haben wir uns eigentlich schon lange (unbewusst) geeinigt. Und trotzdem geben wir ihm das wertvollste Gut in einer mediatisierten Gesellschaft: Aufmerksamkeit. Es ist ein bisschen so, wie Tom Schaffer völlig richtig über den US-Wahlkampf schreibt. Das Rennen zwischen Obama und Romney war tatsächlich nie so knapp, wie es von den Medien dargestellt wurde:

Bei diesen Verursachern – den großen Portalen, Zeitungen und Networks in den USA – muss man bis zu einem gewissen Grad von Kalkül ausgehen: Es geht da nicht um seriöse Information allein, sondern um die Quote, um die Auflage, um die Zugriffszahlen.

Dass über Stronach in den heimischen Medien, egal ob Boulevard oder Qualitätszeitung, seitenweise berichtet wird ist logisch. Ich will hier auch keineswegs andeuten, dass ich keine Berichterstattung für sinnvoller hielte (das wäre tatsächlich demokratiefeindlich). Aber womit wir wirklich aufhören könnten ist diese künstliche Aufregung (bei manchen vielleicht auch echt) und dieser unnötige Hype um eine Partei, der man selbst eigentlich ablehnend gegenübersteht. Vor allem, weil der Informationsgehalt der Negativ-Hype-Meldungen nach kurzer Zeit schon im Keller war.

Stronach wird primär gewählt, weil Leute gegen etwas sind und sie rechtfertigen dieses Dagegensein sich selbst gegenüber mit Wahrheit, Transparenz und Fairness. Genau so wie sich FPÖ-Wähler die Deportationen von Asylwerbern mit vermeintlicher „Heimatliebe“ rechtfertigen. Wie Dominik hier vor einigen Wochen geschrieben hat: Nie mehr verhindernd wählen. Dem kann ich (nicht immer, aber oft) etwas abgewinnen. Und ich füge dem hinzu: Geben wir dem „dafür“ auch in jenen Medien, die wir selbst befüllen (also Twitter, Facebook und Blogs) nicht zu viel Raum, wenn es inhaltlich einfach so banal ist, wie das „Team Stronach für Österreich“.

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Politikwissenschaftsstudent an der Universität Wien. Nachrichtenjunkie und Musiker.