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Hat sich Roland Düringer wirklich vom Benzinbruder zum Wutbürger entwickelt? Was steckt hinter seiner Wutrede bei „Dorfers Donnerstalk“? Und können er und zwei Philosophen die Lösung für die „Systemtrottel“-Misere bieten? Mit „Das Ende der Wut“ definitiv nicht.

Die Autoren

Roland Düringer ist Kabarettist und Schauspieler. Seine Wutbürger-Rede in der Serie „Dorfers Donnerstalk“ sorgte in den österreichischen Medien für Furore und ist auf YouTube bereits 300.000 Mal aufgerufen worden. Eugen Maria Schulak ist Philosoph und realistischer Idealist. Er hat die Philosophische Praxis in Wien gegründet, wo ’normale Bürger‘ an der Philosophie teilhaben und mit dem Philosophen ins Gespräch kommen können. Daneben ist er Vorstand des Instituts für WertewirtschaftRahim Taghizadegan ist Wirtschaftsphilosoph und Gründer des vollkommen unabhängigen Instituts für Wertewirtschaft, das sich der Erkenntnissuche und Wissensvermittlung widmet.

Der Pathos schwingt mit, wenn man die Zeilen im Klappentext liest. „Wir müssen anfangen, das System zu zerlegen. Jeder für sich.“ Und naive Leser haben sich vielleicht beinahe vom Titel des Buches selbst, „Das Ende der Wut“, anlocken lassen: Düringer, der große Wutmensch, der Systemtrottel, der aus dem Hamsterrad treten will (oder schon getreten ist) wird doch hier wohl nicht das Allheilmittel für alle Wutbürger bereit haben? Nein, das wird er nicht. Nicht einmal annähernd. Vielmehr ist das dünne Büchlein ein Rundumschlag gegen „das System“, die Politik, die Medien und die Menschen selbst. Eigentlich nur eine Zusammenfassung von Düringers Wortmeldungen der vergangenen Monate, inklusive Breirezept.

Wo du hinschaust, nur Wappler.

Das Buch ist vor allem eine Mischung. Die drei Autoren, Düringer, Schulak und Taghizadegan haben, zumindest wenn man den 83 Seiten Glauben schenken darf, einige Zeit damit verbracht, über die Wutbürger-Rede des Kabarettisten zu plaudern. Was stört die Menschen? Die Autoritäten? Das System? Was ist das System? Und führt es sich, wenn man es nicht als Faktum akzeptiert, nicht automatisch ad absurdum? Die Politik? Die laut den dreien Autoren eh nur aus der Aufgabe besteht, Geld in die eigene Tasche zu scheffeln? Oder stört die Menschen gar ihr eigenes Menschsein? Die Diskussionsfetzen werden mit kurzen Inputs etwas genauer ausgeführt. Mit Zitaten von Nietzsche, mit einem erdachten Kasperltheater. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Philosophie, zumindest in der Form, wie die drei Herren es betreiben, zu rein gar nichts führt. Vor allem nicht zum Ende der Wut, denn diese entsteht zumindest nach dem Abschluss des Buches gegen die drei Autoren selbst.

„Bullshit ist eine Mischung aus Lügen, Falschinformationen und Details, die ich weglasse, weil sie nicht zur Story passen und Ähnliches. Das große Problem dabei ist, dass eben nicht alles gelogen ist. […] Es ist viel eher Nachlässigkeit und Bequemlichkeit, Bullshit eben.“ – Taghizadegan zum Thema Medien

„Das Ende der Wut“ möchte cool sein, möchte lustig sein und den Leuten den Spiegel vorhalten. Vielleicht bin ich selbst einer jener Menschen, die – wie im Buch beschrieben – noch keine Ahnung haben, in welcher Misere sie stecken. Jedoch kann ich gut erkennen, in welcher Misere Düringer, Schulak und Taghizadegan stecken: Sie wollen wütend sein, um des Wütendseins wegen. Und wollen uns gleichzeitig glauben lassen, dass Wut das Falsche ist. Was jedoch das Richtige ist, was es zu Verändern gebe und wie man dies nun schaffen könnte, darüber schweigen sie. Nachdem ich das Buch in einem Zug durchgelesen habe (was aufgrund der Kürze relativ einfach war), war ich genauso rat- und wutlos wie zuvor. Fazit: Entbehrliches „Sachbuch“ zum Wutbürgerkomplex.

