Nach einigen Wochen und vielen Erlebnissen, welche die Politikverdrossenheit wieder steigen ließ, nun endlich die (nicht ganz neue) Erkenntnis: Statt uns stets über PolitikerInnen zu echauffieren sollten wir beginnen, an die Veränderung zu glauben. So schwer es auch fällt. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Ich interessiere mich für Politik seit ich zehn Jahre alt bin. Ich weiß nicht mehr, wann es damit losging und was in Wahrheit der Auslöser war. Vierzehn Jahre später ärgere ich mich immer noch, wenn Parteien wie SPÖ und ÖVP ihre Grundsätze verraten, wenn die FPÖ am rechten Rand anstreift oder sich gar überschreitet, wenn ein Milliardär sich seine Partei bastelt. Es gibt so viel, worüber man sich ärgern kann. Es gibt so vieles, was nicht passt und von der Politik auch nicht passend gemacht wird. Manchmal bin ich einfach nur ratlos: Wie soll es mit der Politik in Österreich weitergehen? Mit diesen Politikern in den ersten Reihen?

Und genau darin liegt das Problem: Wir halten an Vorhandenem fest. Neuen Parteien, werden sich nicht millionenschwer unterstützt, werden belächelt und erhalten nur sehr schwer jene Aufmerksamkeit, die sie sich eigentlich verdienen sollten. Granteln ist so österreichisch, dass ich mich mit nichts mehr identifizieren kann als mit diesem Wesenszug. Doch dann kam der amerikanische Wahlkampf, der mitunter dreckiger war, also so mancher Wahlkampf in unserem Land. Für die meisten Menschen in Europa war das aber nur nebensächlich: sie freuten sich für Obama, für seine zweite Amtszeit, und dass der Unmensch Romney nun Geschichte sei. Die Hoffnung auf „Change“, auf einen Wandel in der Politik, war auch noch vier Jahren Realität nicht verflogen. Und wie würde das in Österreich aussehen? Eine weitere rot-schwarze Koalition? Ein Schwarz-Blaue? Oder gar eine Blau-Schwarze? Niemand würde allen Ernstes ein Bild von Faymann und Spindelegger, sich umarmend, auf Facebook posten mit dem Bildtitel „Fünf weitere Jahre.“

Wir können die Parteienlandschaft nicht geschwind einfach so umkrempeln. Doch wir sollten an die Veränderung glauben, daran, dass eine andere Form von Politik möglich wäre. Wir sollten aufhören, verhindernd zu wählen, sollten uns klar machen: Wir müssen das nicht tun. Es gibt Potential, es gibt genügend Köpfe, die sich immer noch politisch engagieren wollen und neue Ideen haben. Ob auf Gemeinde-, Landes- oder Bundesebene. Wir sollten sie nicht belächeln. Sondern auch endlich mal wieder auf Change hoffen. Auf einen Wandel, auf neue Inputs. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Vielleicht die ganz große Ernüchterung, vielleicht aber auch endlich mal etwas weniger Verdrossenheit.

(Und ja, ich befürchte, schon im nächsten #wortschwall wird es wieder etwas geben, worüber ich mich aufregen könnte. Aber naja, wir werden sehen.)

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