Weltrettung dauert: Nach „Endlich im Endlichen“ und „Lost in Transformation?“ versucht sich der diplomierte Volkswirt und Sozialökonom ein weiteres Mal an diesem Thema. Und liefert wissenschaftliche Erörterungen in verständlicher Sprache … manchmal jedoch beinahe schon fast mit zu viel Coolness.

Fred Luks hat in Hamburg und Honolulu Volkswirtschaftslehre studiert und unter anderem in Kuala Lumpur, New York und Berkeley Forschungsaufenthalte absolviert. In verschiedenen Positionen in Forschung und Lehre hat er sich vor allem mit „nachhaltiger Entwicklung“, Wachstum, Knappheit und metaökonomischen Fragestellungen befasst.

Neben Lehraufträgen an mehreren Hochschulen war er Gastprofessor für Ökologische Ökonomik an der Universität Hamburg. Luks war mehrere Jahre Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie. Zu seinen Publikationen zählen die Bücher „Die Zukunft des Wachstums“, „Nachhaltigkeit“ und „Endlich im Endlichen“. Er lebt in Wien und arbeitet dort zurzeit als Nachhaltigkeitsmanager

„Zur Politik des Aufschubs“ ließ mich etwas anderes erwarten: ich dachte an ein Plädoyer für mehr Engagement, für mehr Durchsetzungskraft. Luks jedoch erklärte, dass für eine Weltrettung der Aufschub oft fatal, aber hin und wieder doch notwendig ist und manchmal besser gewesen wäre. Mittels eines ABCs (von Authentizität über Empörung, Lippenbekenntnisse und Quantensprung bis hin zum Abschlusswort Zaudern) will er, unter anderem durch sein Wissen als Nachhaltigkeitsmanager vor allem eines aufzeigen: Es wird mit falschen Mitteln gespielt. Deshalb nennt er den Terminus Nachhaltigkeit nur unter Anführungszeichen; weil er in unserer heutigen Zeit viel zu inflationär verwendet wird (viel zu sehr auch im Marketing) und somit vielleicht schon zu viel an seinem ursprünglichen Sinn verloren hat.

„Die Endlichkeit der Natur und die sozialen Belastungsgrenzen sind nicht weniger relevant als die wirtschaftlichen Nöte, die heute so dominant scheinen.“

Fred Luks setzt seinen Fokus somit auf nachhaltige Politik. Und erklärt, dass eben jene Politiker manches Mal viele versprechen und es dann im Politikalltag untergehen lassen (nach dem Motto: „Irgendwas ist immer“) und wenn es einmal schlimm auf schlimm kommt, zu viel zu raschen Entscheidungen kommen. Zaudern bringt zwar so manches Mal einen Leerlauf ins politische Geschehen, viele Male würde aber ein überlegtes und überzeugtes Zaudern bei wichtigen Themen einerseits überraschen und andererseits auch wirklich Sinn ergeben. Husch-Pfusch-Aktionen scheint man ja anhand der vielen Krisenreaktionen mitbekommen zu können.

Für ihn ist der Kampf um „Nachhaltigkeit“ noch nicht vorbei. Er ist jedoch der Meinung, dass ein wichtiger Grund des (>) Scheiterns die (>) Humorlosigkeit ist und der Ruf nach (>) Revolution die (>) Politik allzu oft (>) zaudern lässt. Und, so schreibt er, man darf nicht jeden Politiker, der sich mit „Nachhaltigkeit“ auseinandersetzt , jede Autofahrt, jeden Flug und jeder Kauf einer Zwiebel aus Argentinien vorwerfen. Bei Aktivisten hingegen müsse man da schon genauer hinsehen. Ein Tipp für die Weltrettung ist somit: weiterzumachen, und die Krise des Finanzmarktes mithilfe einer überlegten (gezauderten) Politik in Richtung einer Wende zu mehr Sozialem und Nachhaltigem zu entwickeln. Was Luks aber übrigens gar nicht mag ist Facebook, das für ihn in Sachen Sinnlosigkeit nur von Twitter getoppt wird. (Etwas zum Schmunzeln: @fredluks)

Eine auf Beschleunigung, Innovation und Expansion programmierte Multioptionsgesellschaft kann mit dem Scheitern offenbar wenig anfangen.

Fred Luks hat dieses Buch so locker geschrieben, als wäre es ein Gespräch am Stammtisch. Fundiert zwar, mit vielen Quellenangaben und Fakten, jedoch in so entspannter und junger Sprache geschrieben, dass es eine schöne Lektüre für zwischendurch ist. Ich habe mir zwar eine genauere Betrachtung der „Politik des Aufschubs“ gewünscht, finde aber die Herangehensweise mittels ABC an Themen wie Politik und „Nachhaltigkeit“ sehr erfrischend und mitreißend. Auch wenn so manches Mal etwas weniger Coolness auch ok gewesen wäre.

Fred Luks

Irgendwas ist immer
Zur Politik des Aufschubs

Taschenbuch
93 Seiten, 10.0 x 15.5 cm
ISBN: 978-3-89518-888-6
€ 9,80

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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