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Es sind einige spannende Projekte von Christian Felber, die ich seit einiger Zeit mit großem Interesse verfolge: War es sein Buch „Neue Werte für die Wirtschaft“ vor drei Jahren, die „Gemeinwohl-Ökonomie“ (2010) oder die „Demokratische Bank„, gibt es mit „Retten wir den Euro“ ein Buch, dass „gleichermaßen die wirtschaftspolitischen Konstruktionsfehler des Euro als auch die demokratiepolisitschen Konstruktionsdefizite der EU aufzeigt“ [1]. Diese Woche bei uns in unserem #booklewal und morgen als Interview in unserem #podwal.

Christian Felber ist ein österreichischer Autor und Referent zu Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen. Er ist Gründungsmitglied der österreichischen Sparte von Attac, Initiator der „Demokratischen Bank“ und prägte den Begriff „Gemeinwohl-Ökonomie“. 2010 wurde er auf Initiative der Zeitschrift LEBENSART zum Nachhaltigen Gestalter 2010 aus dem Bereich Zivilgesellschaft gewählt sowie vom Public Relations Verband Austria zum Kommunikator des Jahres 2010 nominiert [2]. Felber studierte Romanische Philologie/Spanisch (Hauptfach) und Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie (Nebenfach) in Wien und Madrid.

Zu seinen bisher erschienenen Büchern zählen u.a. „Wir bauen Europa neu“ (2009), „50 Vorschläge für eine gerechtere Welt – Gegen Konzernmacht und Kapitalismus“ (2006), „Neue Werte für die Wirtschaft – Eine Alternative zu Kommuniksmus und Kapitalismus“ (2009), „Kooperation statt Konkurrenz – 10 Schritte aus der Krise“ (2009) oder „Die Gemeinwohl-Ökonomie – Das Wirtschaftsmodell der Zukunft“ (2010) [3].

Im Buch arbeitet sich Felber von der Oberfläche der Euro-Rettung immer weiter in die Tiefe bis hin zur Vision einer vollkommen demokratisierten Europäischen Union. Das wäre auch das höchste Ziel des Buches: Aufzuzeigen, dass sich die EU weiterentwickeln und demokratisieren soll.

Und das macht Christian Felber auch sehr verständlich und nachvollziehbar: Aufgeteilt in sechs Kapitel, analysiert „Retten wir den Euro“ zunächste die aktuelle Situation in Europa, zeigt auf, wie die Konstruktion aus Währungs- und Wirtschaftsunion schiefgelaufen ist. Er beschreibt, wie der Euro und vielleicht auch die EU durch Regierungen „zu Tode gerettet“ werden („Rettet die Wirtschaft von den Rettern [4]„) und bringt eine Menge an verständlichen Lösungsvorschlägen vor.

„Retten wir den Euro“ versucht, die Ansätze einer möglichen Euro-Rettung zu sortieren und zu systematisieren: Während die Ansätze Schulden übertragen, Schulden streichen, Schulden inflationieren von Regierungen bereits praktiziert oder diskutiert werden, wir die vierte Möglichkeit, nämlich Schulden zurückzahlen tabuisiert. Obwohl es nach Felber der einzige Weg wäre, den Euro tatsächlich zu retten.

Mehr als die Hälfte des Buches befasst sich thematisch mit der Euro-Krise, bei der alle wichtigen Rettungs- und Lösungsvarianten durchgegangen werden. Um diesen aktuellen Problemherd herum gehen Analyse und Alternativvorschläge allerdings sehr viel weiter und tiefer, bis hin zu einer völligen demokratischen Neukonstruktion der EU, mit einer ganz anderen politischen Ausrichtung als Ergebnis.

Es geht um die Verteilungsfrage und der tabuisierte Umstand, dass die privaten Vermögen in Österreich siebenmal so groß sind, wie die Staatsschulden oder wie die öffentlichen Schulden in der Euro-Zone. Fakten, die aus der politischen Diskussion ausgeblendet werden. Felber sieht in der Finanztransaktionssteuer einen weiteren Lösungsansatz: Wenn man das Vermögen mit 1 % besteuert, könnte man die Staatsschulden um fünf Prozent-Punkte reduzieren und in zehn Jahren halbieren, während man 90 % der Bevölkerung steuerfrei belassen würde.

Während österreichs Finanzministerin Felber’s Visionen als „Kommunismus“ bezeichnet, oder Felber vom Chefredakteur „Die Presse“ als Enteignungseuphoriker [5]dargestellt herbe Kritik einstecken muss, gibt es durchwegs positive Reaktionen auf die skizzierten Lösungsvorschläge und sieht sich durch aufkommende öffentliche Diskussionen, die in Richtung seines bis jetzt tabuisierten Rettungsweges gehen, bestätigt: Neben der Boston Consulting Group, dem Sachverständigenrat in Deutschland oder vom deutschen Institut für Wirtschaftsförderung wird der Zusammenhang zwischen Vermögen/Guthaben und Schulden sichtbar gemacht und in den Blick genommen.

Retten wir den den Euro! Mit Christian Felber from Projekt Demokratische Bank on Vimeo.

Christian Felber

Retten wir den Euro
Deuticke, Februar 2012
160 Seiten
ISBN 978-3-552-06187-3
10,30 € (A)

Einige Referenzen
[1] http://www.christian-felber.at/cv.php
[2] Kurzzusammenfassung: Retten wir den Euro (christian-felber.at)
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Felber

[4] Rettet die Wirtschaft von den Rettern (FM4)
[5] Enteignungseuphoriker (diepresse.com)

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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.
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  • „Kooperation statt Konkurrenz“, sagte der Führer im Politbüro und meinte: „Ihr sollt alle darin kooperieren, mich als euren Herrn und Meister anzuerkennen, und kommt niemals auf die Idee, mit mir konkurrieren zu wollen!“

    Der Markt (marktwirtschaftlicher Wettbewerb) wirkt nie ausbeuterisch, sondern ganz im Gegenteil immer ausgleichend. Ausbeutung entsteht aufgrund der Einschränkung des Wettbewerbs durch den Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, aufgrund einer fehlerhaften Geld- und Bodenordnung) und in verstärktem Maß durch die Abschaffung des Wettbewerbs in einer sozialistischen Planwirtschaft (Staatskapitalismus).

    Der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation, die freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, setzt den elementaren Erkenntnisprozess der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“ voraus:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/09/von-den-drei-verwandlungen.html