Frank Stronach hat es geschafft – er hat endlich wieder einen fixen Platz in den Medien: mit „Wahrheit, Transparenz und Fairness“ will er Österreich retten und der kommende Heiland sucht weiter brav nach neuen Jüngern. Hauptsache, die Energie stimmt. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Gerhard Köfer, Bürgermeister von Spittal an der Drau und bisher unbekannter SP-Nationalratsabgeordneter (Sitzplatz: (vor)letzte Reihe) war der Erste, der sich öffentlich zu ihm bekannte. Stronach sei ein „väterlicher Freund“, kennengelernt habe man sich, als der frischgebackene Energetiker Köfer Stronachs Pferde behandelte. So weit, so dubios. Zudem hat auch Vizebürgermeister Hartmut Prasch bekanntgegeben, dass er die SPÖ verlasse und zum Milliardär wechsle. Doch außer Köfer und Prasch sind in Wahrheit niemand sonst bestätigt.

Gerüchte gibt es hingegen unzählige:

Definitiv abgesagt haben bisher:

Und obwohl der einstimmig gewählte Spitzenkandidat der Stronach-Partei bisher nur Gerhard Köfer wirklich beeindrucken konnte, überschlagen sich die Meldungen in den Medien. Doch warum das Ganze? Es ist ganz einfach: Findet er zwei weitere NR-Abgeordnete, die auf seine Seite wechseln, so könnte er automatisch österreichweit zur Nationalratswahl antreten und müsste keine 2.600 Unterstützungserklärungen sammeln. Würde er es sogar schaffen, insgesamt fünf NR-Abgeordnete zu angeln, hätte die Stronach-Partei Anrecht auf einen Parlamentsklub, sogar schon vor der Wahl (also bevor irgendjemand ein Kreuz bei Stronach machen könnte). Das würde das Prinzip einer Wahl vollkommen ad absurdum führen.

„Ich wünsche mir für Stronach das selbe Maß an medialer Aufmerksamkeit, das anderen neugegründeten Parteien zuteil geworden ist. Fast keine.“, schreibt Daniel Imrich auf Twitter. Doch ich denke, man muss hier unterscheiden: die meisten neugegründeten Parteien haben selten die Chance, über 1 oder 2 Prozent hinauszukommen. Bei der Stronach-Partei könnte es sich hingegen, so meint Filzmaier, zum Zünglein an der Waage bei der Regierungsbildung 2013 handeln. Noch dazu, da Stronach 25 Millionen Euro in sein neues Hobby stecken möchte (die Obergrenze für Wahlkampfkosten in Höhe von 7 Mio Euro gilt aber auch für ihn).

Die Frage ist, ob allen potentiellen Überläufern bewusst ist, zu welcher Politik sie sich nun bekennen. Jenes „Zurück zum Schilling“, das Stronach so prominent propagiert würde (laut Volkswirt Stefan Bruckbauer) Österreich 2-3 Milliarden Euro kosten und kaum vorhersehbare, fatale wirtschaftliche Folgen haben. Außerdem könnte man hinterfragen, ob man in dieser Reihe der Flat-Tax-Länder auftauchen möchte. Stronach vertritt zu einem großen Teil jene neoliberale Politik, die man als Grund für die immer noch andauernde Krise sehen kann. Das muss man, unter dem Motto von „Wahrheit, Fairness und Transparenz“ – wie ich finde – so oft wie möglich betonen.

Bildquelle: AttributionNoncommercialShare Alike Some rights reserved by michaelthurm (modifiziert von Dominik Leitner)

The following two tabs change content below.
freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

Neueste Artikel von Dominik Leitner (alle ansehen)