Es ist so einfach: die Vorankündigung eines Parteiunterganges lässt erwartungsgemäß die Wogen hochgehen. Doch was will NEWS eigentlich damit erreichen? Ist das wirklich noch Journalismus oder der gierige Blick auf eine steigende Auflage? Und was hat all das mit Jörg Haider zu tun? Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Vielleicht wollte man einfach nur lustig sein, vielleicht wusste man fünf Minuten vor Redaktionsschluss einfach noch nicht, mit welcher Story man nun auf der Titelseite punkten könnte. Laut NEWS-Chefredakteur Wolfgang Ainetter passierte es aus reiner Sorge. Der Redaktion war zugetragen worden, dass es um die Volkspartei schlecht stehe. Werde die investigativen Köpfe der Redaktion eigentlich dafür bezahlt, solche Informationen einzuholen? Denn dass die Volkspartei, ehemals eine Partei jenseits der 30 Prozent (oder gar 42 % beim Erdrutschsieg 2002) nun wieder einmal hinter der erstarkten FPÖ dahindümpelt, ihre Vergangenheit sie endlich einholt und immer weitere neue Skandale auftauchen, sind kaum zu übersehen. Doch mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als das Buch, herausgegeben von Josef Broukal zu adaptieren: „Nachrichten vom Ableben der SPÖ ÖVP sind stark übertrieben.“ Ich wage zu behaupten: die Volkspartei bleibt und womöglich wird ein neuer Phönix aus seiner Asche steigen.

Wie Broukals Buch deutlich macht, stand es auch um die SPÖ nicht gut. Vorbei sei die Zeit der Sozialdemokratie … und nun führen die Roten unter Faymann einsam die Spitze an (nur ganz selten sehen Meinungsforscher die FPÖ knapp hinter bzw. gleichauf oder vor der SPÖ). Das mag womöglich nicht auf die Fähigkeit des roten Regierungsteams zurückzuführen sein, sondern viel eher auf die Unfähigkeit der Schwarzen. Doch die Meinung der Wähler dreht sich manchmal unglaublich schnell und sollten charismatische, junge Politiker es schaffen, in der Volkspartei Fuß zu fassen, könnte es schon rasch wieder bergauf gehen. Zwar behaupte ich, dass einige Werte, die die ÖVP so konservativ vertritt, bald Geschichte (bzw. Diskussionsstoff) sein müsse … der Tod der Partei rückt in weite Ferne. Und NEWS wollte wohl ganz einfach wieder einmal die Auflage steigern, da Titelbilder von Jörg Haider (früher stets die auflagenstärksten NEWS-Ausgaben) in Zeiten der Scheuchs und Dobernigs nicht mehr solche Strahlkraft haben wie früher.

Natürlich sind Skandale rund um Korruption, illegale Parteienfinanzierung, etc. keine Lappalien. Natürlich ist es logisch, dass der Wähler Ohrfeigen austeilt. Zwar überraschend einseitig (die FPÖ scheint sich von Korruptionsfällen relativ unbeeindruckt), doch niemand wird wohl zu fest zuschlagen. Denn verliert die eine Partei Stimmen, gewinnt diese eine Andere – und da kann die Meinung über eine Partei noch so schlecht sein, die Gräben zu den anderen Parteien sind in der Wahlkabine wohl viel zu tief.

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