Studiengebühren bringen weder den Weltfrieden noch ausfinanzierte Eliteunis für Österreich, auch wenn die Vehemenz mit der manche Verfechter sie fordern, den Eindruck hinterlässt dass ohne Studiengebühren bald nur noch brennende Ruinen dort verfallen werden, wo heute Österreichs Unis stehen. Aber ganz nutzlos sind Studiengebühren dann auch nicht.

Der freie Hochschulzugang, eine Sackgasse?Studiengebühren seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wird von Kritikern entgegengehalten, und sie würden zu massiver sozialer Selektion führen. Zehntausende Studierende hätten ihr Studium abbrechen müssen, als unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erstmals Studiengebühren eingeführt wurden. Und überhaupt, der freie Hochschulzugang sei ein höheres Gut, und mit Studiengebühren unvereinbar.

Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Die Idee und die Realität des freien Hochschulzugangs stehen in fundamentalem Widerspruch zueinander. Die Universitäten institutionalisieren Soziale Selektion um mit den Folgen des realen freien Hochschulzugangs fertig zu werden. Nachhilfeinstitute verdienen sich eine goldene Nase, weil Studierende ein Vielfaches möglicher Studiengebühren bezahlen müssen, um Knock-Out-Prüfungen bestehen zu können. Wer ein Semester verliert weil nicht genug Lehrveranstaltungen für die Studierendenmassen angeboten werden können, kann damit vielleicht auch gleich die Beihilfen verlieren, die er zur Finanzierung des Studiums braucht.

Selbst wenn der freie Hochschulzugang sozial gerecht wäre, ist die Idee damit die massive soziale Selektion im Schulsystem ausgleichen zu können naiv. Am schlimmsten davon betroffen sind nicht jene, die mit einer schlechteren Schulbildung an die Uni kommen, sondern die gar nicht an die Uni kommen. Die großen Probleme der Primär- und Sekundärstufe können nicht über den Hochschulzugang gelöst werden.

Die Universitäten sind finanziell am Ende, und Gegner der Studiengebühren nehmen in Kauf, dass selbst kritische Universitätsleitungen oft keinen anderen Ausweg sehen, als „Frank-Stronach-Institute“ oder „Raiffeisen-Hörsäle“ einzurichten, um und sich mit unfairen „Knock-Out“-Prüfungen Studienbedingungen am Rande der Erträglichkeit zu organisieren. Studiengebühren stellen hier freilich nur eine unbefriedigende Lösung da. Sie spülen schnell etwas Geld in die leeren Kassen, mehr nicht.

Mittelfristig kann die Lösung für den Hochschulzugang nur in möglichst fairen Beschränkungen für den Zugang zu den Universitäten liegen. Das muss nicht jedes Studium betreffen und kann auch erst beim Zugang zu Masterstudien beginnen. Darüber müsste ernsthaft diskutiert werden, doch dazu müssten die Entscheidungsträger ihre ideologischen Schützengraben verlassen.

Österreichs Universitäten sind Massenuniversitäten, in fast allen Fächern kommt der Qualitätsanspruch an die Lehre zu kurz, um die bloße Quantität an Studierenden bewältigen zu können. Und die Frage, wer etwa alle Studierenden die Massenstudien wie Pädagogik absolvieren, irgendwann anstellen soll, traut sich auch niemand stellen.

Der Diskurs, nicht nur über sondern auch an den Unis, wird von Hardlinern bestimmt. Zwischen der Position, jede Uni müsse jedes Studium zu den bestmöglichen Bedingungen für jedermann anbieten, und der, jede Uni habe ein Elfenbeinturm zu sein, zu dem man nur Zutritt hat, wenn man reich, weiß und männlich ist, ist offensichtlich kein Kompromiss möglich. Genauso unmöglich ist aber die Realisierung der einen wie der anderen Fantasie.

Der freie Hochschulzugang ist gescheitert. Die soziale Durchmischung an den Fachhochschulen ist wesentlich besser als an den Universitäten. Das dürfte zwar vor allem daran liegen, dass FHs konkrete Jobs und abschätzbare Abschlusszeiten bieten, aber es zeigt auch, dass höhere Bildung nach der Matura durch Studiengebühren und Aufnahmetests nicht automatisch zu einem Geldelitenklub wird.

Foto: valentin.d

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.