Ute Bock ist eine Legende. So verhasst wie geliebt, zeichnet sie vor allem eines aus: ihr unbändiger Kampf gegen Missstände. Eine 17jährige Schülerin hat sie interviewt; herausgekommen ist weniger eine Streitschrift als ein kurzer Einblick in Bocks Leben.

Ute Bock (* 27. Juni 1942 in Linz) ist eine österreichische Erzieherin und wurde bekannt durch ihren Einsatz für Asylwerber und Flüchtlinge, die sie mit dem in Wien beheimateten Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock mit Wohnraum, Kleidung, Kursen und der Vermittlung von juristischer und medizinischer Hilfe unterstützt.

Bei der Fekter stört mich das nicht so, dass sie ganz rechts steht nur: Sie ist so dumm. Und die Mikl-Leitner ist die Fekter zum Quadrat.

Sophie Wolf, 17 Jahre alt, hat ein Interview mit Frau Bock geführt, wie man später im Buch erfährt im Zuge eine Fachbereichsarbeit für die Matura. Ute Bock, 70 Jahre alt, gibt Antworten. Antworten, die sie zwar schon bei so manchen Veranstaltungen vorgetragen hat, deren Wirkung aber immer wieder erdrückend ist. Sie erzählt über ihren Werdegang, über ihre Ausbildung, ihr Beginn als Heimmutter und später Heimleiterin. Über den spürbaren Beginn der Immigration und dass Helfen in Wahrheit zu einem großen Teil auch purer Egoismus ist. Á la „Geht’s den Anderen gut, geht’s auch mir gut“ möchte sie im Gespräch aufzeigen, dass man durch Verbote für Zuwanderer Barrieren und Krisen erschafft, die einem das eigene Leben schwermachen.

Sie spricht auch über die österreichische Politik und ist hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Ernüchterung. Ihr unermüdlicher Einsatz, ihre – für ihr Alter – bemerkenswerte Power beeindrucken viele, nur die Politik macht es ihr immer schwerer. Frau Bock beschäftigt sich mit dem Wort „Wirtschaftsflüchtling“ … macht es wirklich einen Unterschied, ob ich mein Land verlasse, weil dort Krieg herrscht oder ob ich mein Land verlasse, weil ich im Heimatland meine Familie nicht mehr ernähren kann. Vieles, was sich schon in so manche Köpfe eingenistet hat, was „Common Sense“ geworden ist, sieht Bock anders und zeigt auf, welche Irrwege man bestreitet.

So blödelnd sag ich immer: Hauptsache, wir haben einen Schuldigen, wenn ein Schuldiger da ist, ist alles nur noch halb so schlimm. Ist doch so, und wir brauchen auch irgendwen. Wenn jemand jahrelang arbeitslos ist, keine Arbeit findet, dann ist es eben leichter, wenn in der Kronenzeitung steht, die Ausländer sind schuld, wie wenn einer sagen muss, ich bin leieder so deppert, ich find keine Arbeit.

Das Interview von Sophie Wolf mit Ute Bock ist kurzweilig. Es hätte wohl auch auf zwei Doppelseiten in einem Magazin abgedruckt werden können, doch man hat sich für die „Streitschrift“-Form entschieden. Kritische Fragen wurden ausgespart (ein Fan interviewt hier), wobei ich mir denke, dass gerade Bock wunderbar kontern hätte können. Das ist schade. Der größte Trost ist, dass der Reinerlös aus den 5 Euro für 37 Seiten (!) an den Verein Ute Bock geht. Wer tiefere Einblicke in Bocks Leben haben möchte, dem sei dieses Buch nahegelegt.

Sophie Wolf, Ute Bock
Helft euch!
Sophie Wolf im Gespräch mit Ute Bock – Eine Streitschrift

Metroverlag, Wien 2012
Taschenbuch, 37 Seiten
ISBN: 978-3-99300-103-2
Preis: EUR 5,00

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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