Statt über Vergangenes schimpfen, lieber Zukünftiges wünschen. Weil da wenigstens eine klitzekleine Chance bleibt, dass es in Erfüllung geht. Auch in der Politik. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Einmal, als ich auf Facebook und Twitter nach einem Thema für diese Kolumne fragte, kamen viele Themen zum Vorschein, die auch in den Medien viel Platz erhalten haben. Nur einer wollte etwas Anderes: etwas Positives. Und das versuche ich in dieser Woche: ein Wunschzettel an Politik und Gesellschaft für Volksabstimmung, Wahlen und das Leben im kommenden Jahr.

Ich wünsche mir – und das sage ich nicht zum ersten Mal – wieder etwas mehr Ehrlichkeit in der Politik. Es ist nicht so, dass uns die Politik ununterbrochen belügt, viel eher geht sie so strategisch vor, nicht immer mit offenen Karten zu spielen. Ein Sinowatz’sches „Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert …“ ist mir Tausend Mal lieber (und wirkt hundert Mal menschlicher) als der typische Politikersprech von „Keine Sorge“ bis hin zu „Wir machen das schon.“ Die Politik braucht uns nicht zu schonen, wir vertragen die volle Wahrheit. Mit Halbwahrheiten und geschönten Zahlen volksabstimmt es sich so schwer.

Ich wünsche mir, dass die FPÖ bei den vier Wahlen im kommenden Jahr (Kärnten, Tirol, Niederösterreich und Österreich) nicht wieder neue Tiefpunkte setzen wird. Bisher hat sie es immer geschafft, mit argen Aussagen und verhetzenden Plakaten für Tage und Wochen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es wäre schön, wenn die Wahlkämpfe insgesamt nicht „dirty“ werden. Wenn der Glauben an die Politik schon sehr gesunken ist, überzeugt es wohl die wenigsten potentiellen Wähler, wenn man den Mitbewerber so richtig mit Dreck bewirft.

Ich wünsche mir ein Ende der Skandale. Politik 2012 hat ermüdet. Hat ernüchtert. Hat enttäuscht. Es gehört noch so vieles aufgearbeitet, und es wird wohl noch so vieles an die Oberfläche getrieben werden. Aber so wünsche ich mir einfach, dass von nun an zumindest keine neuen Skandale auftauchen. Es reicht. Wann hört man wieder einmal „Good News“ aus dem Parlament? Wann hört es auf, dass man sich im Ministerrat freundschaftlich gibt, und tags darauf in den Medien über den politischen Kontrahenten und Koalitionspartner herzieht? Liebe Politiker, vergesst die Medien.

Ich wünsche mir – es klingt so abgedroschen – Visionen. Mutige, mitunter auch utopische Visionen. Von Politikern, Parteien, NGOs, von uns allen. Was würde Österreich helfen? Wie könnte man sich wunderbar entwickeln? Wo liegen Probleme, und wie können wir sie in Angriff nehmen? Vielleicht brauchen wir dazu neue Parteien, die noch eher bereit sind, über den Tellerrand zu blicken. Vielleicht müssen die Parteispitzen auch nur mal auf die jungen Leute hören.

Ich wünsche mir so vieles für 2013. Vielleicht sollte ich mir einfach wünschen, die Politik nicht mehr so ernst zu nehmen.

Bildquelle: AttributionNoncommercialShare Alike Some rights reserved by Joe Dsilva

The following two tabs change content below.
freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

Neueste Artikel von Dominik Leitner (alle ansehen)