Das Ende der WutRoland Düringer, Eugen Maria Schulak, Rahim Taghizadegan
Das Ende der Wut

Hardcover
85 Seiten

ISBN 978-3-7110-0026-2
€ 14,90

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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  • Reisberger

    Zitat aus der o.g. Rezession:

    „Vielleicht bin ich selbst einer jener Menschen, die – wie im Buch beschrieben – noch keine Ahnung haben, in welcher Misere sie stecken.“

    Ich glaube dies ist einer der wichtigen Sätze zur o.g. Rezession.

    Als Haupttenor und Vorwurf geht für mich aus der Kritik hervor, dass die 3 Autoren keine plötzlichen Lösungsvorschläge für sämtliche Probleme in unserer Gesellschaft parat haben.., aber wer ist so naiv und würde etwas so unglaubliches wirklich von einem Buch erwarten, welches, wie ja sofort festgestellt und mehrmals bestont, so dünn ist, dass man es ohne Probleme in einem Rutsch durchlesen kann.

    Auch ist es ein philosophisches Buch – solche Bücher sollen in der Regel das selbständige Denken anregen um genau dem von Düringer beschriebenen „Hamsterrad-Denken“ zu entkommen.

    Es geht viel mehr um ein Aufrütteln und wie es der Schreiber des o.g. Textes ja ebenfalls richtig verstanden hat, nicht nur um ein Anprangern der Politik, des Systems, sondern eben der gesamten Gesellschaft und der Tatsache, dass diese einfach immer den bequemsten und „scheinbar“ sichersten Weg gehen möchte.

    Und hier empfinde ich es als absolut wertvoll mit einem solchen Buch jene zu erreichen, welche fähig sind ihr Ego herabzuschrauben und den Mut haben die Augen auf zu machen um die Welt aus einem neuen Blickwinkel zu sehen, auch wenn dadurch die bisherige Vorstellung der Welt zimlich ins Wanken gerät.

    Ich könnte mir vorstellen, dass der Titel „Das Ende der Wut“ so gewählt ist, weil man eben nur mit wirklicher Eigeninitiative, die bei jedem für sich anfängt etwas ändern kann – der Titel ist wohl philosophisch zu verstehen und man darf nicht von jedem Erwarten, dass er das auch im gleichen Maße nachvollziehen kann wie es der Schreiber eigentlich meinte.

    Kurzum, ich finde es schade, wenn man solch eine negative Kritik über ein Buch liest, wenn es doch für viele Menschen ein wertvolle Chance darstellen kann indem es Dinge behandelt, die so vielen Menschen in unserer Gesellschaft wirklich aufstoßen, oder warum hat die Rede des Wutbürgers wohl so vielen Menschen aus der Seele gesprochen?
    Es gibt geügend Menschen, die die message von R. Düringer & Co verstanden haben – all jene nun mit einer solchen Rezession als „Bullhit-Liebhaber“ zu bezeichnen empfinde ich als sehr anmaßend und gerade zu naiv.

    Sven Reisberger

  • Dominik Leitner

    „Vom Systemtrottel zum Wutbürger“ war schon im Grunde kein gutes Buch, und doch konnte man auf den letzten vierzig Seiten eine gewisse Utopie, in welche man hineinwachsen könnte, erahnen. „Das Ende der Wut“ ist aber nichts davon. Es sind Ausschnitte aus dem ersten Buch und Dialogfetzen zwischen den Dreien. Es liefert nichts, rein gar nichts. Es stellt die „Systemtrottel“-Theorie als Faktum hin und beleidigt eher jene, die diese Punkte nicht nachvollziehen können.

    Düringer spricht in seinen Ansprachen von Wahlboykott, von der dummen Politik, dem dummen System, der sowieso vollkommen beschissenen Arbeit, vom vermaledeiten Geld. Als einer, der in diesem dummen System, mit seiner Arbeit berühmt geworden ist, der jetzt mit seinen Auftritten und Büchern viel Geld verdient, kann ich ihm all das nicht wirklich abnehmen.

    Und Rezensionen sind immer relativ. Ihnen scheint es ja zu gefallen, für mich ist es ein, wie gesagt, entbehrliches Werk. Mir hat es rein gar nichts gebracht, sondern eher Wut entstehen lassen. Ein „Alles ist scheiße!“ und „Wir sind dagegen!“ und „Gegen Politik, Geld, System, Arbeit“ klingt zum Teil doch sehr stark nach Heinz-Christian Strache und seine Parolen der FPÖ. Mir sind seine Ansichten zu radikal: Wahlboykott und der Wunsch nach Eliminierung des Parteiensystems ist für mich zutiefst undemokratisch.

    Tut mir Leid, ich kann damit leider nichts anfangen. Und jener Satz, auf den sie sich referenzieren, sollte man bei mir zumindest mit einem leichten ironischen Unterton verstehen.