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Fast drei Jahre ist #unibrennt nun vorüber. Alle Studierenden sind zur gewohnten Resignation zurückgekehrt. Alle? Nein, eine kleine Gruppe Widerständiger wehrt sich weiterhin und macht dabei nur einen Fehler: Sie wiederholt jene von 2009. Ein Kommentar von Dominik Leitner.

Eines muss man #unibrennt lassen: Die Bewegung war, trotz aller Unsinnigkeiten, trotz aller internen Streitereien und obwohl die Unis heute durchwegs schlechter dastehen, ein Erfolg. Die Verhältnisse an österreichischen Universitäten wurden im ganzen Land ein Thema, worüber nur allzu gerne – und am Allerliebsten oftmals in Stammtischmanier – diskutiert wurde. Die Politik aber hat nicht reagiert. Die Sache mit den Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen wirkt mehr als lächerlich: Weil man koalitionär nicht wirklich streiten will, überlässt man die Universitäten auch in dieser Frage einmal mehr ihnen selbst. Und dann auch noch die geplante Abschaffung des Bachelorstudiengangs „Internationale Entwicklung“. Das alles ist eine andere Geschichte und könnte wohl am Besten in einer Artikelserie behandelt werden. Doch hier geht es um #unibrennt.

Letztens wurde das Audimax ein weiteres Mal besetzt. Sofern ich mich erinnern kann, das zweite Mal seit der großen, monatelang andauernden Besetzung zwischen Oktober und Dezember 2009. Die WEGA ließ ihn nach Stunden räumen, die #unibrennt-Leute (also: der harte Kern) feierte von einer neuen Revolution oder Evolution oder was auch immer. In Wahrheit war es nur ein hilfloser Hilfeschrei: Ein Protest, um auf die Missstände aufmerksam zu machen, ist wichtig. Die Idee einer Besetzung sollte aber nun Geschichte sein. Österreich (’s Unis) können damit umgehen. So einzigartig, so lebendig, so mutig man 2009 agierte, so kopiert, so leblos und fad wirkt jede weitere Besetzung.

Eine neue Form des Protests, bitte!

Der Zustand österreichischer Universitäten ist eine Frechheit und eigentlich eine Beleidigung für ein Land wie unseres. Ich diskutiere nur allzu gerne mit Menschen, die nicht unbedingt meiner Meinung sind … doch jegliche weitere Besetzung eines Hörsaales kann ich nur mehr schwer argumentieren. Es macht keinen Sinn mehr. Vielleicht wär ein frisches How-to notwendig: Anstatt zuerst besetzen und dann langsam Forderungen (basisdemokratisch) zu entwickeln, sollte man vielleicht zuerst mit den Forderungen kommen (die man im Web, innerhalb einer offenen Crowd) und dann überlegen, wie man die Masse darauf aufmerksam machen … und die Politik unter Druck setzen kann. Mit einer Besetzung hingegen ist es leider nicht getan.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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