Der Fall Timoschenko hat den Stein ins Rollen gebracht: Ukraine wurde beinahe über Nacht zur Buh-Nation Europas. Der deutsche Boykott zog seine Kreise, schwappte bis zur EU-Kommission und wird immer noch heftig diskutiert. Ich bin gespannt, ob man auch 2014 Grund zum boykottieren findet. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Heute beschäftigen sich die Medien mit der Frage, ob ein Boykott überhaupt sinnvoll und zielführend ist: die Wiener Zeitung fragt „Boykottieren oder nicht?„, im Kurier meint man sogar, der „EM-Boykott ist dumm„. Über die Sinnhaftigkeit kann man sicherlich streiten: das Fernbleiben wird, wenn erstmal die EURO 2012 gestartet ist, nur mehr eine Fußnote sein, die man allzu gerne übersehen wird. Die Politik könnte sich auf die Schultern klopfen, da sie sich so mutig gegen die ukrainische Regierung gestellt hat, aber eine Auswirkung auf Demokratie, Menschenrechte oder ähnliches wir das wohl nicht haben. Ein Boykott allein reicht nicht. Ich sage: Echauffiert euch!

Politiker verschiedener Länder haben die Macht und auch die Position, auf Missstände in anderen Ländern hinzuweisen. Mit einem einfachen Boykott ist das aber nicht getan … da ist es viel eher sinnvoll, vielleicht doch zu den Spielen hinzureisen und z.B. bei Pressekonferenzen in der Ukraine eben diese Missstände zu nennen und zu verurteilen. Und eines sollte man auf alle Fälle beachten: wenn man dieses eine Mal in der Ukraine boykottiert, so müsse man das auch richtig fortsetzen: in Wahrheit hätte auch der Eurovision Song Contest 2012 in Baku, Aserbaidschan genauso boykottiert gehört und auch Russland wäre mit den Olympischen Winterspielen 2014, der Fußball-WM 2018 und einem Formel 1-Rennen (allesamt in Sotschi) ein gutes Ziel für Boykotts. Und ich glaube, dass zumindest Letzteres ein zu mächtiger Partner im weltweiten Staatengefüge ist, als dass man sich hier zu widersprechen traut.

Also, liebe Boykottierenden: Setzt euch einmal gemeinsam an den Tisch und überlegt, wie man die Missstände in der Ukraine verbessern kann. Verschafft euch Gehör, setzt die Politik in diesem Land unter Druck. Helft den Bewohnern der Ukraine. Durch reines Fernbleiben erreicht ihr das wahrscheinlich nicht.

Bildquelle: Some rights reserved by Steve Rhodes

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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