von
     

Die Europäische Union wurde soeben mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das ist schön, für dieses unglaubliche Friedensprojekt. Und zugleich frage ich mich, ob man hier nicht nur eine Utopie ausgezeichnet hat. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Die EU wird ausgezeichnet. Zwar wurde es nicht der Wirtschaftsnobelpreis, aber zumindest der Friedensnobelpreis bleibt dieses Mal auf dem europäischen Kontinent und zeichnet somit rund 502 Millionen Menschen aus, die sich als Mitglieder dieser Union verstehen. Wenn man sich die Geschichte dieses Kontinents vor Augen ruft, ist es wahrlich eine Meisterleistung, Länder zusammenrücken zu lassen, die sich vor Jahrzehnten noch bekriegt und bedroht haben. Auch wenn wohl die Wirtschaft der Hauptgrund für die Gründung der Gemeinschaft war, war der Frieden in Europa zumindest ein schönes Nebenprojekt.

Doch wenn man die vergangenen Wochen und Monate mitverfolgt hat, könnte man glauben, dass das „Friedensprojekt“ zu einer leeren Worthülse verkommen sei. Dass man sich zwar aktuell nicht bekriege, aber zumindest nicht ewig für Ruhe sorgen könne. Die Überlegungen von Politikern mancher Staaten, die EU zu zerreißen, schwache Länder aus der Gemeinschaft zu kicken, ihre Probleme zu ignorieren, lässt zwar nicht automatisch Krieg entstehen. Aber man kann wohl davon ausgehen, dass alleingelassene Länder in Krisenzeiten manch verrückten Menschen nachzulaufen beginnen und Hass, Bedrohung und Wut ins Irrationale abwandern. Österreich hat dies in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts selbst mitbekommen.

Die Friedensunion hat nicht nur so lange Sinn, solange es allen Ländern gut geht und jeder von jedem profitiert. Sie hat wohl erst dann einen Sinn, wenn es so manchen Ländern schlecht geht. Erst daran kann man erkennen, wie viel den Menschen der  (soziale) Frieden wert ist. Aber vielleicht ist die Entscheidung des Osloer Kommittees gerade deshalb so wichtig: um die Europäische Union, ähnlich Barack Obama, darauf aufmerksam zu machen, welch riesige Verantwortung auf ihr lastet.

Bildquelle: AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by Dominik Leitner.

 

The following two tabs change content below.
freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

Neueste Artikel von Dominik Leitner (alle ansehen)

  • Krieg oder Frieden

    „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

    Konfuzius

    Der Fehler „Europäische Währungsunion“ entstand aus dem Gedanken, „dass Staaten, die eine gemeinsame Währung haben, nie Krieg gegeneinander führen“. Dieser Gedanke war schon der zweite Fehler; der erste Fehler bestand darin, sich gar nicht bewusst gemacht zu haben, was eine Währung ist und woraus Kriege entstehen. Wäre man sich dessen bewusst gewesen, hätte man zuerst die nationalen „Währungen“ in echte Währungen (konstruktiv umlaufgesicherte Indexwährungen) umgewandelt, die nationalen Bodenrechtsordnungen korrigiert und den zollfreien Handel (Freihandel) zwischen den europäischen Staaten eingeführt. Der dauerhafte Frieden wäre dadurch bereits gesichert gewesen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/04/krieg-oder-frieden.html