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Wann haben Sie das letzte Mal aus tiefster Überzeugung für etwas gestimmt? Und wann war das letzte Mal, als Ihre Stimme rein der Verhinderung von Schlechterem diente? Eben. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Es brauchte Robert Stadlober, Schauspieler und Musiker, um mir die Augen zu öffnen. „Die Male, bei denen ich bis jetzt gewählt habe, habe ich in Österreich dazu tendiert, verhindernd zu wählen. Und in Deutschland habe ich für etwas gestimmt.“, meint er in einem der 2+1 Sommergespräche des STANDARDs.Und ich habe bemerkt, dass auch bei mir weniger die Überzeugung das Kreuzerl am Wahlzettel machte, sondern die Angst vor Schlimmerem. So á la „Ich weiß zwar nicht was ich will, aber ich weiß, was ich definitiv nicht will.“. Für mich war diese Erkenntnis mehr als ernüchternd. Was bedeutet das nur für Österreichs Parteienlandschaft, wenn 40% der Österreicher einen 80jährigen Mann ohne Programm in der Regierung haben möchten? Was heißt das für Spitzenpolitiker, wenn das Vertrauen in alle Parteivorsitzenden unter 0 ist?

Und als die Ernüchterung sich gefestigt hatte, habe ich weiter überlegt: der Nationalrat umfasst 183 Abgeordnete und ich könnte, wenn ich einen guten Tag erwische, maximal 20 aufzählen. Das heißt also, dass mir etwas mehr als 90 Prozent unserer Volksvertreter vollkommen unbekannt sind. Irgendetwas kann hier doch nicht stimmen, oder? Irgendetwas läuft hier doch richtig, richtig falsch.

Die einzige Lösung, um aus diesem Chaos herauszukommen, um etwas Neues zu schaffen und die Politik wieder interessanter zu machen, ist ein Persönlichkeitswahlrecht, die damit verbundene Abschaffung des Clubzwangs sowie Transparenz über Abstimmungsergebnisse. Warum das Ganze? Weil es einen Unterschied macht, ob ich eine Partei wähle, deren Grundsätze ich zwar teile, deren Ausführung ich aber aufgrund eines Mangels an integren Personen an der Spitze scheitert, oder ob ich eine Partei wähle, weil es drei Personen gibt, die mich überzeugt haben, denen ich vertrauen kann, dass sie in den fünf Jahren gut arbeiten und denen ich den Einzug in den Nationalrat wünsche. Und ganz ehrlich? Mit einer solchen Änderung würden wir wohl Abschied nehmen von Otto Pendl, Martin Bartenstein und vielleicht auch Josef Cap (und natürlich vielen, vielen mehr). Der Nationalrat würde nach jeder Wahl komplett neu zusammengewürfelt. Politik würde eine neue Dynamik bekommen, die es brauchen würde, um die Menschen wieder mehr zu begeistern, besser zu involvieren und … das ist das Wichtigste: für Politik zu interessieren.

Die Politiker müssten für ihre Abstimmungen gerade stehen, müssten Medien nutzen (wie Blogs, Social Media oder normale Websiten) um sich zu präsentieren und ihre Standpunkte zu erklären. Sie würden transparenter werden, ihre Entscheidungen nachvollziehbarer, und die Stimmen, die sie dann bekommen würden, wären um ein Vielfaches ehrlicher.

Doch in Wahrheit ist all das nur ein Hirngespinst. Die Parteien machen sich doch natürlich nicht selbst das Leben schwerer, als es eh schon ist. Dem Land würde es gut tun, dem Ansehen der Politik, dem Glauben an die Menschheit und dem Wahlverhalten. Und auch wenn sich so rasch nichts ändern wird, eines werde ich von nun an beachten: meine Stimme soll Substanz haben und nicht nur Anderes verhindern. Denn dann ist meistens das Eigene schon schlimm genug.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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  • Es gibt keine „politische Lösung“.

    Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand, und die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann:

    „Die Entwicklung vom Herdenmenschen, vom Teilmenschen zum selbständigen Vollmenschen, zum Individuum und Akraten, also zum Menschen, der jede Beherrschung durch andere ablehnt, setzt mit den ersten Anfängen der Arbeitsteilung ein. Sie wäre längst vollendete Tatsache, wenn diese Entwicklung nicht durch Mängel in unserem Bodenrecht und Geldwesen unterbrochen worden wäre – Mängel, die den Kapitalismus schufen, der zu seiner eigenen Verteidigung wieder den Staat ausbaute, wie er heute ist und ein Zwitterding darstellt zwischen Kommunismus und Freiwirtschaft. In diesem Entwicklungsstadium können wir nicht stecken bleiben; die Widersprüche, die den Zwitter zeugten, würden mit der Zeit auch unseren Untergang herbeiführen, wie sie bereits den Untergang der Staaten des Altertums herbeigeführt haben.“

    Silvio Gesell (Vorwort zur 4. Auflage der NWO)

    Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, müssen Machtstrukturen aufgebaut werden. Dazu bedarf es einer Programmierung des kollektiv Unbewussten (Religion = Rückbindung auf künstliche Archetypen), um die makroökonomischen Konstruktionsfehler und die daraus resultierende, systemische Ungerechtigkeit und Beschränktheit aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden.

    Weil die eigentliche religiöse Verblendung darin besteht, die originale Heilige Schrift (die Bibel bis Genesis_11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften) NICHT zu verstehen – unabhängig davon, ob man an den Unsinn glaubt, den die Priester darüber erzählen, oder nicht -, birgt die Religion die Gefahr, sich zu verselbständigen (Cargo-Kult), wenn es niemanden mehr gibt, der ihre wirkliche Bedeutung noch kennt.

    Die makroökonomischen Konstruktionsfehler und die etablierten Machtstrukturen können dann solange nicht behoben werden, wie der Cargo-Kult andauert, selbst wenn das Wissen bereits zur Verfügung steht, um die ideale Makroökonomie und die darauf aufbauende, herrschaftsfreie Gesellschaft zu verwirklichen, in der allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden selbstverständlich werden:

    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

  • Christian Sterzl

    Abgesehen davon dass dieser Kommentar null mit dem Artikel zu tun hat, dem ich nur zustimmen kann, frage ich mich was es heisst die ideale Makroökonomie zu schaffen. Für wen ideal? Wie macht man das? Von oben herab durch Zwang? Tja, da ist er wieder der „wohlmeinende“ Diktator.

    Und zu dem Stuss mit der Religion möcht man kein Wort verlieren.

  • „Für wen ideal?“

    Für alle:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/08/personliche-freiheit-und-sozialordnung.html

    „Wie macht man das?“

    Durch Aufklärung:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/08/behandlung-eines-privatpatienten.html

    „Von oben herab durch Zwang?“

    Es gibt schlicht keine andere Möglichkeit:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

    „Tja, da ist er wieder der “wohlmeinende” Diktator.“

    Na, Sie müssen es ja wissen:

    http://www.deweles.de/globalisierung/die-3-gebote.html

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