Josef Ackerl wird für seinen Vorschlag gescholten, eine 0,5 Promillegrenze für Jugendliche einzuführen. Es erscheint beinahe so, als dürfe man in unserer Gesellschaft nicht einmal mehr über eine Beschränkung des Alkoholkonsums diskutieren, oder? Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Die sich in Opposition befindliche oberösterreichische SPÖ scheint mit unscheinbaren Themen Aufmerksamkeit erhaschen zu wollen. Und die Kritik an manchen Vorschlägen scheint kaum enden wollend. Der Parteivorsitzende der SPÖ OÖ und Vize-Landeshauptmann Josef Ackerl hat sich zuletzt zum Thema Jugendschutz zu Wort gemeldet. Sein Vorschlag, junge Menschen zwischen 16 und 18 sollen beim Ausgehen maximal 0,5 Promille Alkohol konsumieren, wirkt etwas hilflos. Die Reaktionen der verschiedenen Ideengegner zeigen aber das Problem an dem Ganzen.

Die JVP Oberösterreich meint dazu: „Erfahrungen mit Alkohol gehören in unserer Gesellschaft gewissermaßen zum Erwachsenwerden dazu und werden von Älteren vorgelebt. Zweifelsohne lernt jeder aus diesen Erfahrungen, die einem auch klar die Grenzen aufzeigen.“ Die Gastronomie sieht den Schwarzen Peter bei sich und bezeichnet Ackerls Vorschlag als „praxisfern“. Und der Landespolizeikommandant Andreas Pilsl meint: Die Exekutive habe über Jahre ein gutes Verhältnis zu jugendlichen Fortgehern aufgebaut, welches nun gefährdet werden könnte. „Man lässt die Jugendlichen mit 16 wählen und Auto fahren [sic!] und agiert dann beim Thema Alkohol so. Das passt nicht“, sagt Pilsl.

Die Junge Volkspartei findet also, dass Alkohol-Erfahrungen (also, neben Damenschwips auch: Kotzen, Prügeln, Scheiße bauen) zum Erwachsenwerden dazugehören. Also beinahe „Learning by Doing“. Was sagt da die Mutterpartei dazu, die in vielen Städten mit sogenannten „Stadtwachen“ das Geld zum Fenster rausschmeißt, um an Party-Abenden (freitags und samstags) für Ruhe und Ordnung zu sorgen? Die Gastronomie hat, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, seit eh und je den Schwarzen Peter. Einen Vorschlag könnte ich aber unterbreiten: Vielleicht sollte man sich mal überlegen, Antialkoholisches nicht teurer, sondern eventuell billiger zu verkaufen als Bier, Radler, Spritzer oder Wein. Es wäre zumindest ein Zeichen, ein Anfang.

Jedem einzelnen Kontraagrument kann ich nicht vollkommen widersprechen, und doch zeigt es eines auf: Alkohol ist in unserer Gesellschaft leider von unglaublicher Wichtigkeit. Kein Wunder, dass man als Jugendlicher spätestens mit 16 beinahe schon zwangsläufig zur Flasche greifen muss. Ackerls Vorstoß ist wohl nicht das Gelbe vom Ei. Worüber man aber (neben einem einheitlichen Bundesjugendschutzgesetz) reden sollte, wäre ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol. Und das vielleicht nicht nur beim Fortgehen, sondern auch zum Beispiel bei Schulveranstaltungen oder Familienfeiern. Und eventuell könnte man sich so etwas auch bei Parteiveranstaltungen überlegen.

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